Das Doppelhaus der früheren Engel-Apotheke am Schulberg wird denkmalgerecht saniert. Bei dieser Aufnahme vom August 2020 ist rechts noch die abgeklebte Schadstelle zu sehen, mit der die Sanierung ihren Anfang nahm.
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Das Doppelhaus der früheren Engel-Apotheke am Schulberg wird denkmalgerecht saniert. Bei dieser Aufnahme vom August 2020 ist rechts noch die abgeklebte Schadstelle zu sehen, mit der die Sanierung ihren Anfang nahm.

Kleinod in der Kurstadt

Bad Homburg: Wiedergeburt der alten "Officin"

Die Engel-Apotheke in der Bad Homburger Innenstadt wird aufwendig saniert. Aus dem Jacobi-Bau wird ein Wohn- und Geschäftshaus.

Bad Homburg -Für die Bewohner der Barockzeit war sie überlebensnotwendig, die "Officin" in der Altstadt. Der Landgraf hatte das Privileg, in den Gassen Medikamente zu verkaufen, im Jahr 1684 gestattet, weil "bey ermangelung weniger geringer Medicamenten öfters ein Halbbettlägerige Person in Lebensgefahr geräth". Damit war die Engel-Apotheke am Schulberg nach der Usinger Amtsapotheke (*1680) die älteste Pharmazie im Umkreis (siehe auch Box unten).

Diese Tradition endete vor drei Jahren, als die Apotheke nach 270 Jahren vom Schulberg auf die Louisenstraße 32 umzog. Dass an dem Gebäude etwas getan werden musste, wurde offenbar, als im Januar 2017 beim Abnehmen der Weihnachtsbeleuchtung ein Schaden an der Fassade entstand und darunter morsche Balken zutage traten. Bohrproben wurden entnommen und das Gebäude wegen Einsturzgefahr gesichert. Seit einer gefühlten Ewigkeit ist der Bürgersteig abgesperrt.

Doch seit Herbst 2019 wird das zuletzt von Louis Jacobi umgebaute Apothekerhaus für die Jetztzeit fit gemacht. "Das dauert deutlich länger, als wir anfangs dachten", berichtet Hausbesitzer Marc Schrott. Für den Steinbacher Pharmazeuten ist die Sanierung "reine Liebhaberei"; was sie kosten wird, kann er nicht abschätzen, weil die alte Bausubstanz segmentweise inspiziert wird.

Insektenbefall im Erker-Dachhut

Erst war es die Genehmigung durch die Denkmalbehörden, die dauerte. Dann wurde eineinhalb Jahre nur gesichtet. "Nun werden in enger Absprache mit dem Denkmalschutz die Fachwerkwände Stück für Stück geöffnet", erklärt Schrott. Pilzbefall, Schlupfwespen - ständig tauchen neue Herausforderungen auf. Die Balken werden statisch überprüft, manche ausgebessert und die Gefache neu verfüllt. Auch altes Holz aus Scheunen wird verwendet.

Vor einigen Wochen musste das Dach abgenommen werden - auch das des charakteristischen Polygonal-Erkers überm Eck-Eingang. "Leider war das Dachhütchen von Insekten befallen", sagt Schrott. Der Dachstuhl soll in drei bis vier Wochen aus Nadelholz neu errichtet werden.

Da das Gebäude kein Fundament und das Holz im Laufe der Zeit nachgegeben hat, habe sich das Haus um 18 Zentimeter gesetzt. "Das müssen wir noch in die Waage kriegen", so der Apotheker. Baumeister Louis Jacobi hatte zwischen 1901 und 1904 zwei Häuser zu einem vereint. Schrott: "Das war schon gut gemacht, doch manche Wände wurden seit Jahrhunderten nicht angefasst."

Jacobi war es auch, der das hölzerne Apotheken-Interieur entworfen hat - es stand bis zum Ende im Laden; die Kundschaft konnte sich in frühere Zeiten zurückversetzt fühlen. Auf dem Erker über dem Eingang blickte ein in Gold getauchter Raphael-Engel sinnend in die Weite.

Die historische Einrichtung hätte Schrotts Cousin Christoph Burggraf, ebenfalls Apotheker, sehr gern mit in seine neue Apotheke in der Louisenstraße genommen, doch das lehnten die Behörden ab. Zumindest das Aquarium konnte mit umziehen. Das Interieur wurde abgebaut und beim Schreiner zwischengelagert. Es wird den künftigen Laden zieren.

Im Frühjahr 2022 will Schrott die Sanierung abgeschlossen haben. Drei Wohnungen und ein Geschäft sollen entstehen. Alles, "nur keine Apotheke" könnte das werden - "zu verwinkelt", zudem sei der Standort zuletzt nicht wirtschaftlich gewesen. Der Laden wird kleiner als die bisherige Apotheke; das frühere Labor mit schönem Boden wird zu einer von hinten begehbaren Wohnung. Und dann kehrt auch der Engel auf den Erker zurück. von Anke Hillebrecht

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