Lese-Zelle im Rushmoor-Park

Altpapier statt Lesenswertem

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Nils P Graf Lambsdorff ärgert sich: Die Lese-Zelle im Rushmoor-Park, um die er sich mit anderen Oberurselern kümmert, wird als Entsorgungsstelle für Altpapier missbraucht. Denn längst nicht alles, was reingestellt wird, ist interessanter Lesestoff.

Sie ist schon ein Hingucker, die original englische Telefonzelle im Rushmoor-Park. Schon von weitem leuchtet ihr Rot wie ein Signal durch das sie umgebende Grün. Es ist praktisch unmöglich, nicht auf sie zu stoßen. Auch wenn Besucher dort nicht mehr über einen öffentlichen Fernsprecher telefonieren können, ist sie doch ein Ort der Kommunikation geblieben.

Seit 2011 dient sie als Lese-Zelle. Das heißt, wer im Park gemütlich auf einer Bank sitzen und schmökern will, kann sich hier Lesestoff besorgen. „Man kann aber auch hingehen, ein Buch seiner Wahl nehmen und gegen ein anderes eintauschen“, erläutert Nils P Graf Lambsdorff, das Prinzip. Seit es die Lese-Zelle gibt, kümmert sich Nils P Graf Lambsdorff, gemeinsam mit anderen Oberurselern, um dieselbe. So weit, so gut – wenn es da nicht ein Ärgernis gäbe.

„Leider ist es so, dass viele Menschen mit der Bücher-Zelle achtlos umgehen“, stellt Lambsdorff bekümmert fest. Während der Spaziergänge mit seiner Hündin Emma kommt Graf Lambsdorff mindestens zwei Mal pro Woche an der Zelle vorbei und schaut nach dem Rechten. „Inzwischen gehe ich nur noch mit Jutebeutel ausgerüstet los, denn fast jedes Mal komme ich mit einer prall gefüllten Tüte zurück“, berichtet er.

Allerdings ist es nicht so, dass er schmökern will. Der Inhalt der Tüte landet leider im Altpapier-Container. „Die Lese-Zelle entwickelt sich zu einer Entsorgungsstelle für unliebsame Literatur, und das kann doch wohl nicht angehen“, findet Graf Lambsdorff. Sogar in Stapeln auf dem schmutzigen Fußboden habe er Bücher gefunden, erzählt der Oberurseler.

„Und wenn man sich die Bücher und Zeitschriften genauer anschaut, dann findet man dort Dinge wie die Zeitschriften für Physiotherapie und Palliativmedizin oder Sprachstörungen, Ratgeber mit dem Titel ,Wirksame Hilfe bei entzündeten Nasennebenhöhlen‘ oder ,Intuitives Reiki‘, aber auch Ausgaben des Readers Digest, die noch aus D-Mark-Zeiten stammen“, berichtet Lambsdorff.

Und damit nicht genug. Auch die Bücher, die in den Regalen stehen, werden von Passanten unordentlich und achtlos wieder eingestellt, so dass der nächste Besucher viele Bücher umdrehen muss, um den Titel lesen zu können. „Mit ein wenig mehr Rücksicht haben wir doch alle etwas von diesem Projekt“, gibt Lambsdorff zu bedenken.

(csc)

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