Bebauung

Areal der Ketteler-LaRoche-Schule: Ein Gelände und viele Interessen

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Die Ketteler-LaRoche-Schule will an den Zimmersmühlenweg ziehen. In der Folge werden am jetzigen Standort am Altenhöfer Weg Flächen frei, die in Wohnbauland umgewandelt werden sollen. Jetzt geht es um die Frage: Wie darf die Bebauung aussehen?

„Wo sollen wir hin?“, fragt Gabriele Zweifel und hat binnen kurzem die Aufmerksamkeit der Gruppe, die sich am Montagabend rund um die Ketteler-LaRoche-Schule am Altenhöfer Weg umsieht. Die CDU-Ferienfraktion ist unterwegs, um über die Entwicklung des heutigen Schulgeländes zu reden, das zum Wohngebiet werden soll. Einige Bürger haben sich angeschlossen, um ihre Wünsche und Bedenken vorzubringen.

Während es den meisten darum geht, dass eine neue Bebauung in ihrer Nachbarschaft nicht zu dicht und massiv wird, hat Rentnerin Zweifel ein existenzielles Problem: Wird die Schule samt dazugehörigem Wohntrakt abgerissen, verliert sie ihre preisgünstige Wohnung. Für etwa 70 Quadratmeter zahlt sie mit Umlagen weniger als 600 Euro Miete im Monat.

Außer ihr sind noch weitere Mietparteien betroffen, darunter „alte und kranke Menschen“, wie sie sagt. „Wo sollen wir hin?“, wiederholt sie ihre Frage. Stadtverordnetenvorsteher Gerd Krämer erklärt, dass es Aufgabe des Vermieters sei, bei der Suche nach einer neuen Wohnung zu helfen. Vermieter ist laut Zweifel der Orden der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, der laut Schul-Homepage auch hinter der Ketteler-LaRoche-Schule steht und der auf dem angrenzenden Grundstück zwei leerstehende Appartementhäuser hat (siehe kleinen Text). Doch von ihrem Vermieter habe sie offiziell noch nichts gehört, sagt die Oberurselerin.

Dass auf dem Gelände der Ketteler-LaRoche-Schule auch Menschen leben, die mit dem Betrieb der Fachschule für Sozialwesen nichts zu tun haben, war auch den Christdemokraten neu. Klar ist, dass auch die Frage nach der Zukunft der Mieter bei den weiteren Planungen eine Rolle spielen muss.

Ein Blick zurück: Vor den Sommerferien haben die Stadtverordneten einstimmig ein Bebauungsplanverfahren für das etwa 12 600 Quadratmeter große Areal auf den Weg gebracht. Dieses ist also noch am Anfang, und auch die kirchlichen Gremien sind noch mit der Angelegenheit beschäftigt. Dem Vernehmen nach soll das Schulgelände vom Orden an das Bistum Limburg übergehen. Eine umfangreiche Anfrage dieser Zeitung an das Bistum zu den Eigentumsverhältnissen, den Mietern und den Zukunftsplänen blieb am Dienstag und gestern unbeantwortet.

„Erst wenn die Schule neu gebaut ist, wird hier abgerissen“, sagt Gerd Krämer am Altenhöfer Weg. „Hier gehen noch ein paar schöne Jahre ins Land.“ Die Schule will in einen neuen Gebäudekomplex auf dem Hochtief-Gelände am Zimmersmühlenweg ziehen. Dort sei die Lage besser, S- und U-Bahn seien in der Nähe, erklärt Michael Reuter, der für die CDU im Bauausschuss sitzt.

Politik und Verwaltung ist daran gelegen, der Ketteler-LaRoche-Schule Entwicklungsmöglichkeiten zu geben und sie in der Stadt zu halten, werden dort doch unter anderem Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet, die dringend gesucht werden. Die kirchlichen Träger wiederum benötigen Geld für ihr Umzugsvorhaben und möchten daher die Fläche am Altenhöfer Weg veräußern.

Wie aber soll die geplante Wohnbebauung aussehen? „Es ist unstrittig, dass sie sich dem Charakter des Gebiets anpassen muss“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Uhlig. Das war auch Konsens im Stadtparlament gewesen, wobei es dort geheißen hatte, dass auch mal mehr als zwei Wohneinheiten pro Grundstück möglich sein sollen. „Warum?“, will ein Bürger wissen. „Man will ja nicht nur Villen hier haben“, erklärt Reuter.

Tenor beim CDU-Termin ist aber: Mehr als zwei Geschosse sollten die Bauten nicht haben. Geht es nach der Union, wird auch auf Staffelgeschosse verzichtet, da die Hanglage quasi ein Bauen „nach unten“ ermöglicht. Die Anwohner der Herderstraße, die auf der Nordseite des Schulgeländes verläuft, würden sonst „gegen eine Wand“ gucken. Sie sehen derzeit hauptsächlich Grün – nämlich Bäume.

Vom Altenhöfer Weg aus betrachtet – so meinen die Christdemokraten – würde der Anblick des Geländes aber verbessert, wenn dort Wohnhäuser statt des massiven Schulbaus stünden. Ähnlich hatte sich Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) im Stadtparlament geäußert und gesagt: „Wir verbessern den Gebietscharakter.“

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