Sporthallen der Erich-Kästner-Schule

Betten raus, Bauamt rein

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Die Flüchtlinge haben die Notunterkunft in den Sporthallen der Erich-Kästner-Schule verlassen. Der Hochtaunuskreis hat den Rückbau gestern für beendet erklärt – nun sind Reinigungskräfte, das Bau- und das Gesundheitsamt gefragt.

Drei Frauen knien beziehungsweise sitzen am Freitagvormittag auf dem Boden der Sporthalle der Erich-Kästner-Schule (EKS) und reiben sorgfältig Streifen weg. Kurz zuvor ist ein Kollege mit einer Reinigungsmaschine darüber gefahren. Es ist jene Halle, in der bis Anfang der Woche noch Flüchtlingsfamilien untergebracht waren. Hier sind Betten und Trennwände schon rausgetragen und die an Tetra-Pak erinnernde Schutzfolie vom Boden entfernt worden.

In der anderen Halle, die alleinreisenden Männern als Notunterkunft gedient hatte, ist der Boden noch beklebt. 387 Doppelstockbetten warten auf ihren Abtransport, sollen teilweise in der alten Tennishalle an der Mainstraße gelagert werden. Ein Mann aus dem Reinigungsteam fegt mit einem großen Besen durch. Außer Staub kehrt er auch kleine Bändchen, ein Bonbonpapier und ein leeres Taschentuchpäckchen zusammen.

Zwar hat der Hochtaunuskreis gestern den Rückbau der Notunterkunft für beendet erklärt – das bezog sich laut Kreissprecherin Andrea Nagell auf das Ausräumen. Bis Schulen und Sportvereine die Hallen wieder nutzen können, dauert es aber noch. Der Kreis spricht vorsichtig von Frühjahr, Stefan Sauer, stellvertretender Leiter des Bereichs abwehrender Brandschutz, stellt beim Ortstermin die Zeit nach den Osterferien in Aussicht.

Was konkret zu tun ist, soll sich kommende Woche bei einer Besichtigung durch das Bauamt zeigen. Dann soll auch festgestellt werden, wie sich die Dauerbelastung durch die Betten auf den Boden der 1973 errichteten und Anfang des Jahrtausends grundsanierten Hallen ausgewirkt hat.

Zu sehen ist schon jetzt, dass zum Beispiel Wände gestrichen, an der Lüftung im Sanitärbereich gearbeitet und Teile von Türen ausgetauscht werden müssen. „Die sind 500, 600, 700 Mal am Tag betätigt worden“, gibt Sauer zu bedenken – also weitaus häufiger als im Sportbetrieb. Das führt zu Verschleiß.

Heißt verallgemeinert: Den Hallen ist zwar anzusehen, dass Hunderte von Menschen dort vier Monate gelebt haben – offiziell dienten die Hallen 111 Tage lang als Notunterkunft –, Verwüstungen oder das, was landläufig als Sauereien bezeichnet wird, gibt es jedoch nicht. So attestierten denn gestern auch Landrat Ulrich Krebs (CDU) und Kreisbrandinspektor Carsten Lauer der Einrichtung einen guten Zustand.

Im Großen und Ganzen, diesen Eindruck bestätigten Andrea Nagell und Stefan Sauer, steht eine Vielzahl von Schönheitsreparaturen bevor. Dazu gehört auch, dass im Eingangsbereich Ausbesserungen am Linoleumboden vorgenommen werden müssen. Dort war die Essensausgabe eingerichtet gewesen. Die Kosten für die Instandsetzung der Doppelsporthalle – sie werden vom Land übernommen – sind noch nicht bekannt, solange es keine Zu-erledigen-Liste gibt. Ein sechsstelliger Betrag, so die Schätzung, wird es allemal. Wenn dann alles Bauliche gemacht ist, werden die Hallen erneut grundgereinigt. Zuvor soll das Gesundheitsamt sie unter hygienischen Aspekten in Augenschein nehmen.

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