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Der Innenraum der Liebfrauenkirche ist komplett eingerüstet, denn bei der Sanierung müssen die Wände bis unters Dach gereinigt werden.

Gotteshaus

Innensanierung der Liebfrauenkirche hat begonnen - Immense Gesamtkosten

Bereits im vergangenen Jahr wurde die Fassade der Liebfrauenkirche saniert. Das Bauwerk war durch Nässe und die schwierige Verbindung von Klinker und Beton baufällig geworden. Vor wenigen Wochen begann nun die Innensanierung.

Oberursel - Die Luft ist geschwängert von feinem, hellroten Staub. Durch die hintere Tür der Liebfrauenkirche in der Herzbergstraße dringt Licht. Der Boden der Kirche ist mit Sperrholzdielen verkleidet, ebenso der Altar und das Taufbecken. Die große Orgel wird von einer blauen Plane verhüllt, und die Wände zieren Baugerüste bis unters Dach. Auf dem Boden liegen überall verstreut graue Brocken. "Das sind die alten Fugen, die gerade herausgeschlagen werden", weiß Eberhard Selzer, der für die Gemeinde Liebfrauen im Verwaltungsrat der Großpfarrei St. Ursula Oberursel und Steinbach sitzt. Er überwacht die Sanierungsarbeiten, die derzeit wieder an der Kirche vorgenommen werden.

Im vergangenen Jahr schon hatte Selzer die Sanierung der Außenfassade begleitet. Nun erfolgt der zweite Bauabschnitt, der die Sanierung des Innenraums vorsieht. "Wir hatten gehofft, dass wir bereits Anfang des Jahres beginnen können, doch der schriftliche Bescheid des Landesdenkmalamtes lag noch nicht vor", erklärt Selzer. Doch nach Pfingsten konnte die Firma AW Bau aus Budenheim, die auch schon die Arbeiten an der Fassade durchgeführt hatte, mit ihren Arbeiten beginnen.

Maroder Fugenputz

Vier Männer und Vorarbeiter Joaquin Godinholopes sind zurzeit damit beschäftigt, den maroden Fugenputz zwischen den Klinkersteinen zu entfernen. "Zwei Wände, jeweils die vor dem Tabernakel und der Marienskulptur, werden in drei Meter Höhe vom Fußboden aus im Originalzustand verbleiben, damit der Alterungsprozess zu sehen ist", erläutert Eberhard Selzer. Danach, so weiß der 68-Jährige, werden die Klinkersteine gereinigt, ebenso die Betonwände, die über die Jahre schwarz geworden sind. "Das feuchte Mauerwerk und der durch die Heizlüfter hochgewirbelte Staub haben unschöne Ablagerungen verursacht", sagt der Oberurseler.

Mehr Sorgen bereiten dagegen die Buntglasfenster, die von dem Kärntner Künstler Giselbert Hoke gestaltet wurden. "Im Moment befinden sie sich bei der Firma Peters in Paderborn", berichtet Selzer. Dort werden sie gereinigt, aber nicht neu gemalt, da Hoke seinerzeit in Airbrush-Technik die Farben aufgetragen hat und bei einer "Farbauffrischung" der ursprüngliche Charakter der abstrakten Bilder zerstört würde. Gesprungene Stellen werden geklebt, die Bleiverglasung erneuert, und auch neue Rahmen werden die Fenster erhalten.

Keine Rückkopplung

Die Lautsprecheranlage der Kirche wird zudem verbessert, so dass es für Gottesdienstbesucher mit Hörgerät in Zukunft nicht zu einer Rückkopplung kommen kann. "Wir hoffen, dass die Sanierung bis November abgeschlossen sein wird", so Selzer.

Der zweite Bauabschnitt wird voraussichtlich 900 000 Euro kosten. Das gesamte Projekt kommt auf 1,8 Millionen. "Davon muss unsere Gemeinde 180 000 Euro übernehmen", sagt Selzer. Eine große Summe für die Liebfrauen-Gemeinde. "Wir hoffen, ein Drittel durch Spenden aufbringen zu können."

Die Kirche gilt nicht nur als herausragendes Beispiel für die neue Architektur der 60er Jahre, weshalb das Gotteshaus auch unter Denkmalschutz steht. "Sie ist außerdem auch eine der größten Kirchenräume im Stadtgebiet mit 650 Sitzplätzen. Daher ist die Liebfrauenkirche als Veranstaltungsort für Konzerte beliebt. Für Samstag, 28. Dezember, ist beispielsweise ein großes Weihnachtskonzert des Jugendchors des Hochtaunuskreises vorgesehen. "Wir hoffen sehr, diesen Termin halten zu können", so Selzer.

Die katholische Kirche Liebfrauen wurde 1963/64 nach den Entwürfen des Kirchenbaumeisters Professor Dr. Rudolf Schwarz nach dem Vorbild der Liebfrauenkirche in Trier errichtet. Doch Schwarz starb noch während der Planung, so dass seine Frau, die Architektin Maria Schwarz, die Ausführung des Baus übernahm. Der Grundriss der Kirche, die 1967 durch den Limburger Bischof Walter Kampe eingeweiht wurde, stellt ein gleicharmiges Kreuz dar. Die acht großen Glasfenster wurden vom Künstler Giselbert Hoke gestaltet. Die Form und auch die Ausstattung des Gotteshauses setzen auf einen puristischen Stil.

Die Kirche besitzt übrigens weder einen Kirchturm noch Kirchenglocken. Man verzichtete auf die Errichtung eines Glockenturmes und der entsprechenden Ausstattung zugunsten der großen Klais-Orgel. Die Liebfrauenkirche steht unter Denkmalschutz und wurde somit als herausragendes Bauwerk durch das Land Hessen gewürdigt. csc

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