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Baye Matala spielte zusammen mit verschiedenen Trommelgruppen ? und vor der Bühne tanzten ausgelassen die Besucher.

Afrika-Festival lockt Hunderte von Besuchern in den Rushmoor-Park

Bé-bé-olá beim Orscheler Sommer

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Zum zweiten Mal hat der Verein Kunstgriff das Afrika-Festival an den Weiher im Rushmoor-Park geholt. Musikalische, kulinarische, kunsthandwerkliche Highlights gab es ebenso wie Informationen über Hilfsprojekte. Besucher und Organisatoren trotzten dem eher „unafrikanischen“ Wetter.

Wie besser könnte der Orscheler Sommer mit all seinen kulturellen, kulinarischen, sportlichen und inspirierenden Veranstaltungen eingeleitet werden, als mit dem Afrika-Festival? Premiere hatte dieses besondere Fest im Rushmoor-Park vergangenes Jahr. Wegen des großen Anklangs wurde es dieses Mal sogar in etwas größerer Form angeboten.

Einzig das Sch . . .-Wetter mache ihm Sorgen, sagt Dirk Müller-Kästner, Vorsitzender des Vereins Kunstgriff (Veranstalter des Orscheler Sommers). Er ist froh, dass sich trotzdem mehrere hundert Besucher in den Park gewagt haben: „Es haben viele angerufen, die von weiter her extra zu diesem Festival kommen wollen, ob wir auch im Regen starten.“ Der Kunstgriff wollte. „Eigentlich hätten die Stände sogar den gesamten Weiher einsäumen sollen, wir wollen auf jeden Fall in Zukunft weiter expandieren“, sagt der Kunstgriff-Chef.

Als Auftaktveranstaltung findet Müller-Kästner das Afrika-Festival ideal und viele andere mit ihm, denn um die Bühne wird getanzt, gesungen und mitgemacht. Trommellehrer Baye Matala lacht und jammt den Regen einfach mit seinen Schülern aus Liederbach und Rockenberg, von der VHS Oberursel und dem Alfred-Delp-Haus sowie den geladenen musikalischen Gästen Vitambo, Moulaye Seck und African Art Mainz, ImPuls und Afro Kunda weg. Die Djembeklänge verbinden sich sogar mit den Glocken der Christuskirche, aus der ein Hochzeitspaar in den Regen tritt und tapfer Fotos am Weiher machen lässt.

Hinter ihnen reiht sich ein Stand des Festivals an den anderen. Unerschütterlich werden leckere afrikanische Spezialitäten verkauft wie etwa mit Hack gefüllte Teigtaschen in roter Zwiebelsoße, afrikanischer Eintopf mit Lamm, Karotten und Süßkartoffeln und der „Akuna-Matata-Teller“, auf dem sich Gemüse, pikant gewürztes Rindfleisch in Kokosmilch sowie weitere Spezialitäten befinden. Eine Dame, die ihren pinkfarbenen Regenschirm unterm Arm trägt, hat sich einen südafrikanischen Roten einschenken lassen und wartet auf ihr Menü aus frittierten Kochbananen und Schwarzaugenbohnen mit Kichererbsen: „Es ist egal, was man wählt, hier geht man kein Risiko ein, alles ist hervorragend, ich kenne mich aus.“

Gegenüber werden ironischerweise „Regenmacher“ verkauft. Das sind Bambusrohrinstrumente, deren Geräusch sich wie das Rauschen von Wasser anhört. Aber es gibt auch Ententröten oder getrocknete Kürbisse, um die ein Netz aus Samen gelegt ist, was, wenn es geschüttelt wird, einen rhythmischen Klang erzeugt. Das Instrument heißt „Chequere“. Und es gibt antialkoholische sowie alkoholische Cocktails mit Kokos-Bananensaft, die vielleicht den einen oder anderen über das „unafrikanische“ Wetter hinwegtrösten.

Natürlich darf bei solch einem Fest die Kenia-Kinder-Hilfe nicht fehlen. Mitglieder des Weißkirchener Vereins hoffen auf neue Paten zur Unterstützung der Waisenkinder in Langobaya. Nebenan informiert die Oberurseler Waldorfschule über ihr Südafrika-Projekt und etwas weiter werden bunte, afrikanische Kleider und Schals angeboten.

Doch das alles interessiert Thalia (8) aus Königstein im Moment überhaupt nicht. Sie steht mit ihrer Mutter unterm Schirm vor der Bühne und ist gleich mit ihrer Trommelgruppe dran. Tochter und Mama sind Schülerinnen von Baye und betonen: „Er spielt mit Herz und Seele, und so wie er auf der Bühne agiert, ist er auch als Mensch.“ Der Trommelkünstler ruft derweil vom Podium herunter: „Bé-bé-olá!“, was so viel heißt wie „Feiern Sie mit uns“ – und sein Publikum intoniert kräftig mit. Der kleine Max (3) und seine Cousine Lilo (3) lassen sich das mit dem Feiern nicht zwei Mal sagen, die beiden tanzen wild drauf los im aufgeweichten Boden. Plumps – bis einer in den Dreck fällt. Doch Max’ Vater winkt ab: „Alles gar nicht schlimm.“

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