Steinerne Fundamente erinnern an die Burg und die Bommersheimer Ritter. Für die Vorsitzende des Oberurseler Geschichtsvereins Marion Unger (links) und TZ-Redakteurin Gabriele Calvo Henning (rechts) ein guter Startpunkt für einen Gang durchs "Dorf".
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Steinerne Fundamente erinnern an die Burg und die Bommersheimer Ritter. Für die Vorsitzende des Oberurseler Geschichtsvereins Marion Unger (links) und TZ-Redakteurin Gabriele Calvo Henning (rechts) ein guter Startpunkt für einen Gang durchs "Dorf".

Serie: Historischer Rundgang durch Oberurseler Stadtteile

Bommersheim: Von Rittern, Bauern und wilden Männern

  • vonGabriele Calvo Henning
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Spaziergang durch Bommersheim mit seiner Burg und den eindrucksvollen Bauernhäusern.

Welcher Ort könnte besser geeignet sein, um einen historischen Gang durch Bommersheim zu starten, als die Überreste der ehemaligen Burg am östlichen Ortsrand (Im Himmrich), Ein großer Halbkreis von freigelegten, steinernen Fundamenten erinnert, dass an dieser Stelle spätestens seit dem 11. oder 12. Jahrhundert zunächst eine sogenannte Motte mit einem künstlich angeschütteten Hügel, darauf einem Wohnturm und einer Palisade drumrum stand. Diese wurde im Weiteren ausgebaut und mit einer Ringmauer verstärkt. "In dieser Burg muss es viel Leben gegeben haben", vermutet Lokalhistorikerin Marion Unger, der Vorsitzenden des Oberurseler Geschichtsvereins.

Man könne durchaus davon ausgehen, dass die damaligen Herren von Bommersheim einen gewissen Lebensstil gepflegt haben, worauf Funde aus dem Burggraben schließen lassen, wie besonders gefertigte Gläser (Nuppenbecher), Golddrähte und Ketten aus Bernstein und Bergkristall. Jakobsmuscheln deuten auf Pilgerreisen der Bewohner hin. Zu sehen sind die Funde im Vortaunusmuseum. Einiges davon mag Raubgut gewesen sein.

Denn die Bommersheimer Ritter waren nicht zimperlich bei ihren Überfällen auf Frankfurter Kaufleute. Die Strafe folgte 1382, als unter Führung der Stadt Frankfurt Mannen des Rheinischen Städtebunds die Burg zerstörten, so dass sie für viele Jahrhunderte vergessen wurde, bis sie bei Bauarbeiten 1988 wiederentdeckt und in den 1990er Jahren für die Dokumentation freigelegt wurde.

Die alte Schule (Lange Straße 75) gibt ein Beispiel des Bommersheimer Fachwerks.

Von diesen mittelalterlichen Wurzeln geht es nun mit einem Zeitsprung ins Barock. Denn das südlich wie westlich von der alten Burganlage gelegene Alt-Bommersheim, mit seinen beiden Hauptadern Burgstraße und Lange Straße, ist wesentlich durch Wohnhäuser und Hofanlagen aus der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) geprägt. "In diesem Krieg hat Bommersheim extrem unter Plünderungen und Brandschatzungen gelitten", so Marion Unger. Deshalb stammten die meisten alten Gebäude aus der Wiederaufbauphase.

Geht man nun die Burgstraße wie die Lange Straße in einem Winkel um die alte Burg entlang, fallen zwei Dinge auf: Bei den alten Gebäuden handelt es sich zumeist um ursprünglich bäuerliche Anwesen. Kein Wunder, denn die Landwirtschaft hat wahrscheinlich schon seit den frühsten Anfängen, die im 8. Jahrhundert verortet werden, eine wesentliche Rolle gespielt. "Das liegt an den fruchtbaren Lössböden", weiß Unger zu berichten.

Der florierenden Landwirtschaft sei es zu verdanken, dass Bommersheim nach 1648 einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung nahm, so Unger. Zwar habe "das Dorf", abseits des wirtschaftlich wichtigen Urselbachs gelegen, nie die Bedeutung des damaligen Ursels (Oberursel) erreicht, für dessen Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten sei es aber wichtig gewesen.

Zeigen, was man schafft und hat

Dass es ihnen damit nicht gerade schlecht ging, damit hielten die Bommersheimer nicht hinterm Berg. Davon zeugt nicht nur der ehemalige Zehnthof (Lange Straße 86) mit seinem zweigeschossigen Wohnhaus, der mächtigen Scheune und Nebengebäuden aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Wie hier wurden die Wohnhäuser oft mit reichem Fachwerk ausgestattet - nicht protzig, aber selbstbewusst und mit Sinn fürs Besondere. So zum Beispiel in der Burgstraße 22. Liebevoll restauriert, weist es ein reich gestaltetes Fachwerk auf. "Wir sehen Andreaskreuze, Feuerböcke und Rauten. Besonders gut sind hier die Wilden Männer zu erkennen", deutet Unger auf eine bestimmte Form der Strebenkreuze hin, die die bunt verzierten Eckpfosten verstärken.

Mit den Kruzifixen und Wegekreuzen bezeugen Heiligenhäuschen (hier Burgstraße/In der Steingasse) einen lebendigen Volksglauben.

Wer mit offenen Augen durch Alt-Bommersheim geht, findet weiteres Fachwerk, so auch in der Lange Straße 75. Diesmal kein Hof, sondern die ehemalige Schule, die bis vor kurzem noch die Galerie Tigrel beherbergt hat. Der besondere Hingucker ist unter den Doppelfenstern im ersten Stock der reiche Brüstungsschmuck. Den besten Blick auf das Ensemble mit Hoftor hat man von der gegenüberliegenden Seite mit der katholischen Kirche St. Aureus und Justina im Rücken. Das als Saalbau angelegte Barockgebäude (1738) gilt als Nachfolger der 1319 erwähnten Burgkapelle der Ritter von Bommersheim.

Weitere Rundgänge

Auf Spaziergängen durch Bommersheim, Oberstedten, Stierstadt und Weißkirchen erkunden wir die Historie von Oberurseler Stadtteilen. Das Thema im Überblick.

Bevor es auf einem schmalen, um die Kirche führenden Weg zurück zur ehemaligen Burg geht, weist Marion Unger noch auf eine "weitere Besonderheit Bommersheims" hin, und das sind die Bilderstöcke beziehungsweise Wegkreuze und Heiligenhäuschen, von denen es im "Dorf" und an den Feldern auffallend viele gibt und die von einer nach außen dargestellten Frömmigkeit zeugen. So das 1752 auf dem Kirchhof vom Ehepaar Anton und Anna Maria Wolff errichtete Kruzifix. Weitere Exemplare finden sich in der Lange Straße 1 (Wegekreuz aus Sandstein) und weiter raus an der Kalbacher Straße das sogenannte Sinderskreuz aus Buntsandstein. Auf dem Weg zum und vom Feld war hier Gelegenheit für ein kurzes Gebet.

Oftmals an wichtigen Kreuzungen und Prozessionswegen gelegen, werden die Heiligenhäuschen bis heute gehegt und gepflegt. So an der Ecke Burgstraße/In der Steingasse. Im Innern des aus dem Jahr 1807 stammenden Kleinbauwerks sind auf einem Relief die 14 Nothelfer und das Jesuskind zu erkennen. Weitere dieser Häuschen sind an der Bommersheimer Straße 74 (erbaut 1734) und in einer Ecklage zur Wallstraße "An der Friedenslinde" zu finden. Auch sie sind Zeichen für einen seinerzeit verbreiteten öffentlichen Volksglauben. Von Gabriele Calvo Henning

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