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Das gemeinsame Training schweißt sie zusammen

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Von: Manuela Reimer

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Im Jugendtreff U59 in Weißkirchen wird fortan regelmäßig mit Eldin Lugusic (Mitte) trainiert. Für mehr Bewegung und Spaß sorgt aber auch die gespendete Tischtennisplatte, über die sich die Jugendlichen und Leiterin Cemre Kilinc ganz besonders freuen.
Im Jugendtreff U59 in Weißkirchen wird fortan regelmäßig mit Eldin Lugusic (Mitte) trainiert. Für mehr Bewegung und Spaß sorgt aber auch die gespendete Tischtennisplatte, über die sich die Jugendlichen und Leiterin Cemre Kilinc ganz besonders freuen. © mrm

Der Jugendtreff U59 macht den Sport zu seinem Schwerpunkt. Rund 15 Jungen nutzen das Angebot bereits regelmäßig.

Weißkirchen - Lange hat der Jugendtreff U59 im Familien- und Begegnungszentrum Weißkirchen nach einem Schwerpunkt gesucht - jetzt steht fest: Es wird der Sport. "Sport verbindet, weckt den Teamgeist und fördert die psychische und die physische Gesundheit", sagt Cemre Kilinc, die die IB-Einrichtung im Alten Rathaus leitet. Während der Pandemie habe ein Jugendlicher auf der Wiese geboxt - was das Interesse der anderen geweckt habe.

Vor ein paar Monaten dann ist das neue Angebot gestartet, und inzwischen hat sich eine feste Gruppe zusammengefunden, die Sportfreunde Oberursel: Wer regelmäßig zum Trainieren in dem Raum im Obergeschoss des Familienzentrums vorbeikommt, gehört dazu und bekommt ein T-Shirt mit Aufdruck. "Es sind die kleinen Sachen", sagt Eldin Lugusic, der die Gruppe leitet - die Shirts, ein Schild an der Tür zum Sportzimmer -, die Zugehörigkeit und ein Gemeinschaftsgefühl schaffen sollen. Gleichzeitig soll das kostenfreie Angebot so niedrigschwellig wie möglich sein. Lugusic, der Jugendtrainer bei der Oberurseler Eintracht war, bevor ihn der Jugendtreff gewonnen hat, ist mit genauso viel Herz dabei wie Kilinc und ihr Team. "Die Jugendlichen können hierherkommen und Sport machen, statt auf der Straße rumzuhängen und auf dumme Gedanken zu kommen", sagt Lugusic. "Wenn die sich hier zwei Stunden ausgepowert haben, kommen sie auch nicht mehr auf die Idee, in die Stadt zu fahren. Wir wollen ihr Vorbild sein, nicht irgendwelche Kriminellen."

Lugusic macht dreimal pro Woche mit den etwa 15 Jungen - prinzipiell dürften auch Mädchen kommen - Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht, Ausdauertraining, Boxen, Sparring. Dabei bauen die Jugendlichen Stress ab. Gleichzeitig vermittelt der 42-Jährige Werte, die sowohl im Sport als auch im Leben wichtig sind: "Wir motivieren uns gegenseitig. Hier bereichert einer den anderen. Wenn du ein Problem hast, unterhalten wir uns, und du bekommst Unterstützung. Hier lernen sie auch, Konflikte erst mal mit Worten statt mit Gewalt zu klären", sagt Lugusic. Jeder werde respektiert, wie er sei: "Einer ist vielleicht besser in der Schule und kann einem anderen helfen. Einer kann Klavier spielen, ein anderer besser boxen." Die Gruppe sei eine familiäre Gemeinschaft für die Jugendlichen geworden.

Wettkämpfe geplant

Lugusic: "Toll wäre, wenn wir den Trainingsraum als festen Ort jeden Tag hätten. Es kommen sogar Jungs aus Oberstedten - wir hätten 30, 40 Jugendliche, wenn mehr Platz wäre."

Die Sportgruppe macht auch Ausflüge, berichtet Cemre Kilinc, was wichtig sei fürs Gemeinschaftsgefühl, wichtig wie die vertraute Umgebung im Jugendtreff. Später soll die Gruppe auch zu Wettkämpfen fahren: "Ziel ist, dass es Wettkämpfe zwischen den Einrichtungen gibt. Das wollen Jungs ja auch: sich messen. Und im Sport können sie es - mit Regeln und mit Grenzen. Sie können sich selbst spüren, aber auch empathisch sein."

Für Spaß und mehr Bewegung sorgt auch die neue Tischtennisplatte im Hof, die die Firmen Sahin Fahrdienst und Alfa Objektservice gespendet haben. Auch die T-Shirts der Sportfreunde sind gesponsert, von Copy Cobic, und alle hoffen, dass sich noch jemand findet, der die Ausstattung für den Trainingsraum wie Bodenmatten finanzieren kann.

Um die 15, 20, lange Zeit 25 Jugendliche kommen jeden Nachmittag in den Treff. Im Kern seien sie 14 bis 19 Jahre alt und männlich, sagt Kilinc, die nach einer Ausbildung im Einzelhandel Soziale Arbeit studierte und später berufsbegleitend den Master Diversität und Inklusion absolvierte. "Das war in Weißkirchen schon immer so. Die kultursensible Arbeit zieht mehr Jungsgruppen an, Sportangebote auch. Aber Mädchen sind sowieso ganz anders in der Entwicklung, sie sind zielorientierter, sie preschen vor."

Das Team im Treff sei "nah dran" an den Geschichten der Jugendlichen, sagt Kilinc, was sie sowohl auf die Kultur als auch auf den Migrationshintergrund bezieht. "Man bringt bestimmte Normen und Werte mit, was den Umgang untereinander angeht, wie man Respekt definiert, wie das Rollenverständnis aussieht. Wir wissen, wo die Hemmschwellen sind und woran es mal scheitert, wir können uns in sie reinfühlen", erklärt Kilinc. "Wir versuchen, Dinge hier aufzubrechen, die sie zu Hause mitbekommen: Ich lasse die Jungs hier auch mal Wäsche aufhängen oder die Spülmaschine einräumen."

Allein: Der Fachkräftemangel im Sozialbereich hinterlässt auch im Jugendtreff seine Spuren. Jüngst mussten die Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Kilinc ist die einzige Vollzeit-Fachkraft, am Nachmittag unterstützen sie eine 450-Euro-Kraft und eine Betreuungshelferin mit 20 Stunden, eine weitere Fachkraftstelle ist schon länger ausgeschrieben. Kilinc hofft, dass sich jemand findet: "Wir sind unverzichtbar für die Jugendlichen." Das habe auch die Stadt gemerkt, als die Einrichtung vor zehn Jahren aus Geldmangel geschlossen werden sollte: "150 Jugendliche haben dagegen demonstriert."

Ferienprogramm mit vielen Ausflügen

Der Jugendtreff U 59 im Oberurseler Stadtteil Weißkirchen (Urselbachstraße 59) bietet ein Sommerferienprogramm an: In den ersten drei Ferienwochen stehen jeweils von Montag bis Freitag Aktivitäten und Ausflüge für alle, die zehn Jahre oder älter sind, auf dem Plan. Die Jugendlichen fahren gemeinsam in den Kletterwald, ins Freibad, in die Frankfurter City, zum Schwarzlicht-Minigolf, ins Autokino, ins Museum Experimenta, in den Zoo und Palmengarten. Außerdem wollen sie zusammen kochen, backen und Cocktails trinken. Treffpunkt für die Ausflüge ist um 9.30 Uhr im Jugendtreff, einige Aktivitäten beginnen aber auch erst am Nachmittag oder abends. Teilweise fällt Eintrittsgeld an. Zum Abschluss ist für Freitag, 12. August, 20 Uhr, ein Open-Air-Kino am Jugendtreff in Zusammenarbeit mit dem Verein Kunstgriff geplant. In den letzten drei Ferienwochen hat der Jugendtreff geschlossen. Anmeldungen für das Ferienprogramm sind noch möglich. Weitere Infos per E-Mail an jugendtreff-weisskirchen@ib.de, Telefon (0 61 71) 28 49 71 oder (0151) 50 65 68 49.

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