Porträt

Mit 59 zur Basketball-EM

Der ehemalige Basketball-Profi Hans-Joachim Homm betreibt seinen Sport nach wie vor mit viel Herzblut. Er wird Deutschland bei der Europameisterschaft vertreten und ärgert regelmäßig jüngere Gegenspieler.

Unter Basketball-Fans gilt seit einigen Jahren eine Serie von Werbespots als Kult. Für diese Kurzfilme schlüpfte NBA-Star Kyrie Irving im Auftrag eines großen Getränkeherstellers in die Rolle des rüstigen Rentners „Uncle Drew“ – graue Perücke und aufgeschminkte Falten inklusive. Als unscheinbarer Großvater taucht er dann auf einem Platz unter freiem Himmel auf, um dort den Jungspunden, die ihn eingangs belächeln, das Fell über die Ohren zu ziehen. So in etwa kann man es sich vorstellen, wenn Hans-Joachim Homm für den MTV Kronberg den Court betritt. Im Gegensatz zu Kyrie Irving muss der Center sich aber nicht verstellen, feiert er in diesem Jahr doch seinen 60. Geburtstag.

Trotz des für einen Sportler fortgeschrittenen Alters ist Homm fester Bestandteil der 3. Mannschaft in Kronberg, die zuletzt Vierter der Kreisliga B wurde. Zudem trainiert der Oberurseler auch regelmäßig mit der „Ersten“, die der 1. Regionalliga angehört. „Wenn du dann die Jungs beim ersten Rebound sauber ausboxt, hast du schnell deren Respekt“, berichtet er schmunzelnd vom Aufeinandertreffen der Generationen.

Im Ausboxen ist er stark

Das Ausboxen – also das Abschirmen des Gegners bei einem Abpraller – gehört zu seinen Stärken, wie er berichtet. Mit dem Gardemaß von 2,05 Meter sorgt der Defensivspezialist nicht nur in der Kreisliga für Ordnung unter den Körben. Zuletzt wurde er gar Zweiter bei der deutschen Ü60-Meisterschaft. Im Mai trat Homm erstmals für die SG Halstenbeck/Kronberg bei der Senioren-DM in Saarlouis an. Stoppen konnte die Spielgemeinschaft aus dem Hochtaunus und dem Kreis Pinneberg im Finale nur ein Team aus Berlin. „Sie haben im Halbfinale sehr gut hingesehen, wo unsere Stärken und Schwächen waren“, berichtet Homm. Im Halbfinale hatte die SG die Baskets München ausgeschaltet. In deren Reihen tummelten sich immerhin Ex-Nationalspieler wie Michael Pappert, der die deutsche Mannschaft bei den Sommerspielen 1984 in Los Angeles als Kapitän anführte.

Homm selbst durfte einst für die deutsche U 21-Auswahl den Adler auf der Brust tragen und war Bundesliga-Profi für Eintracht Frankfurt, MTV Wolfenbüttel und BC Giants Osnabrück. Mit den „Riesen“ erreichte er zweimal das Halbfinale des deutschen Pokals.

Auch im Ausland machte sich Homm einen Namen. Während seines Studiums in England lief er drei Jahre lang für die Tower Hamlets (später London Towers) auf. Zweimal konnte er dabei den Gewinn der englischen Meisterschaft feiern, einmal wurde der gesamtbritische Titel errungen.

Schweres Los in Slowenien

Ein weiteres sportliches Highlight steht nun bevor: Ab dem Wochenende vertritt Hans-Joachim Homm Deutschland bei der „European Maxibasketball Championship“ im slowenischen Maribor. In seiner Alterskategorie gehen sogar gleich drei Mannschaften aus der Bundesrepublik an den Start, darunter auch eine Auswahl um Michael Pappert. Bevor man auf die Landsleute treffen kann, kommt es für Homms Team in der Vorrunde zu Begegnungen mit Österreich, Serbien und Slowenien.

Besonders die Gastgeber schätzt Homm stark ein. „Ich gehe davon aus, dass sie sich in den letzten Wochen auf Profi-Niveau vorbereitet haben“, glaubt er. An dem Center aus Oberursel müssen aber auch die gefeierten slowenischen Altstars erst einmal vorbeikommen.

Unabhängig vom Ausgang des Turniers freut sich Homm über die Möglichkeit, in seinem Alter noch solch hochklassige Turniere spielen zu können. „Ohne die richtige Motivation ist es schwierig, sich im Alter fit für den Sport zu halten“, verrät er. Um weiterhin mithalten zu können, treibt der Inhaber eines Auktionshauses fünf- bis sechsmal pro Woche Sport. An zwei Tagen geht es zum Training beim MTV, dazu kommt ein Spiel am Wochenende, dazwischen trainiert er für sich im Fitnessstudio oder geht joggen. „Am liebsten nehme ich die Strecke zur Burg Falkenstein hoch“, sagt er, „mit rund 2500 Metern bei zehn Prozent Steigung ist das eine nette, kleine Joggingeinheit.“

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