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Die Anwohner der Oberhöchstadter Straße fordern schon seit Längerem, dass hier nur noch Tempo 30 gefahren werden darf. 

Oberhöchstadter Straße

Wegen Lärmbelästigung: Tempo 30 soll für Ruhe Sorgen

In Oberursel ist es auf der Oberhöchstadter Straße viel zu laut. Deshalb kommt nun das Tempo-30-Limit. Nicht jeder ist davon begeistert. 

Oberursel - Es ist paradox: Dass es auf der Oberhöchstadter Straße in jüngster Vergangenheit noch lauter geworden ist, ist gut - und zwar im Hinblick darauf, dass man nun etwas unternehmen könne, wie Erster Stadtrat Christof Fink (Grüne) jetzt im Bau- und Umweltausschuss (BUA) erklärte. Seit Monaten protestieren die lärmgeplagten Anwohner, vor allem des oberen Streckenabschnitts zwischen Füllerstraße und L 3015, allein: "Hier war es erst einmal nicht laut genug für Tempo 30", sagte Fink.

Nach diversen baulichen Entwicklungen habe es jüngst aber neue Messungen gegeben: Die Eingreifwerte nach dem Lärmaktionsplan, 65 Dezibel (dB(A)) tagsüber und 55 Dezibel in der Nacht, würden inzwischen auf dem gesamten Streckenabschnitt erreicht. 

"Durch die Reduzierung der Geschwindigkeit von 50 auf Tempo 30 ergäbe sich eine Reduzierung der Lärmbelastung um drei dB(A), das ist in der Wahrnehmung eine Halbierung", teilte Fink den Ausschussmitgliedern und betroffenen Bürgern mit, die zu Dutzenden in den großen Sitzungssaal des Rathauses gekommen waren.

Die Hinweise aus der Bevölkerung seien angesichts der Verkehrsmengen absolut nachvollziehbar - "nach aktuellen Zählungen befahren täglich bis zu 17 000 Fahrzeuge diesen Streckenabschnitt", so Fink. Anwohner der Oberhöchstadter Straße empfänden die Situation bereits heute als extrem belastend. Und die verkehrliche Belastung verstärke sich tendenziell weiter, heißt es in einem Sachstandsbericht.

Oberursel: Oberhöchstadter Straße - Tempo 30 kommt 

Straßenverkehrsbehörde und Verkehrsplanung wollen deshalb einen sogenannten Verkehrsversuch starten: Auf der Oberhöchstadter Straße soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 30 Kilometer pro Stunde reduziert werden. Das würde nicht nur die Lärmbelastung vermindern: "Mit einer reduzierten Fahrgeschwindigkeit kann ein gefahrloses Queren der Straße erreicht werden", sagte Fink, der auch mit weniger Fahrzeugen rechnet: "Die Attraktivität des Streckenabschnitts für den Durchgangsverkehr wird reduziert."

Auf dem unteren Streckenabschnitt besteht ebenso Handlungsbedarf - weshalb der einjährige Verkehrsversuch auch den Bereich Oberhöchstadter Straße/Einmündung Füllerstraße bis Adenauerallee/Einmündung Aumühlenstraße umfassen soll. Auf Höhe der Mittelinsel (Einmündung Lindenstraße) werde die Oberhöchstadter von täglich rund 13 000 Autos befahren. "Das ergibt in der Spitzenstunde etwa 1000 Kfz für beide Fahrstreifen zusammen", heißt es im Sachstandsbericht. Gleichzeitig überqueren bis zu 138 Fußgänger die Fahrbahn.

Allerdings wäre in diesem Fall nur bei Tempo 30 die Einrichtung eines Zebrastreifens möglich, erklärte Fink. Eine Prüfung in puncto Fußgängerüberweg hatte Thomas Fiehler (FDP) angeregt, und zwar in der BUA-Sitzung Anfang Juni. Ein Zebrastreifen, meinte Fiehler, würde die Verkehrssicherheit an dieser Stelle erhöhen. 

Gleiches, erklärte nun Fink, gelte auch für die Begrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde. Aber die Fußgänger wären nicht nur besser geschützt - die Verkehrsberuhigung, so Fink, würde auch die Attraktivität dieses an die Vorstadt angrenzenden Bereichs erhöhen. "Damit könnten der Oberurseler Einzelhandel und die innerstädtische Aufenthaltsfunktion gestärkt werden."

Tempo-30-Limit: Kritische Stimmen

Allein: Während die Anwohner die Pläne mit lautem Klatschen goutierten und der Ausschuss überwiegend positiv reagierte, gab es auch einige kritische Stimmen. "Die Oberhöchstadter Straße ist so belastet, weil der Durchstich zur Weingärtenumgehung weiter auf sich warten lässt", sagte Michael Reuter (CDU). "Das ist die Haupteinfallstraße ins Zentrum. 

Wir können auf Dauer nicht jede Einfallstraße auf 30 setzen. Damit machen wir die Geschäftswelt in der Innenstadt tot!", meinte Reuter, der Vorsitzender des Selbstständigenforums Fokus O. ist. Im oberen Bereich der Oberhöchstadter könnte man Tempo 30 nur abends und nachts anordnen, schlug er vor. Das mache Frankfurt auch so.

"Wir stellen nicht mit genügend Nachdruck den Anschluss an die Weingärtenumgehung her!", kritisierte auch Georg Braun (OBG). Das sei viel wichtiger, als sich "alles mit Tempo 30 zu blockieren". "Da wird nichts blockiert, der Verkehrsfluss ist sogar gleichmäßiger und der Fahrzeitverlust überschaubar", entgegnete Fink. Außerdem sei die Verkehrssicherheit viel höher, weshalb es auch "deutlich sinnvoller" sei, Tempo 30 auch tagsüber anzuordnen.

Oberurseler Tempo-30-Limit: Zum Jahreswechsel soll es losgehen

"Das Leben ist mit Risiken verbunden", meinte Peter Lutz (AfD). Außerdem sei es gar nicht lauter geworden - lediglich das "Erregungspotenzial einer kleinen, lauten Minderheit" sei größer geworden, griff er die Anwohner an.

Um den Jahreswechsel herum soll der Verkehrsversuch starten, sagte Fink im Gespräch mit dieser Zeitung. "Wir beginnen jetzt, die Umsetzung zu planen." Nach Ablauf werde man Bilanz ziehen und entscheiden, ob die Anordnung dauerhaft gelten soll. Noch geprüft werden müsse die Einrichtung des Zebrastreifens. "Da müssen wir sehen, was die Budgets hergeben. Auch eine schrittweise Umsetzung ist denkbar", so Fink. 

Insgesamt könnte der Verkehrsversuch bis zu 60 000 Euro kosten. Zu Jahresbeginn soll auch das Verkehrsmodell Oberursel laufen - ein wichtiger Schritt hin zur Realisierung des Anschlusses der Nassauer an die Weingärtenumgehung.

Von Manuela Reiner

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