+
Ein Radfahrer kommt hier die Steinbacher Straße runter. Die dortige Verkehrssituation ist Dauerthema in Stierstadt.

Anwohner noch nicht zufrieden

Stierstadt - weiter Ärger über Verkehr an der Steinbacher Straße 

Das Verkehrsaufkommen in Stierstadt treibt den Ortsbeirat weiter um - eine konkrete Lösung zeichnet sich noch nicht ab. Die Anwohner, vor allem jene aus der Steinbacher Straße, sind verärgert.

Stierstadt - An den in der Steinbacher Straße aufgestellten Baken scheiden sich nach wie vor die Geister: "Die Geschwindigkeit der Autofahrer hat sich dadurch definitiv verringert", berichtete Ortsvorsteher Ludwig Reuscher (CDU) in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats am Montag. Vergangene Woche hatte sich das Gremium früh morgens zum vor der Sommerpause vereinbarten Ortstermin getroffen und den Verkehrsfluss anderthalb Stunden beobachtet.

Damit, dass rücksichtslose Verkehrsteilnehmer die Straße nicht mehr hoch und runter rasen können, ist eines der Probleme gelöst, die sich dort im vergangenen Jahr aufgrund von neu hinzugekommenem Baustellenverkehr zuspitzten.

Darüber hinaus, so Reuscher, erfüllten die Baken einen weiteren wichtigen Zweck: Sie schützten die Fußgänger. Zuvor war es immer wieder zu gefährlichen Situationen gekommen - die Bordsteinkanten überfahrende Busse und Lkw "verfolgten" Kinder auf dem Schulweg, wie Anwohner beklagt hatten.

Kein Chaos festgestellt

"An dem Tag, als wir dort waren, konnten wir kein Verkehrschaos feststellen", erklärte Reuscher. In der Tat habe man kein einziges Baufahrzeug gesehen. "Das ist aber natürlich nicht repräsentativ und kann an dem Termin gelegen haben." "Massen an Schulkindern" habe man auch nicht beobachten können. Das hat sehr sicher am Termin gelegen - "um 10 Uhr war Einschulung", gab der Ortsvorsteher zu. Der Verkehr sei recht geordnet verlaufen, auch wenn es schnell zu Rückstaus gekommen sei.

Die versetzt aufgestellten Baken, die die Fahrbahn auf stellenweise nur noch 3,70 Meter verengten, ließen keinen Begegnungsverkehr mehr zu. "Selbst dort, wo es vier Meter sind, kommen keine zwei Autos aneinander vorbei." Gefährlich sei das vor allem auch für viele Radfahrer. "Wenn die den Berg raufstrampeln und dabei nach links und rechts schwanken, wird es kritisch. Beim Überholen soll man eigentlich anderthalb Meter Abstand lassen, der Platz ist aber nicht da."

Idee: Zebrastreifen

Reuscher schlug vor, im oberen Bereich der Steinbacher Straße einen Zebrastreifen einzurichten. Das würde auch die mobile Ampel überflüssig machen. Was die Situation insgesamt anbelangt, soll es einen neuen Ortstermin Anfang 2020 geben, wie der Ortsvorsteher sagte. "Dann werden wir eine Neubewertung vornehmen."

Die Bewohner der Häuser an der Steinbacher Straße, von denen mehrere zur Ortsbeiratssitzung gekommen waren, gaben sich damit nicht zufrieden. Man solle die Baken allesamt wieder abbauen, meinte ein Anwohner, und eine Nachbarin forderte: "Man muss einfach mal blitzen, wenn das Fußballtraining stattfindet. Wenn alle aus den Schulen wegwollen, geht's da sowieso nur langsam." Und dass man den Tag der Einschulung wähle, um die Situation zu begutachten, sei nicht nachvollziehbar. "Wir kriegen hier ein Ding nach dem anderen draufgesetzt, und es gibt keine Lösung für den Verkehr."

"Wir haben uns schon mit viel arrangiert", spielte ihr Nachbar auf die großen Bauprojekte in Stierstadt an, Stichwort Borngrund, IGS, Friedhofserweiterungsgelände. "Uns geht es vor allem darum, dass die Stadt nicht das große Ganze aus den Augen verlieren darf", schloss sich Anwohner Dr. Gerald Schreiber an, der Ende 2018 eine Unterschriftenaktion initiiert hatte. Es gehe den Bürgern nicht darum, wo genau nun ein Baufahrzeug auf dem Weg zum Neubaugebiet Borngrund entlangfahre, sagte Schreiber sinngemäß, sondern um ein Gesamtkonzept für die Mehrbelastung, die sich abzeichne. "Das wird immer wieder falsch dargestellt."

Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) betonte, dass es gegenseitige Rücksichtnahme brauche. "An der Steinbacher Straße können wir nicht alle Kriterien gleichzeitig erfüllen." Die Sicherheit der Kinder sei nun gegeben. "Jetzt wird man sich ein Stück weit darauf einlassen müssen."

Einrichtungen wie der Sonnenhof brächten zwar Verkehr mit sich, seien "aber nicht nur negativ für einen Ort". Außerdem gebe es anderswo in der Stadt ganz andere Situationen, auch in Stierstadt: "Unerträglich" sei es in der unteren Taunusstraße, in der Stierstadter und der Weißkirchener Straße. "Das werden wir uns noch mal anschauen", sagte Brum und stellte ein "intelligentes Verkehrskonzept" in Aussicht.

Hintergrund: Neue Zählung, gleiches Ergebnis

Durch die Gartenstraße im Ortskern rollen täglich durchschnittlich 1100 Fahrzeuge - das hat eine Verkehrszählung im Juni ergeben. Der Ortsbeirat Stierstadt hatte die erneute Messung gefordert. Allein: "Die Verkehrsmengen entsprechen dem Gutachten aus 2018", teilte Rathauschef Hans-Georg Brum (SPD) dem Gremium am Montag mit. Es habe keinen Anstieg gegeben, so Brum. Auffällig sei etwas anderes gewesen: "Über 90 Prozent sind zu schnell gefahren." Erlaubt sind sieben Kilometer pro Stunde, gemessen wurden allerdings Geschwindigkeiten zwischen 22 und 45. Die Stadtpolizei werde die Kontrollen nach Möglichkeiten intensivieren, sagte Brum.

Geprüft habe die Verwaltung auch, ob sich vor dem alten Rathaus statt der Blumenkübel weitere Parkplätze einrichten lassen. Das würde jedoch zu einer Behinderung im Eingangsbereich führen, berichtete Brum. Eventuell könnten, um zwei zusätzliche Stellplätze zu schaffen, die nahen Glas-Container versetzt werden.

von Manuela Reimer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare