Keinen leichten Stand hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Markus Koob (Mitte) bei der Klimaschutz-Diskussion. Mit ihm stellten sich Katja Adler, Elisabeth Kula, Alicia Bokler und Christian Tramnitz den Fragen von Fridays-for-Future.
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Keinen leichten Stand hatte CDU-Bundestagsabgeordneter Markus Koob (Mitte) bei der Klimaschutz-Diskussion. Mit ihm stellten sich Katja Adler, Elisabeth Kula, Alicia Bokler und Christian Tramnitz den Fragen von Fridays-for-Future.

Fridays for Future

Bundestagskandidaten diskutieren in Oberursel über Klimaschutz

  • Alexander Seipp
    VonAlexander Seipp
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Jugendliche aus dem Taunus zeigen Sympathien für Grüne und Linke sowie Skepsis gegenüber CDU und FDP

Oberursel -Ferien, Freizeit, Fridays For Future? Zumindest am Freitag war dies so. Denn kurz vor Beginn der Sommerferien luden die jungen Umweltaktivisten nach Oberursel ein. Etwa 200 Personen, darunter viele Schüler aber auch Eltern und andere Interessenten kamen auf die Grünfläche der Adenauerallee, um nach ihrer Sterndemo einer Diskussion anlässlich der Bundestagswahl im kommenden Herbst zu verfolgen. Dafür hatte Fridays for Future die Direktkandidaten für den Wahlkreis eingeladen. Gekommen waren Christian Tramnitz von den Grünen, Alicia Bokler von der SPD, Katja Adler von der FDP und Markus Koob von der CDU. Für die Linke nahm Landtagsabgeordnete Elisabeth Kula teil.

Moderiert wurde die Diskussion scharfzüngig von Fridays-For-Future-Mitglied Laura Pfeifer. Lange Reden wurden dabei allerdings nicht gehalten. Laura behielt die Zügel stets fest in der Hand, redete einer der Teilnehmer zu lange, grätschte sie auch einmal dazwischen.

Denn für alles gab es eine Zeitbeschränkung. So etwa bei der ersten Frage, bei der die Teilnehmer die Position ihrer Partei zur Klimapolitik darlegen sollten. Es begann der aktuelle Hochtaunus-Bundestagsabgeordnete Markus Koob, dessen CDU eine Klimaneutralität bis 2045 anstrebt. Wichtig sei es dabei, die Leute mitzunehmen und neue Innovationen zu schaffen.

Auch die SPD will die Klimaneutralität bis 2045, allerdings legte Alicia Bokler ihren Fokus mehr auf finanziell schwächere Menschen, die man nicht auf der Strecke lassen dürfe. 15 Millionen E-Autos will die SPD bis 2030 auf die Straße bringen.

Die Grünen, so Christian Tramnitz, seien die einzige Partei mit konkreten Zielen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Anreize für sozial verträglichen Umbau der Wirtschaft müssten ineinander greifen, nur so könne man die 1,5 Grad-Grenze des Pariser Klimaschutzabkommens noch einhalten.

Die FDP setzt angesichts der Herausforderung des Klimawandels vor allem auf die regulierende Macht des Marktes. "Wir müssen Anreize für Innovationen schaffen", so Katja Adler. Vor allem jedoch sei der Klimawandel ein globales Thema, man dürfe also sich nicht nur auf Deutschland beschränken. Gesetzliche Verbote und Regelung wolle die FDP jedoch nicht.

Die Vertreterin der Linken, Elisabeth Kula forderte ebenfalls, dass man die ärmeren Personen nicht zurücklassen dürfe. Maßnahmen wie die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets für alle sowie soziale Hilfen für jene, deren Jobs wegfallen, dürfe man nicht außer Acht lassen. Auch Tempolimits seien eine gute Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu senken.

In einer Reihe von Blitzfragen erkundete Moderatorin Laura nun unterschiedliche Positionen der Parteien zu relevanten Aspekten des Klimaschutzes, darunter etwa der CO2-Preis oder der Frage, bis wann die Parteien die Energieversorgung in Deutschland komplett auf erneuerbare Energien umstellen wollen.

Starke Unterschiede ergaben sich dabei besonders zwischen FDP und Linken. Denn während die FDP davon ausgeht, dass der wirtschaftliche Druck die Unternehmen von selbst zum Klimaschutz ansporne, wollen die Linken regelnd eingreifen. Ähnlich sehen das auch die Grünen: "Das Beispiel Klimaschutz hat doch gezeigt, dass der Markt allein nicht funktioniert", so Tramnitz. Der FDP sprang hingegen die CDU bei. "Die Wirtschaft ist doch nicht der Satan", sagte Kandidat Markus Koob. Er kenne viele Unternehmen, die von sich aus erkannt hätten, welche Bedeutung die Nachhaltigkeit besitze - eine Aussage, die von den Zuhörern mit teils höhnischem Lachen kommentiert wurde.

Am interessantesten jedoch war der vorletzte Teil der Diskussion. Dort sollten die Kandidaten die Parteiprogramme der anderen Parteien kritisieren. "Lippenbekenntnissen in puncto Klimaschutz" attestierte Grünen-Kandidat Tramnitz dem FDP-Programm. Man hoffe auf technologische Fortschritten, die offenbar "magisch" auftreten sollten, denn es gebe für sie keine Garantie.

FDP-Kandidatin Katja Adler kritisierte ihrerseits am Grünen-Programm, dass die Lösung der Partei für alles Verbote seien. Man müsse die Wirtschaft mitnehmen, sonst würde es nicht funktionieren. Kritik am Koalitionspartner im Bund gab es von der SPD. Alicia Bokler nannte das CDU-Wahlprogramm ein "Weiter so"-Programm. Man kündige Investitionen an, gleichzeitig wolle man aber die Schwarze Null einhalten und den Soli möglichst streichen. Das passe nicht unter einen Hut. Zu sozialen Aspekten wie dem Mindestlohn finde sich im Programm des Koalitionspartners gar nichts. "Es ist ohne Zukunftsgedanken", sagt sie.

CDU-Kandidat Koob erinnerte daran, dass man sechs Jahre die schwarze Null geschafft habe, lediglich Corona habe die Serie verhagelt. Man müsse die Gesellschaft und Wirtschaft mit Investitionen stärken, dann könne man auch viele andere Projekte finanzieren. Das Programm der Linken nannte Koob "realitätsfremd". Die Partei wolle "Weg von der Sozialen Marktwirtschaft".

Linken-Vertreterin Kula bezeichnete die Tatsache das die 100 reichsten Unternehmen für 70 Prozent des CO2-Ausstoßes zuständig seien als eine Tragödie. Ihre Folgerung: Großkonzerne zerstörten diese Erde. Sie kritisierte an der SPD, dass diese zwar viele gute Sachen verspreche, in der Vergangenheit aber wenig davon ungesetzt habe.

Streitpunkte gab es also einige. Doch auf welcher Seite das Publikum und die Aktivisten standen, dies war natürlich von Anfang an klar. Applaus gab es vor allem für die Teilnehmer der Grünen und der Linken. Offene Skepsis gab's für FDP und CDU. Von Alexander Seipp

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