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Ein zurzeit alltägliches Bild: Baufahrzeuge fahren durch die Steinbacher Straße in Stierstadt.

Verkehrssituation

Baufahrzeuge für Neubaugebiet in Stierstadt nerven Anwohner

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Die Verkehrssituation in Stierstadt ist ohnehin angespannt und ständiges Diskussionsthema im Ortsbeirat. Durch den Verkehr zum Neubaugebiet Borngrund hat sich die Situation aus Sicht von Anwohnern verschärft – für sie selbst und für Schüler.

„Mir reicht’s“, sagt Beatrix Bailleu im Gespräch mit dieser Zeitung und meint die Verkehrssituation vor ihrem Zuhause. Die Stierstadterin lebt in der Steinbacher Straße – dort, wo sie morgens von 7 bis 8.30 Uhr „ein unerträgliches Maß an Schwerverkehr, Bussen und Baufahrzeugen“ beobachtet. Das führe zu Stau und dazu, dass sich Schulkinder – auf dem Weg zur Grudnschule oder zur Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) – „durch die stehenden Fahrzeuge“ drängelten. So hat es Bailleu in einem Brief an den Ortsbeirat formuliert; das Schreiben liegt dieser Zeitung vor.

Ortsvorsteher Ludwig Reuscher (CDU) weiß, dass sich die Bürger im Stadtteil über den Baustellenverkehr ärgern. Die Verkehrssituation in Stierstadt sei sehr bedrohlich für die Jugend auf dem Schulweg. Dieser kollidiere nämlich mit Bauvorhaben. Da ist zum einen das Neubaugebiet Borngrund, zum anderen der Abriss der alten Grundschulturnhalle im Bereich des nicht weit entfernt liegenden Schulzentrums, wo in den kommenden Jahren zudem noch der IGS-Neubau ansteht (siehe weiteren Text).

Erschließung endet bald

Die Erschließungsarbeiten des Borngrunds sind in der Schlussphase. Bis 14. Dezember sollen sie abgeschlossen sein, teilt Stadtsprecherin Nicole Horn auf TZ-Anfrage mit. „Wir sind guter Dinge“, sagt Horn, weist aber auch auf noch ausstehende, witterungsabhängige Asphaltarbeiten hin.

Allein: Das Ende der Erschließung ist nicht das Ende von Bauarbeiten, sind doch mittlerweile im Borngrund die privaten Häuslebauer am Zug. „Jetzt entstehen die ersten acht Häuser von 66 Wohneinheiten“, sagt Ortsvorsteher Reuscher, und das heißt: Bis alle Häuser stehen, wird noch viel Baustellenverkehr durch den verkehrstechnisch ohnehin strapazierten Stadtteil rollen.

Die offizielle Straßenführung für Baufahrzeuge läuft über Taunusstraße, Stierstadter Straße, Steinbacher Straße und einen Feldweg zum Kiesweg/Borngrund. Aus dem Baugebiet raus geht es über einen Feldweg in Richtung Oberhöchstadt. Jedoch: Nicht alle Fahrer halten sich an die ausgewiesene Route, fahren durch Fasanenweg und Römerstraße und damit direkt an den Schulen vorbei.

„Als ich heute Morgen meine Tochter zur Schule brachte, fuhren drei Kieslaster an der Schule vorbei“, hat eine ebenfalls in der Steinbacher Straße lebende Anwohnerin Anfang des Monats an die Stadtverwaltung geschrieben. Auch diese Mail liegt der TZ vor. Ein Fahrer habe sie nach dem richtigen Weg gefragt, den Hinweis aber ignoriert, schreibt die Stierstadterin, die zudem von Baufahrzeugen und Schulbussen berichtet, die nicht aneinander vorbeikämen, auf Gehwege auswichen und damit Schüler gefährdeten. Reuscher berichtet andererseits aber auch von Kindern, die statt auf dem regulären Schulweg mitten durchs Baugebiet Borngrund gen Schulzentrum laufen.

Navi statt Schilder

Dass sich Lasterfahrer nicht an die ausgeschilderten Routen halten, ist im Rathaus bekannt. Ein Problem ist offenbar, dass nicht alle Fahrer der deutschen Sprache mächtig sind und sich aufs Navi verlassen, das sie über die normalen Straßen lotst.

Die Stierstadter wollen die Situation so nicht hinnehmen – weder in der Steinbacher Straße noch in Bezug auf die Schulwegsicherheit. Beatrix Bailleu will, dass andere Möglichkeiten der Verkehrsführung geprüft werden und auch der politisch vieldiskutierte, von der Taunusstraße abgehende Seedammweg einbezogen wird. Ortsvorsteher Reuscher fordert: „Seedammweg aufmachen für Bau- und Privatfahrzeuge.“ Der Seedammweg darf normalerweise nicht befahren werden, während der Borngrund-Erschließung dürfen ihn aber Anlieger der oberen Gartenstraße nutzen. Reuscher wünscht sich zudem Aktionen, um Schüler für den Baustellenverkehr zu sensibilisieren.

Info: Alte Turnhalle wird zurzeit abgerissen

Die alte Grundschulturnhalle ist Geschichte: Die Abbrucharbeiten auf dem Gelände gegenüber der Integrierten Gesamtschule Stierstadt (IGS) haben am 5. November begonnen. Auf der freien Fläche sollen im kommenden Jahr Container aufgestellt werden, in die der Schulbetrieb aus dem IGS-Hauptgebäude vorübergehend ausgelagert wird. Bekanntlich bekommt die Gesamtschule einen Neubau. Wie Andrea Nagell, die Sprecherin des Hochtaunuskreises als Schulträger, auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt, wurde der Bauantrag für die Container Anfang dieses Monats bei der Stadt Oberursel gestellt. Im Februar solle mit den „Gründungsarbeiten für das temporäre Schulgebäude begonnen werden“. Vorgesehen ist, dass die Container bis zu den Sommerferien stehen. Der Abbruch des IGS-Hauptgebäudes soll Mitte 2019 beginnen, der IGS-Neubau dann 2022 in Betrieb gehen. Als Sieger des Architektenwettbewerbs war im Sommer das Architekturbüro „pussert kosch architekten“ aus Dresden hervorgegangen. 

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