Das Buch liegt ihm am Herzen

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Zu seinem 75. Geburtstag hat Emeritus Volker Stolle selbst das wohl beste Geschenk für sich und die Lutherische Theologische Hochschule Oberursel: einen wissenschaftlichen Kommentar zum Markusevangelium. Stolle würdigt den Evangelisten als Erzähler – und will mit seiner jüngsten Veröffentlichung selbst zum Erzählen anregen.

Fast ist es, als wäre Dr. Volker Stolle noch Professor für Neues Testament an der Lutherischen Theologischen Hochschule (LThH) und gäbe eine Vorlesung. Gewandt spricht er in der gut besuchten Aula von dem Evangelisten Markus. Der Theologe ist ein Lehrender, ein Erzähler mit Leib und Seele, und das bleibt er auch im Ruhestand, was die vielen Veröffentlichungen belegen. Seine jüngste ist ein wissenschaftlicher Kommentar zum Markusevangelium unter besonderer Berücksichtigung der Erzähltechnik, der nun als Ergänzungsband 17 der Oberurseler Hefte im Hochschul-Partnerverlag Edition Ruprecht erschienen ist (siehe auch Info). Am Dienstag stellte Volker Stolle in der Hochschule sein neues Buch vor, verbunden mit einer kleinen akademischen Feier anlässlich seines 75. Geburtstags, der im Februar war.

„Mir ist es eine besondere Freude und Ehre, diese Feier auszurichten“, sagte der Rektor, Professor Dr. Gilberto da Silva. Es sei außergewöhnlich, dass der Emeritus im Ruhestand – den er mit seiner Frau Conny in Mannheim verbringt – nicht ruhe, sondern die Hochschule beinahe jährlich mit neuen wissenschaftlichen Werken versorge. Die jüngste Veröffentlichung liegt Volker Stolle ganz besonders am Herzen. Die Auseinandersetzung mit Markus ziehe sich wie ein roter Faden durch sein theologisches Wirken, angefangen bei der schriftlichen Aufnahmeprüfung in ein neutestamentliches Seminar in Heidelberg über seine Studien als Gemeindepfarrer und seine Dissertation bis hin zu seiner Zeit als Dozent in Oberursel. „Das Markusevangelium hat sich mir so immer deutlicher als Erzählung erschlossen“, führte Stolle aus. Es sei selbst als ein literarisches Werk zu würdigen. Markus habe vor allem diese „theologische Großleistung“, so Stolle, vollbracht: Er habe den Weg dafür geöffnet, dass heute in der Kirche von Jesus erzählt werden könne. Der Evangelist sei damit einer der ganz wichtigen Theologen im Neuen Testament, auch wenn er in der Auslegungsgeschichte immer eher am Rande gestanden habe, betonte der 75-Jährige, der überzeugt ist: „Erzählungen sind nicht von geringerer Bedeutung als theologische Definitionen des Glaubens. Sie sind kein Kinderkram.“ Auch Erwachsenen sollte erzählt werden.

Es sind verschiedene leserische Momente, die das Markusevangelium Stolle als Erzählung analysieren lassen. Er behandelt den überlieferten Text in seinen Erzähl-Einheiten, welche sich in dem Buch jeweils griechisch abgedruckt, als Übersetzung und schließlich kommentiert finden. Das Evangelium reihe einzelne, recht selbstständige Szenen aneinander, so Stolle, dennoch würden über verschiedene Motive Verbindungen geschaffen. „Beispielsweise zieht sich das Weg-Motiv durch das gesamte Evangelium. Dadurch gelingt es Markus, sehr unterschiedliche Traditionen zu verbinden, etwa die Leidensgeschichte und das Wirken Jesu.“ Als charakteristisch bezeichnet Stolle auch, „dass der Glaube nicht im Zentrum steht, wie wir als Lutheraner es erwarten würden. Die Jünger werden auch als Nicht-Glaubende dargestellt. Glaubende sind die Geheilten, die dann wieder von der Bildfläche verschwinden.“ Außerdem gebe Markus in den verschiedenen Abschnitten Hinweise, wie der Text beziehungsweise die Taten und das Wirken Jesu jeweils zu verstehen seien, etwa als „Lehre in Vollmacht“. „Er versucht also zu erzählen, und auf diese Weise die Botschaft anschaulich rüberzubringen.“

Auch Volker Stolle möchte mit seinem Werk zum Erzählen anregen, wie er sagte. Zum Erzählen passe ja Wein gut, sagte Gilberto da Silva schmunzelnd, als er dem Emeritus das Geschenk der Hochschule überreichte.

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