Postkarte vom Kumeliusplatz, heute Epinay-Platz, aus den 60er Jahren, Oberursel
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Postkarte vom Kumeliusplatz, heute Epinay-Platz, aus den 60er Jahren, Oberursel

50 Jahre Epinay-Platz

Darf’s ein bisschen mehr Grün sein?

  • Martina Jensong
    vonMartina Jensong
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Oberursel feiert am Wochenende 50 Jahre Epinay-Platz. Anlass, einen Blick zurückzuwerfen. Denn es gab einige Ideen für die Gestaltung des Platzes – und noch mehr Diskussionen.

Im Vergleich zum Oberurseler Marktplatz ist er geradezu ein Jungspund: der Epinay-Platz. Noch Anfang der 50er Jahre war dort nichts, oder genauer gesagt, hauptsächlich Wiese. Jahrzehnte später wünschte sich so mancher dieses Grün zurück. Es war nicht das einzige Thema, um das es heftige Diskussionen gab. Doch dazu später mehr.

Wer im Oberurseler Stadtarchiv nach den Anfängen des Platzes sucht, stößt auf einen Antrag der FDP-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahr 1953. Darin plädieren die Liberalen dafür, das „noch freie Gelände Holzweg – Kumeliusstraße – Feldbergstraße unbedingt freizuhalten, um es später für die Anlegung eines Stadtplatzes zu verwenden“. Nur wenige Jahre später nahm dieser Form an. 1960 wurde an der Seite zum Holzweg das Gebäude der Kreissparkasse eröffnet, das lange Zeit das Areal mitprägte – wie die vielen Autos, die dort tagein, tagaus geparkt wurden.

Denn über Jahre war der Platz, der seit 1965 Kumeliusplatz hieß, vor allem eines: ein großer Parkplatz. Feiern ließ sich dort trotzdem, wie das Jahr 1967 zeigte. Damals, am Osterwochenende vor 50 Jahren, erhielt der Platz seinen heutigen Namen. „Es lebe die Freundschaft zwischen unseren Städten“, sagte André Lesenne, Beigeordneter aus Epinay, bei der Taufe. Und Karlheinz Pfaff (SPD), damals Stadtkämmerer und später Oberurseler Bürgermeister, bezeichnete die Feier als „eine Demonstration für das vereinigte Europa“ – ein Gedanke, an den die für morgen geplante Kundgebung (siehe INFO) anknüpft.

Drei Jahre zuvor war die Städtepartnerschaft mit Epinay-sur-Seine begründet worden. Und die Oberurseler wollten mit der Benennung des zentralen Platzes ein Zeichen setzen, das dauerhaft an die Jumelage erinnern sollte. Es blieb keine einseitige Geste: Am 17. Juni 1967 wurde im Gegenzug der Place d’Oberursel in Epinay eingeweiht.

In den Jahren danach veränderte sich wenig am Erscheinungsbild des Platzes. 1987 nahm die Diskussion über eine Neugestaltung Fahrt auf. Die Stadtplaner Eduard Drumm und Wolf-Rüdiger Zahn hatten damals die Innenstadt offenbar im Auftrag der Stadt unter die Lupe genommen. Zu welchem Urteil sie kamen, lässt sich in einem Bericht der TZ nachlesen: „Der Epinay-Platz hat nach Ansicht der Planer trotz seiner neuen Asphaltdecke nichts von seinem diffusen Charakter verloren“, heißt es dort. „Vereinzelte Bäume wirken nicht einmal als Begrenzung. Zur Feldbergstraße hin verliert sich das Auge, einer der Hauptgründe, weshalb ein Platz als unangenehm empfunden wird.“

Es folgte ein

Architektenwettbewerb

, den 1988 das Darmstädter Architektenbüro Florian Fink und Jörg W. Reinwald für sich entscheiden konnte. Zu den Vorgaben der Stadt hatte gehört: Die Autos sollen unter die Erde, also in eine Tiefgarage.

Der Entwurf der Darmstädter sah unter anderem vor, dass über einen Graben an der Straße am Sparkassengebäude Tageslicht in die Garage fällt. Eine Teichanlage entlang dieses Einschnitts sollte den Platz auflockern. Im rechten Winkel zur Sparkasse hatten die Planer einen langgestreckten, flachen Bau vorgesehen, der mittels großer Glasfronten weitgehend transparent sein sollte. In der Mitte des Platzes stellten sich die Architekten einen kreisrunden Treppenaufgang vor, dessen Mitte ein großer Baum zieren sollte. Optimistisch sprach der damalige Bürgermeister Rudolf Harders (CDU) von einem Baustart im Jahr darauf. Doch bis sich am Platz etwas verändern sollte, verging fast ein Jahrzehnt. Die Pläne der Preisträger verschwanden in der Schublade.

1995 ging dann alles ganz schnell: Im Eilverfahren drückte der Magistrat mit Unterstützung von CDU, OBG und FDP im Parlament durch, dass die Taunus-Sparkasse an der Seite zur Feldbergstraße ein viergeschossiges Haus für ihre neue Regionaldirektion plus Wohnungen errichten darf. Und der Auftrag für Bau und Betrieb der Tiefgarage mit insgesamt 336 Plätzen ging an Bilfinger und Berger.

Gut 15,8 Millionen Mark waren für letzteres Projekt vorgesehen, die Stadt wollte sich mit maximal 6,8 Millionen Mark beteiligen. Die Opposition (SPD, Grüne und Wilo) war damals mehr als verärgert und sah sich „aller Mitwirkungsmöglichkeit beraubt“, da das Bauvorhaben in den Zuständigkeitsbereich der Stadtwerke fallen sollte. Die Kritik am dritten Parkdeck, das etwa von der SPD als überflüssig eingestuft wurde, bewahrheitete sich zunächst einmal. 2015 lag die Auslastung zwar bei 69 Prozent, allerdings hat die Tiefgarage im Vergleich zu den Parkhäusern Stadthalle und Altstadt deutlich kürzere Öffnungszeiten. Laut Stadtwerke ist die Zahl der Kurzparkvorgänge im vorigen Jahr um zehn Prozent gestiegen, was wohl auch mit dem Wegfall des Rompel-Parkplatzes zusammenhängt.

Doch zurück zu den Anfängen: 1996 begannen die Arbeiten für die Tiefgarage, der zentrale Platz verschwand erst einmal in einer riesigen Grube. 1700 Betonpfähle wurden gesetzt, rund 7500 Kubikmeter Beton und 330 Tonnen Stahl verbaut.

Bei der Eröffnung gut zwei Jahre später stach einigen Oberurselern erst einmal der „Splitter“ über dem Eingang zur Tiefgarage ins Auge. Zu extravagant, befanden manche. Andere waren geblendet, wenn die Sonne auf die hellen Betonplatten des Platzes knallte. „Aus einer Blechwüste wurde eine Steinwüste“, schrieb damals ein Oberurseler in einem Leserbrief.

Zwar hatte der damalige Baudezernent Eberhard Häfner bereits 1995 angekündigt: „Und Grün muss da hin.“ Viel wurde es allerdings nicht. Kleine Kugel-Ahorne rahmten schließlich den Platz ein, von denen bald schon einige kränkelten. Häfner war überzeugt: „Wirklich gute Plätze sind meistens steinern, das ist einfach so“, sagte er 1999 in einem Interview.

Die Jahre danach waren immer wieder von dem Wunsch nach mehr Grün geprägt, aber auch durch die Diskussionen um das alte Sparkassengebäude. Für das Gelände sollte ein Investor gefunden werden. Interessenten sprangen ab, aus dem Ziel, einen Kundenmagneten wie einen Elektronikmarkt für das Filetstück in der Innenstadt zu bekommen, wurde nichts. Der amerikanische Investor Sunrise erhielt schließlich 2004 den Zuschlag. Das Unternehmen baute für gut 25 Millionen Euro eine Seniorenresidenz (heute Kursana Villa).

Dem Epinay-Platz „mehr Leben einzuhauchen“, gab Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) 2006 als Ziel vor. Zudem sollte der Grünanteil größer werden – vor allem durch Pflanzbeete um die Bäume. Zunächst stellte sich die CDU quer, kritisierte die Planung als zu teuer. Schließlich einigte man sich auf einen Kompromiss. Nach der Neugestaltung hagelte es erneut Kritik. „100 000 Euro investiert – und alle sind entsetzt“ – war hierzu 2008 ein TZ-Bericht überschrieben. Die Stahleinfassungen der Blumenbeete wurden parteiübergreifend als grauslig und extrem gefährlich bezeichnet – Nachbesserungen folgten.

Wer heute über den Platz geht, sieht nach wie vor einen selten belebten Ort. Es sei denn, es ist Mittwoch und Markttag. Oder der Platz wird für Veranstaltungen genutzt, wie die Europa-Kundgebung am morgigen Samstag.

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