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Michael Boddenberg diskutierte mit Schülern über die Themen Bildung und Flüchtlingspolitik.

CDU-Landespolitiker in Hochtaunusschule

Boddenberg warnt vor Akademisierungswahn

Der Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag, Michael Boddenberg, fand gestern deutliche Worte, als er vor rund 150 Schülern der Hochtaunusschule zu aktuellen Themen wie dem Erstarken der AfD, Flüchtlingskrise und Bildung Stellung bezog. Dabei machte er klar, dass es keine einfachen Lösungen gibt.

Von GABRIELE CALVO HENNING

Wer ist schuld an den Erfolgen der AfD? Gibt es eine Lösung für die Flüchtlingskrise in der EU? Wie kann man den Stellenwert einer beruflichen Ausbildung stärken? Die Themenfelder beim Besuch des Fraktionsvorsitzenden der CDU im hessischen Landtag, Michael Boddenberg, im Forum der Hochtaunusschule waren weit gesteckt. Vor mehr als 150 Schülern, die die Veranstaltung zum größten Teil interessiert verfolgten und sich mit etlichen Fragen einbrachten, stand er Rede und Antwort.

Boddenberg machte deutlich, dass es für die CDU keine Koalitionen mit der AfD geben könne. Denn eine Partei, deren Führungspersonal sich extrem radikal äußere und die Grenzen mit allen Mittel „dicht machen“ wolle, könne kein Gesprächspartner sein. Wohl aber deren Wähler, die man nun verstärkt mit den eigenen Argumenten erreichen müsse, „um den Rechten nicht noch mehr Munition zu liefern“. Denn, so der CDU-Mann, das Erstarken der AfD sei das Ergebnis einer Protestwahl gewesen. Hier sei vor allem den in der Flüchtlingspolitik uneinigen Bundespolitikern ein Denkzettel verpasst worden. Einfache Lösungen aber, betonte der Landespolitiker, könne es nicht geben. Erfolge seien nur in ganz kleinen Schritten möglich, gerade vor dem Hintergrund, dass es keine Einigkeit unter den EU-Staaten gebe, obwohl die finanziellen Kapazitäten in der EU insgesamt durchaus da seien, um die Flüchtlingskrise zu meistern.

Zur Lösung der Flüchtlingsfrage gehört für ihn deshalb auch die in diesen Tagen besprochene Zusammenarbeit mit der Türkei, mit der auf EU-Ebene über die Rück- beziehungsweise Aufnahme von Flüchtlingen verhandelt wurde. Auf die Frage eines Schülers, ob sich die EU hier nicht von der Türkei erpressen lassen würde, betonte Boddenberg, dass man genau abwägen müsse, welche Zugeständnisse möglich seien. Allerdings sagte er auch, dass es für ihn zur Kooperation mit der Türkei keine Alternative gebe, auch wenn dort die Menschenrechte und die Demokratie „in Teilen mit Füßen getreten“ würden.

Es gehe darum, eine Lösung zu finden, damit Schlepper in Zukunft keine Chance hätten, Flüchtlinge von der Türkei aus nach Europa zu bringen. Aber auch der Bekämpfung der Fluchtursachen in den Herkunftsländern der Flüchtenden räumte Boddenberg eine wichtige Rolle ein, wobei dies ein langwieriger Prozess sei.

Engagiertes Nachfragen bei den Schülern gab es auch beim Thema Bildung, speziell zum Stellenwert einer beruflichen Ausbildung gegenüber einem Hochschulstudium. Ein Schüler fragte, ob es nicht ratsam wäre, in der Oberstufe darauf aufmerksam zu machen, dass eine Berufsausbildung durchaus eine attraktive Alternative zum Studium sein könne, womit er bei Boddenberg, der selbst das Fleischerhandwerk erlernt hat, offene Türen einrannte. Es sei ein „Akademisierungswahn“ zu beobachten, wobei die „hysterische Debatte“ schon beim Wechsel der Kinder auf die weiterführende Schule beginne.

Der CDU-Mann rief die Schüler auf, genau hinzuschauen, denn es gebe eine Vielzahl von interessanten Berufen und Ausbildungsgängen. Jeder dürfe, aber nicht alle müssten unbedingt Abitur machen, um dann ins Studium zu gehen.

Der Besuch Boddenbergs war Teil einer Reihe von Politikervorträgen in der Hochtaunusschule, an der im Januar bereits SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel teilgenommen hatte (wir berichteten). Schüler hatten im Unterricht die Idee entwickelt, Politiker einzuladen, um im direkten Austausch mit ihnen über aktuelle Punkte zu diskutieren und gezielt Fragen zu stellen. Im Mai wird der stellvertretende hessische Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen zu Gast sein.

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