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Für Tafsirou Thioune tragen Veranstaltungen wie das Afrika-Festival zur Völkerverständigung bei.

Trommeln

Cheikh Matala Mbaye und seine Mitstreiter zeigen, was Afrika zu bieten hat

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Zum Ende des Orscheler Sommers erfüllten Djembe-Rhythmen, Sandelholz-Duft und kulinarische Genüssen den Rushmoor-Park. Die Organisatoren des Afrika-Festivals verstehen sich auch als Botschafter.

Die deutsche Eiche lässt sich nur schwer in afrikanische Djemben verwandeln. Sie ist zwar solide und stabil, aber gerade deshalb fehlt ihr der Nachklang. „Kirsch, Ahorn, Esche oder Nussbaum sind besser geeignet.“ Herbert Wölfel aus der Nähe von Marburg hat viele der afrikanischen Trommeln, die er beim Afrika-Festival anbietet, selbst gebaut. Er unterrichtet zudem Erzieher und Therapeuten, denn: „Es tut den Deutschen gut, anstelle von Dreiviertel- und Viervierteltakt auch die Polyrhythmik der Afrikaner zu erfahren.“

Beim Afrika-Festival ist der Rushmoor-Park für zwei Tage zum Runddorf mit Bühne geworden. Der Duft von frisch gebackenen Beignets und Sandelholz-Räucherstäbchen zieht über den Platz, die Besucher lassen sich auf dem trockenen Gras nieder und unterhalten sich bei einem Glas südafrikanischem Wein. Einige versuchen sich unter Anleitung von Paul Diassy und seiner Band – zunächst eher zögerlich – im Tanzen nach afrikanischen Rhythmen. „Das Flair gefällt mir“, lobt eine Besucherin aus Frankfurt.

Der Verein Kunstgriff, hat mit Cheikh Matala Mbaye und seiner Trommelgruppe Impuls zum vierten Mal Afrika-Gefühl nach Orschel gebracht. Und die Besucher genießen es.

Ihm liegt am Herzen, dass sich die Menschen kennenlernen. „Afrika hat mehr zu bieten als arme Menschen“, sagt Mbaye und das möchte der Mann aus dem Senegal als Botschafter vermitteln. Oberursel sei lebendig, offen für vieles, international eingestellt und damit die richtige Stadt, um sich interkulturell zu treffen – und zu zeigen, was Afrika zu bieten hat: Außer Rhythmik und Kulinarik auch eine bunte Vielfalt an Stoffen, Hosen und Kleidern, Masken, Elefanten und Krokodilen aus Holz handgeschnitzt, Wäsche und Einkaufskörben, ebenfalls von Hand gefertigt, direkt aus Afrika beschafft. Das ist Saskia Lageman wichtig.

Sie hatte ein Geschäft für afrikanische Waren in Kronberg und ist heute auf Märkten präsent. „Für die Kunden ist es wichtig zu wissen, wo die Waren herkommen“, weiß sie. Und damit kann sie, wie auch die anderen Händler, punkten. „Ich kenne viele der Produzenten persönlich und habe ein Gesicht dazu.“

Bei den meisten Händlern ist der Verkauf von typisch afrikanischem Handwerk verbunden mit der Unterstützung von Projekten, im Senegal, in Tansania oder in Kenia. Auch Barbara Welkes Augen glänzen, wenn sie von ihrer politischen Arbeit im Weltladen Oberursel oder vom Förderverein erzählt, der sich einem Schulprojekt in Tansania angeschlossen hat. „Die Partnerschaft hat sich im Laufe der Jahre entwickelt, inzwischen haben wir viele Freunde dort.“ Ihre Enkelin Tabea Berger hat sie auch schon mit ihrer Begeisterung angesteckt. „Mir ist die Verbindung zu Afrika fast schon in die Wiege gelegt“, stellt die 20-Jährige fest. Sie war das erste Mal dort im Alter von sechs Jahren. „Ich finde es toll, dass es solche Veranstaltungen wie das Afrika-Festival gibt.“

Da ist sie einer Meinung mit Tafsirou Thioune aus dem Senegal, der an seinem Stand Lederarmbänder anbietet. Seit 1993 lebt er in Deutschland, heute in Bad Homburg. Auch, wenn nicht alles ganz authentisch ist – bunte Luftballons, Plastiktiere sowie Traumfänger aus Massenanfertigung sind Beispiele dafür – findet Tafsirou Thioune solche Veranstaltungen wichtig, um die jeweils andere Mentalität kennen- und verstehen zu lernen. „Ich habe heute fast nur deutsche Freunde.“ Und darauf ist er stolz. Auch darauf, dass die Afrika-Begeisterung nicht nur die Oberurseler erfasst hat, sondern im gesamten Hochtaunuskreis wirkt, wie beim Festival zu erkennen ist.

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