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Als Prinz war er in den USA

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Von: Christiane Paiement-Gensrich

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Ex-Prinz Rolf Riegel bei der Karnevalseröffnung mit dem von ihm gestalteten Wappen der Oberurseler Tollität.
Ex-Prinz Rolf Riegel bei der Karnevalseröffnung mit dem von ihm gestalteten Wappen der Oberurseler Tollität. © Christiane Paiement-Gensrich

Rolf Riegel gestaltet seit 2005 die Wappen der Orscheler Tollitäten.

Oberursel -Wenn er bei der Inthronisation der Fastnachts-Majestät den Saal betritt und dort das große neue Tollitäten-Wappen erblickt, dann ist er zu Recht ein bisschen stolz. Ex-Prinz Rolf Riegel hat jedes Jahr eine ganz besondere Aufgabe: Seit 2005 entwirft der heute 74-Jährige die Wappen der Oberurseler Karnevals-Prinzessinnen und -Prinzen.

Natürlich ist auch das Wappen der aktuellen Lieblichkeit Fiona I. aus seinen Pinselstrichen entstanden. Zeichnen am Computer jedoch ist seine Sache nicht. Wenn es ums Wappen geht, dann greift Riegel zu Acrylfarbe und Malkarton. „Ich bin leidenschaftlicher Bastler und baue auch Objekte aus Bausätzen in der Größe H 0, für einen Modellbau-Rummelplatz zum Beispiel“, verrät Riegel. Deshalb könne er gut mit Farben umgehen.

Bei der Wappen-Gestaltung rät er den Prinzessinnen und Prinzen dazu, sich auf nur wenige Symbole zu beschränken. Denn das Wappen wird auch auf die Karnevals-Orden der jeweiligen Hoheit geprägt, die verhältnismäßig klein sind, da sollten die einzelnen Elemente noch gut erkennbar sein. Auf seinem eigenen Wappenschild - Riegel war 1995 Karnevalsprinz - sind nur vier Elemente zu sehen: Der Buchstabe R steht für seinen Vornamen, die kleine römische Ziffer II. daneben bedeutet, dass er der Zweite seines Namens ist. Hinzu kommen die Silhouette des historischen Rathauses am Rand des Marktplatzes sowie ein Pfeil - und zwei Eheringe.

Mindestes ein Pfeil ist auf jedem Oberurseler Tollitäten-Wappen Pflicht, denn die Pfeile sind die Marterwerkzeuge der Namenspatronin der Stadt, St. Ursula. „Früher stand die Zahl der Pfeile für bestimmte Merkmale des Prinzen“, erklärt Riegel. „Ein Pfeil für die Prinzenwürde, ein weiterer, wenn der Prinz in Oberursel lebt und ein dritter Pfeil, wenn er in Oberursel geboren ist.“ Doch davon sei man schon vor langer Zeit abgekommen.

Die Eheringe unterdessen symbolisieren den Beruf des Ex-Prinzen. Er war damals Leiter des Standesamtes der Stadt Steinbach und hat im Lauf seines Berufslebens insgesamt 997 Paare getraut. Zugleich war er Leiter des Ordnungsamtes mit Straßenverkehrsbehörde und des Einwohnermeldeamtes.

Bereits seit 40 Jahren ist Riegel Mitglied des Oberurseler Karnevalvereins Frohsinn. Mit ihm befreundete Mitglieder der Ehrengarde hatten ihm einst Lust darauf gemacht, in den Verein einzutreten. Seine Prinzenzeit sei seine schönste Erinnerung an die Oberurseler Kampagnen. „Ich hatte über 100 Termine, das war hektisch, aber es hat viel Spaß gemacht“, sagt er. Seine meisten Prinzen-Auftritte seien abends gewesen. Und wenn er doch einmal tagsüber als Tollität im Einsatz war, dann hat ihn sein Chef, der damalige Steinbacher Bürgermeister Edgar Parnet, freigestellt. „Er war da sehr großzügig und fand es toll, dass ich Karnevals-Prinz geworden war“, berichtet Riegel.

Ehren-Mitglied des Elferrats von Chicago

Sogar über den großen Teich ist Riegel als Prinz gereist. Zuvor hatte er bei einem Urlaub in Florida eine Frankfurterin kennengelernt, die einen US-Amerikaner geheiratet hatte und in Chicago lebte. Als diese erfuhr, das Riegel Prinz geworden war, lud sie ihn ein.

„In Chicago gibt es ein riesiges Treffen der Karnevalsprinzen aller US-Bundesstaaten“, berichtet Riegel. Die Halle, in der das Fest stattfand, sei so groß gewesen, dass dort sogar ein Karnevals-Umzug defilieren konnte. Riegel wurde feierlich von zwei Gardemädchen auf die Bühne geleitet - und zum Ehren-Mitglied des Elferrats von Chicago ernannt. Und er durfte, wie die US-Tollitäten, Sekt aus einem gemeinsamen großen goldenen Kelch trinken. „Mich hat es etwas unangenehm berührt, dass alle aus dem gleichen Kelch tranken, deshalb habe ich den Rand mit der Hand abgewischt. Und ausgerechnet das Foto von dieser Geste ist auf der ersten Seite der deutschen Ausgabe der Chicagoer Sonntagszeitung veröffentlicht worden“, erzählt er noch immer belustigt. Ein weiteres ähnliches Karnevalisten-Treffen hat er kurz drauf, am Fastnachtssamstag in Milwaukee besucht.

Das erste Prinzenwappen hat Riegel für den früheren Oberurseler Bürgermeister und Ex-Prinzen Gerd Krämer entworfen. Eigentlich hatte ihn sein Vorgänger in Sachen Wappen-Gestaltung in die Materie einführen wollen. Doch dazu kam es leider nicht mehr. Und so hat sich Riegel die nötigen Kenntnisse allein angeeignet.

Jedes Jahr zur Karnevalseröffnung am 11. November und zum Fastnachtswochenende von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch besucht Riegel seine Freunde in Oberursel und feiert mit ihnen kräftig Karneval.

In der Nähe von Regensburg, wo er seit 2008 lebt, sei der Fasching nicht vergleichbar, findet er. Und falls es doch einmal einen Hessen zur Karnevalszeit dorthin verschlägt, so sollte dieser zumindest wissen: Der närrische Schlachtruf ist in diesem Teil Bayerns nicht „Helau“, sondern „Radi Radi“.

Mit Rabe und Weltkugel

Das Wappen der Karnevalsprinzessin 2022/23 Fiona I. (Becker) trägt am oberen Rand die Krone der Oberurseler Tollität in den Fastnachtsfarben Rot, Weiß, Blau und Gelb. Die Grundfarbe des Wappen-Schildes ist Rot. „Als Hommage an den Orden meines Hofmarschalls, Ex-Prinz Ludwig I. (Reuscher)“, sagt Fiona. Sie hatte Ludwig I. in der Kampagne 2008/9 als Page begleitet. Zwischen Krone und Schild befindet sich ein schwarzes Feld, die Kugeln auf den Zacken der Krone sind silberfarben - das sind die Vereinsfarben von Fionas Karnevalclub „The Ravens“. Das Symbol der Ravens, ein putziger schwarzer Rabe mit Kulleraugen, großem gelbem Schnabel und silber-schwarzer Narrenkappe, findet sich auf dem Wappenschild rechts oben. Die Weltkugel oben links hatte auch schon ihr Vater, Ex-Prinz Alexander I. in seiner Kampagne 1996/97 im Wappen. „Es steht für meine Leidenschaft, das Reisen, und symbolisiert zum anderen meinen Beruf als Logistik-Fachfrau“, erklärt Fiona. Das große F steht für den Vornamen der Prinzessin, und die zierliche römische Ziffer I. daneben heißt, dass sie die erste Oberurseler Tollität ihres Namens ist. Die beiden gekreuzten Pfeile unten links symbolisieren die Marterwerkzeuge der Heiligen Ursula, der Namenspatronin der Stadt. Hier lebt Fiona seit sie ein Kind war. Und auch ihr Vater hatte damals zwei gekreuzte Pfeile im Wappen. Die gelbe Schriftrolle unten rechts mit dem weißen Schriftzug „Ursella 791“ verweist auf die urkundliche Ersterwähnung Oberursels und darauf, dass Fiona Kulturwissenschaften studiert.

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