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Thorsten Schorr legt den Amtseid ab. Neben ihm steht Kreistagsvorsitzender Jürgen Banzer.

Nachfolge von Kämmerer Thorsten Schorr

Jetzt ist die Oberurseler Koalition am Zug

CDU und SPD müssen die Nachfolge des scheidenden Kämmerers Thorsten Schorr (CDU) regeln. OBG denkt über einen eigenen Kandidaten nach. Die Stelle könnte aber auch einfach unbesetzt bleiben.

Oberursel - Für Thorsten Schorr hatte der gestrige Dienstag etwas von Geburtstag: Immer wieder bekam er Glückwünsche - war der 49 Jahre alte Christdemokrat doch am Vorabend zum neuen Ersten Kreisbeigeordneten gewählt worden und hatte seinen Amtseid abgelegt.

Weil er von Januar 2020 an in Diensten des Hochtaunuskreises steht, scheidet er zum Ende dieses Jahres aus dem Amt des Oberurseler Stadtkämmerers aus, das er seit Oktober 2010 innehat. "Ich habe mich immer wohlgefühlt in Oberursel", sagt Schorr. "Aber ich freue mich auch auf die neue Herausforderung."

Bis er sein Büro im Oberurseler Rathaus räumt, will er sich in erster Linie noch zwei großen Themen widmen. Da ist zum einen der Haushalt 2020, der aufzustellen ist. Schorr hofft, dass der Etat wie vorgesehen im November dieses Jahres beschlossen wird. Und zum anderen möchte Schorr, der auch Feuerwehrdezernent ist, das neue Gefahrenabwehrzentrum "so weit wie möglich auf den Weg bringen".

Doch auch Oberursels Kommunalpolitik hat jetzt eine Aufgabe: Sie muss die Nachfolge Schorrs regeln. Diese Personalfrage ist umso spannender, als dass die Akteure schon das Jahr 2021 im Blick haben: Dann stehen Kommunalwahlen an, die die Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament deutlich verschieben könnten, und die Oberurseler wählen zudem einen neuen Bürgermeister. Amtsinhaber Hans-Georg Brum (SPD) hat angekündigt, nicht mehr zu kandidieren.

Strategischer Vorteil

Wer jetzt als Schorr-Nachfolger zum Stadtrat gewählt wird, hätte einen strategischen Vorteil, um sich für die Bürgermeister-Direktwahl in Stellung zu bringen. Oder andersrum: Die Fraktionen werden wohl genau hinschauen, wem sie den Posten und damit diesen Start-Vorteil gönnen... 

Nun ist die CDU/SPD-Koalition am Zug, sich zu positionieren - die Mitbewerber machen deutlich, dass sie abwarten, was Union und SPD machen. CDU-Vorsitzender Thomas Poppitz sagt, die Koalition habe das Thema noch nicht besprochen, auch parteiintern habe man abgewartet, bis Schorr gewählt ist. Poppitz bekräftigt aber, dass die CDU das Vorschlagsrecht für den Posten für sich reklamiert.

Ob die SPD dem folgt oder vielleicht den Posten für sich beansprucht, wollen die Sozialdemokraten noch untereinander besprechen. "Wir haben uns noch nicht festgelegt", sagt Parteichefin Antje Runge. Sie hatte 2017 das Nachsehen gehabt, als der Plan der Koalition scheiterte, Schorr zum Ersten Stadtrat und Runge zur neuen Stadträtin zu wählen - was der SPD jetzt als Argument dienen könnte.

Aber: "Was immer du tust, bedenke das Ende", sagt SPD-Fraktionschef Eggert Winter. Denn: Wird sich die Koalition nicht einig, könnte das das Aus für Schwarz-Rot in Oberursel bedeuten.

Eine weitere Option, die im Raum steht: Die Stelle bleibt bis zur Kommunalwahl unbesetzt, und Schorrs Zuständigkeiten werden auf Bürgermeister Brum und Ersten Stadtrat Christof Fink (Grüne) verteilt.

"Wenn wir Chancengleichheit für alle wollen, dann warten wir bis zur Kommunalwahl", sagt Georg Braun, der Fraktionsvorsitzende der OBG. Er kündigt aber auch an, dass die Bürgergemeinschaft genau beobachten wolle, was die Koalition macht - und abhängig davon überlegen wolle, einen eigenen Kandidaten aufzustellen.

Oberurseler FDP beobachtet

"Wir beobachten im Augenblick", sagt auch FDP-Partei- und Fraktionschefin Katja Adler mit Blick auf die Koalition. Sowohl die Liberalen als auch die Grünen könnten sich ein Freilassen des Stadtratspostens bis nach der Kommunalwahl grundsätzlich vorstellen. "Da lässt sich gut drüber nachdenken", sagt Grünen-Fraktionschefin Christina Herr.

Die AfD will ebenfalls schauen, was die Koalition macht - und danach ihre Entscheidung treffen. Wobei Fraktionschef Peter Lutz meint: "Ich gehe davon aus, dass das schon längst ausbaldowert ist."

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