+
Die Fichten im Oberurseler Wald sind vom Borkenkäfer befallen und sterben ab, weil sie keine Nährstoffe bekommen.

Trockener Sommer

Der Borkenkäfer hat Bäume im Stadtwald befallen: 1500 bis 2000 Fichten werden gefällt

  • schließen

Schilder weisen auf Sperrungen hin, Bäume sind markiert. Das heißt: Hier stehen Waldarbeiten an. Der städtische Betrieb Bau und Service Oberursel (BSO) lässt in den kommenden Wochen Fichten fällen, die vom Borkenkäfer befallen sind. Und auch an Bäumen im Stadtgebiet wird Hand angelegt.

Das Kupferstecher-Männchen und sein Kumpel, der Buchdrucker, haben’s gut. Da locken sie ihre Weibchen in die Rammelkammer im Baum und pflanzen sich munter fort. Eine Schilderung, die Zuhörern meist ein Grinsen ins Gesicht treibt. Damit hat sich’s aber auch schon mit der schlüpfrigen Heiterkeit: Denn Kupferstecher und Buchdrucker sind Borkenkäfer, und die haben dem Oberurseler Stadtwald derart zugesetzt, dass jetzt in großer Zahl Bäume gefällt werden.

Es gehe um 1500 bis 2000 Bäume im knapp 750 Hektar großen Oberurseler Stadtwald, sagt Michael Maag, Betriebsleiter des städtischen Betriebs Bau und Service Oberursel (BSO). Der BSO ist in der Stadt für den Forst zuständig. Die genannte Zahl an Bäumen entspricht etwa 3000 bis 4000 Festmetern, wie Maag erklärt. Konkret handelt es sich um Fichten, denn die genannten Borkenkäferarten lebten fast ausschließlich an diesen Nadelbäumen.

Bürger reagieren sensibel

Stadt und BSO hatten für gestern Vormittag zu einem Pressetermin im Wald am Rand der Stierstadter Heide eingeladen. Die Forstarbeiten, die etwa drei bis vier Wochen dauern sollen, wollen gut kommuniziert sein – den Offiziellen ist daran gelegen, die Notwendigkeit der Maßnahme zu betonen. „Wir wissen, dass die Bevölkerung ausgesprochen sensibel reagiert, wenn Bäume gefällt werden“, sagt Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) und ergänzt: „Hier geht es nicht darum, Wald zu vernichten.“

Brum hebt die Verkehrssicherungspflicht, also den Sicherheitsaspekt hervor. Ferner sollen befallene Bäume möglichst vor April gefällt werden. Heißt: Bevor der Borkenkäfer, der in befallenen Bäumen oder im Boden überwintert, mit seinem Schwärmflug beginnt. Was bei etwa 16,5 Grad der Fall sei.

Einer, der sich mit den Bäumen und den Borkenkäfern gut auskennt, ist Luis Kriszeleit. Der Forstingenieur und Wildtierbiologe steht zurzeit in Diensten des BSO, ist quasi der Förster. „Das Hauptproblem war der trockene Sommer“, erklärt Kriszeleit.

Kurz gefasst haben Wärme und Trockenheit zur Massenvermehrung des Borkenkäfers geführt. Wie es in einer Mitteilung des BSO heißt, seien die Fichten „aufgrund des Trockenstresses geschwächt“ gewesen, hätten kein Harz bilden können, um sich gegen den Schädling zu wehren. Letztlich werde der Baumsaftstrom und somit der Nährstofftransport unterbrochen, so dass die Bäume absterben.

Rot und blau markiert

Kriszeleit und Maag stehen also an diesem Vormittag im Wald an der Stierstadter Heide und zeigen auf die beschädigten Bäume. „Hier kann man sehen, was der Käfer anrichtet“, sagt Maag und nimmt ein Stück Rinde in die Hand, auf dem der Käfer Gänge hinterlassen hat. Einige Bäume sind farblich markiert. Rot heißt: Die Fichte muss weg. Blaue Markierungen dienen als Wegweiser für den Harvester, der die Fällarbeiten erledigen soll.

154 Fichten sollen hier an der Heide nach ersten Berechnungen fallen. Weitere „Hotspots“, wie es der BSO formuliert, sind am Schulwald (etwa 500 Fichten), an der Emminghaushütte (circa 600) und bei Oberstedten (etwa 300).

Die Fichte, so erklärt Kriszeleit, sei eigentlich in den Alpen und in Mittelgebirgen zu Hause. Doch aus ökonomischen Gründen werde sie auch in flacheren Gegenden eingebracht, sie ist als Bauholz begehrt. Der Oberurseler Stadtwald besteht etwas zu 25 Prozent aus Fichten.

Auch das Holz der vom Borkenkäfer befallenen Bäume lässt sich noch veräußern. Doch weil große Mengen auf dem Markt seien, falle der Preis. „Im vergangenen Jahr haben wir 95 Euro für den Festmeter bekommen, jetzt liegen wir bei gut 40 Euro“, sagt Maag.

Sind die Fichten gefallen, soll erst mal nicht von Hand wieder aufgeforstet werden. Das wollen die BSO-Verantwortlichen fürs Erste der Natur überlassen und dann schauen, ob nachgeholfen werden muss. Wenn ja, werden es wohl keine Fichten, sondern Buchen, Tannen, Douglasien oder Eichen.

Der BSO kümmert sich derzeit auch um verschiedene Bäume im Stadtgebiet. Etwa 11 000 gibt es laut Maag, rund 1500 müssten infolge der Trockenheit bearbeitet werden. Das heißt nicht, dass diese Bäume gefällt werden – oft werde zum Beispiel Totholz rausgeschnitten.

    503 Service Unavailable

    Hoppla!

    Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.

  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

503 Service Unavailable

Hoppla!

Leider ist unsere Website zur Zeit nicht erreichbar. Wir beeilen uns, das Problem zu lösen. Bitte versuchen Sie es gleich nochmal.