Eppsteiner Straße

Darum findet der Streit um die Bodensanierung kein Ende

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Die Altlastensanierung an der Eppsteiner Straße geht dem Ende entgegen. Trotzdem bleibt sie Diskussionsthema – zwischen der Stadt auf der einen und dem BUND auf der anderen Seite. Die Umweltschützer gehen mit den Verantwortlichen hart ins Gericht.

Die Arbeiten laufen hinter einem Hoftor in der Eppsteiner Straße, im Blickpunkt stehen sie dennoch – und das seit Jahren: Seit 2012 wird dort der Boden von Altlasten, leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) gereinigt, seit 2013 mit der Technik der sogenannten Dampf-Luft-Injektion. Bei diesem Verfahren wird Dampf über Injektionsbrunnen in den Boden gepresst, und die aufsteigenden Schadstoffe werden über Extraktionsbrunnen abgesaugt. Die Stadt und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sind noch immer darüber uneins, ob das die richtige Methode ist. „Ja“, meinen die Stadt und ihr beauftragter Projektsteuerer. „Nein“, sagen die Umweltschützer.

„Es sind kaum noch Schadstoffe im Boden“, hatte Dr. Volker Schrenk vom Projektsteuerer CDM Smith in der letzten Sitzungsrunde 2017 im Bauausschuss der Stadtverordnetenversammlung gesagt und angekündigt, die DLI könne im ersten Halbjahr 2018 abgeschaltet werden.

Das beruhigt den BUND aber keinesfalls. Er bezeichnet die Sanierung jetzt als „Experiment mit gesundheitsgefährdenden Nebeneffekten“, denn er sieht Gesundheitsgefahren durch Schadstoffbelastung in der Luft. Die Kritik, es sei ein „Experiment, will wiederum Oberursels Erster Stadtrat und Umweltdezernent Christof Fink (Grüne) so nicht stehen lassen. „Kein Experiment, sondern ein Sanierungsverfahren, das mittlerweile als Stand der Technik eingestuft werden kann“, sagt er. Die vom BUND bis heute bevorzugte Sanierungsmethode des Abbaus der Häuser und Auskofferns des Bodens sei bautechnisch kaum möglich.

Uneinig sind sich BUND und Stadt auch über die Belastung der Außenluft während der Sanierung. Sie sei „merklich angestiegen“, schreibt der BUND in einer von den Sprecherinnen des Arbeitskreises Altlasten, Cordula Jacubowsky und Dr. Claudia von Eisenhart Rothe, unterzeichneten Pressemitteilung. „Falsch“, meint Fink, Messungen hätten keinen kontinuierlichen Anstieg gezeigt. Im Bereich der Sanierungsfläche gebe es zeitweise leicht erhöhte Konzentrationen, Richt- und Eingriffswerte würden aber nicht überschritten. Für Interessierte sind die Messergebnisse auf einsehbar.

Glaubt man dem BUND, gibt es nicht nur „toxikologische Gefahren“ (siehe weiteren Text), sondern es seien auch „ingenieurtechnische Grundlagen missachtet“ worden. So fehlten zum Beispiel Regelkreise, um bei Störungen die Kontamination von Menschen in der Umgebung zu verhindern.

Auch das weisen die Verantwortlichen im Rathaus zurück – der BUND kenne den Aufbau der Anlage gar nicht. „Die Sanierungsanlage verfügt über eine permanente Online-Überwachung der Schadstoffkonzentration sowie des Sanierungs- und Behandlungsprozesses mit automatischer Notausschaltung“, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung aus dem Rathaus.

Die Sanierung kostet die Stadt eine Menge Geld. Bislang waren es im Jahr etwa 450 000 Euro gewesen, für 2018 bis 2020 wird mit jeweils rund 200 000 Euro gerechnet. Denn auch wenn in den kommenden Monaten die DLI abgeschaltet wird, stehen noch Nachsorgearbeiten an.

Etwa 2,6 Tonnen Gift wurden bislang aus dem Boden an der Eppsteiner Straße geholt. Zwischenzeitlich war die Menge der Altlasten aber wesentlich höher geschätzt worden. Verschiedene Zahlen standen im Raum, von bis zu acht Tonnen war einst die Rede gewesen. „Wo ist das restliche Gift geblieben?“, fragt der BUND, der fürchtet, es könnte zusätzlich ins Grundwasser verfrachtet worden sein. Das verneint die Stadt. „Die Grundwassermessstellen im Abstrom haben während der Sanierung keinen signifikanten Anstieg der Schadstoffbelastung im Grundwasser gezeigt“, sagt Fink. Diese habe schon vor der Sanierung „nachweislich auf einem vergleichbaren Niveau“ gelegen.

Und wie kommt nun die Differenz zwischen Schätzung und abgetragener Schadstoffmenge zustande? Umweltdezernent Christof Fink spricht von einer „Worst-Case-Betrachtung“, sprich einer Betrachtung des Schlechtmöglichsten. Diese Betrachtung lege nah, dass die Schadstoffmenge für das Gesamtgelände wohl überschätzt worden sei.

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