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In der Klinik Hohe Mark werden seit mehr als 100 Jahren Menschen mit psychischen Problemen behandelt. (Archiv) 

Oberursel

„Große Chance“: Klinik Hohe Mark soll weiter wachsen

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Die Klinik Hohe Mark in Oberursel plant ein neues Gebäude für Suchtpatienten. Der Bau- und Umweltausschuss unterstützt das Vorhaben.

Oberursel - Die Klinik Hohe Mark im Norden Oberursels wächst: Einstimmig hat der städtische Bau- und Umweltausschuss (BUA) jetzt den Weg für eine B-Plan-Änderung freigemacht, die dem freigemeinnützigen Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ermöglicht, das bestehende Gebäudeensemble um einen Neubau an der Friedländer Straße zu erweitern.

Im vergangenen Jahr habe man die Chance bekommen, eine Abteilung des Frankfurter Bürgerhospitals zu übernehmen, erklärte Krankenhausdirektorin Anke Berger-Schmitt den Stadtverordneten. Der Versorgungsauftrag umfasse alkoholabhängige Patienten im fortgeschrittenen Stadium, die oft auch schon an Folgeerkrankungen litten. "Wir haben 40 Betten bekommen und eine Fachabteilung Innere Medizin", so Berger-Schmitt.

Allein: Die jetzige Unterbringung dieser Patienten im Haus Altkönig entspreche weder modernen Unterbringungsverhältnissen noch effizienten Betriebsabläufen. Aufgrund der generell hohen Auslastung der Klinik und der unzureichenden baulichen Situation im Haus Altkönig werde deshalb ein Neubau erforderlich.

Dafür reichten allerdings die fünf Baufenster, wie sie aktuell auf dem Klinikgelände angeordnet sind, nicht aus, erläuterte Berger-Schmitt, weshalb man auf die Stadt mit dem Wunsch zugekommen sei, den Bebauungsplan entsprechend zu ändern. "Dabei haben wir natürlich unseren großen, schönen Park als Pfund im Blick, mit dem wir wuchern können", betonte die Krankenhausdirektorin.

Der dreigeschossige Neubau, dem das alte Haus Sonne weichen muss, soll angrenzend an die Friedländer Straße und in unmittelbarer Nähe zum Haus Feldberg im nordwestlichen Bereich des Klinikgeländes entstehen. Auch was die Gestaltung anbelangt, will man sich an dem in den vergangenen Jahren in zwei Bauabschnitten entstandenen Komplex orientieren. "Wir sagen deshalb auch, dass es der dritte Bauabschnitt dort ist", erklärte Architektin Susanne Witan-Ruß vom Fachbüro WRL Architekten aus Frankfurt.

Um das Vorhaben zu realisieren, soll das in diesem Bereich bestehende Baufenster in Richtung Westen erweitert werden. Dort befindet sich zurzeit eine Grünfläche mit Fichtenbestand. "Wir haben tierökologische Gutachten in Auftrag gegeben. Es gibt keine Verbote. Man kann das Baufenster erweitern, ohne umgebend Schäden zu verursachen", betonte Berger-Schmitt.

Historische Blickachse bleibt erhalten

Außerdem bewirke die Bebauungsplanänderung insgesamt keine unverhältnismäßige Erhöhung der überbaubaren Grundstücksflächen, weil die in Anspruch genommenen Areale kompensiert würden. So sollen bisher nicht genutzte Baufenster in der Blickachse vom Eingangsbereich der Klinik in Richtung des historischen Gebäudes Haus Friedländer verkleinert werden.

"Dort würden wir ohnehin nicht bauen", so Berger-Schmitt. Schließlich gelte es, die historische Blickachse zu erhalten, durch die auch der Alleecharakter und das dem Haus Friedländer vorgelagerte Rondell zur Geltung kämen. Durch die teilweise Baufensterverschiebung erhöht sich die überbaubare Fläche laut den Architekten lediglich um 600 Quadratmeter.

Das vorhandene Parkdeck werde trotz Erweiterung ausreichen, sagte die Klinikchefin auf Nachfrage von Thomas Studanski (CDU). "Es ist nie voll belegt", so Berger-Schmitt. "Natürlich ist es immer heikel, näher an den Wald heranzurücken. Aber die erforderlichen Untersuchungen haben ja stattgefunden und das Ganze ist für die Klinik auch eine große Chance", sagte Jutta Niesel-Heinrichs (SPD), der sich die übrigen Fraktionen anschlossen.

Der Neubau soll sich gestalterisch an den modernen Gebäuden auf dem Klinikgelände orientieren.

Träger der Klinik Hohe Mark, die 1904 als psychiatrische Privatklinik gegründet wurde, ist der Deutsche Gemeinschafts-Diakonieverband GmbH (Marburg). Die Einrichtung, die zum bundesweiten Krankenhausverbund der DGD-Kliniken gehört, ist in die fachspezifische regionale Pflichtversorgung der Stadt Frankfurt am Main eingebunden. Darüber hinaus werden Menschen aus ganz Deutschland behandelt.

Die Klinik Hohe Mark verfügt zurzeit über insgesamt 259 Betten und 20 tagesklinische Plätze. Jährlich versorgen rund 430 Mitarbeiter und ehrenamtlich Engagierte aus den Bereichen Medizin, Pflege, Therapie, Seelsorge, Verwaltung, Hauswirtschaft und Technik über 2500 stationäre sowie rund 8000 ambulante Patienten am Standort Oberursel und in den angeschlossenen Frankfurter Einrichtungen: einer Tagesklinik und einer psychiatrischen Institutsambulanz. Darüber hinaus betreibt die Klinik Hohe Mark in der Mainmetropole eine ganztägig ambulante Rehaklinik für Suchterkrankte mit 20 Plätzen.

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