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Stefanie Laudan, Kathrin Schumann und Katrin Luxen (von links) lesen nach, welche Arbeitszeiten für die Baustelle an der Erich-Ollenhauer-Straße zugesagt waren. Sie beklagen, dass auch zu anderen Uhrzeiten gearbeitet werde.

Baulärm reißt Leute aus dem Schlaf

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Die Großbaustelle an der Erich-Ollenhauer-Straße strapaziert die Nerven der Anlieger. Sie fühlen sich durch Baulärm und Fahrzeuge beeinträchtigt – und Kritik an dem Wohnungsbauprojekt generell gibt es auch.

Stefanie Laudan, Kathrin Schumann und Katrin Luxen haben Papiere mitgebracht: Dazu gehört beim Ortstermin mit dieser Zeitung an der Erich-Ollenhauer-Straße eine Präsentation, mit der die Anlieger des Quartiers Anfang des Jahres von der Stadtverwaltung über eine Großbaustelle informiert wurden – mehr als 100 Wohnungen werden hier geschaffen.

Die Präsentation hat über das Bauvorhaben an sich aufgeklärt, aber auch auf die Verkehrsführung für Privat- und für Baufahrzeuge sowie die Bauzeiten hingewiesen. Jedoch: Das, was in dem Papier steht, stimmt nach Schilderung der Frauen nicht mit der Realität überein.

Dort ist von einer „geplanten festen täglichen Bauzeit“ von 7 bis 19 Uhr die Rede. Laut Andreas Bernhardt, Sprecher der Alten Leipziger, die die Wohnungen bauen lässt, existiert hingegen ein Baulärmkonzept, das Bauarbeiten werktags von 7 bis 20 Uhr erlaubt. „Alle an den Bauarbeiten beteiligten Firmen wurden durch unseren Generalunternehmer auf die einzuhaltenden Zeiten hingewiesen.“

Die Anwohnerinnen haben jedoch die Erfahrung gemacht, dass diese Zeiten nicht eingehalten werden. Ihren Schilderungen zufolge wird auch nach 20 Uhr noch gearbeitet. Und morgens kämen Lastwagen schon vor 7 Uhr an, um die Baustelle anzudienen, was teils mit Anfahrten aus dem Ausland erklärt werde. „Wir werden hier schlichtweg verarscht“, sagt Kathrin Schumann. Der Eindruck der Frauen: Was zugesagt worden sei, werde nicht eingehalten.

Tatsächlich wurde zuletzt spätabends gearbeitet: Auf Anfrage dieser Zeitung erklärt Andrea Herzig, Sprecherin des Hochtaunuskreises, dass eine Genehmigung erteilt wurde für Beton-Arbeiten in der Tiefgarage. In Ausnahmefällen dürfe mit dieser Genehmigung bis 23 Uhr gearbeitet werden. Als Behörden sind, kurz gefasst, in Bezug auf die Baumaßnahme und Lärmfragen sowohl die Kreis- als auch die Stadtverwaltung involviert.

An Polizei wenden

Oberursels Stadtsprecherin Nina Kuhn gibt grundsätzlich den Rat, sich mit Lärmbeschwerden direkt an die Polizei zu wenden. Bei den Ordnungshütern sind bislang jedoch keine Beschwerden in Bezug auf diese Baustelle bekannt, sagt Polizeisprecher Volker Hammann auf Anfrage.

Was den Anliegern der Ollenhauer-Straße auch zu schaffen macht, ist der samstägliche Baustellenbetrieb. „Wir fallen hier jeden Samstag um 7 Uhr aus dem Bett“, beklagen die Frauen. Während die Sprecher der Alten Leipziger und der Stadt betonen, dass der Samstag ein regulärer Werktag sei, berichten sie, bei der Bürger-Infoveranstaltung habe es geheißen, dass nur in Ausnahmefällen samstags gearbeitet werde. An eine solche Aussage kann man sich bei der Stadt nicht erinnern.

Es ist einiges, das die Leute im Quartier umtreibt – grelles Licht, das in die Fenster der Häuser scheint, Staub, über Fußwege fahrende Lastwagen und Ausweichverkehr durch die eigentlich verkehrsberuhigten Anliegerstraßen sowie natürlich der Lärm. „Im Sommer konnten wir unsere Gärten nicht nutzen“, sagt Katrin Luxen.

Den Frauen ist es wichtig, dass ihre Sorgen ernst genommen werden, dass die Anwohner nicht vergessen werden. „Wir wollen Awareness schaffen“, formuliert es Kathrin Schumann. Heißt so viel wie: das Bewusstsein für die Probleme wecken, sich in Erinnerung bringen.

Weniger Lebensqualität?

Etwa zwei Jahre lang beeinträchtigt die Baumaßnahme das Leben rund um die Ollenhauer-Straße. Stefanie Laudan befürchtet jedoch, dass es auch nach Abschluss der Arbeiten zu einem Verlust an Lebensqualität kommt – wegen des zusätzlichen Verkehrs durch die künftigen Bewohner, aber auch wegen der Baukörper an sich. „Eine städtebauliche Katastrophe“, sagt Laudan über den Gebäudekomplex. Sie spricht von einer „unsäglichen Dimension des Projekts, das wie ein „Bollwerk“ sei. „Das Mikroklima wird sich verändern, und der Boden ist unwiderbringlich versiegelt“, meint die Anwohnerin.

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