Austellung in Oberursel

Degas auf heute übertragen – und die Frau steht Modell

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„Gemeinsam für Kultur, Musik und Kunst im Krankenhaus“ lautet das Motto der Kooperation der Oberurseler Dr.-Dildei-Stiftung mit der Klinik Hohe Mark. Das erste Projekt ist die Ausstellung „Retrospektive – 15 Jahre Dr.-Dildei-Stiftung“.

Man muss schon genau hinsehen, um den Bären zwischen den Felsen zu entdecken. Doch der Wanderer ist völlig unbekümmert. Er hat das Tier, das vor sich hin döst, nicht bemerkt. „Illumination“ ist ein 2,50 mal 2 Meter großes Ölgemälde des Künstlers Joe Sracic. Sracic ist seit 2007 Meisterschüler von Jörg Immendorff und gehört zu den sieben hochkarätigen Künstlern, die derzeit ihre Werke in der Klinik Hohe Mark zeigen: Alexander Salivontschik, Angel Peychinov, Stehn Raupach, Joe Sracic, Thorben Eggers, Patric Colling und Christian Seidler haben eines gemeinsam: Sie waren oder sind Stipendiaten der Oberurseler Dr.-Dildei-Stiftung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, junge Künstler zu fördern.

„Anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Stiftung haben wir gemeinsam diese Kunstschau organisiert“, berichtet Gottfried Cramer, Sprecher der Klinik Hohe Mark. „Wir wollen die jungen Künstler, die Meisterschüler entweder am Frankfurter Städel oder der Kunstakademie Düsseldorf sind, bekannter machen“, so Cramer.

Es sind beeindruckende Arbeiten, die in den Klinikfluren an den Wänden hängen. So zeigt Angel Peychinov ebenfalls große Bildtafeln, vorwiegend Porträts in Öl. Es sind intensive Arbeiten. Dramatisch im Ausdruck ist seine Serie, für die seine Frau Modell gestanden hat „Ich habe mich von bekannten Werken großer Meister wie Edgar Degas oder Caravaggio inspirieren lassen, aber diese in die heutige Zeit übertragen“, erzählt er. So zeigt seine in Anlehnung an Degas entstandene Interieur-Szene seine Frau – erschöpft am Bügelbrett stehend.

Impressionistische Naturszenen im Großformat mit Lichtspielen in Wäldern oder Parklandschaften gehören zu Alexander Salivontschiks Sujets. Joe Sracic zeigt außer seinem Wanderer auch überspitzte Porträts, wie das eines Clowns, aber mit Gruselfaktor.

Stehn Raupach kombiniert Muster und Ornamente, die an Tapeten erinnern, mit Möbeln: Auf seinen große Leinwänden öffnen sich in der Mitte der floralen Muster ovale Fenster und zeigen einen Stuhl. Abstrakte Kompositionen, die mit ihren Spuren und Schichten zwar gemalt sind, aber wie gedruckt wirken, steuert Christian Seidler zur Retrospektive bei. Thorben Eggers malt in Öl und mit Lack kleinere Formate, die mit feinsinnigen Details aufwarten. Seine Werke geben Ausschnitte verschiedener Welten frei, wie das Bild „Sky“, das ein zartblaues und weißes Himmelsquadrat einfängt, eine Art Momentaufnahme eines Himmelsgefühls. Die Sparte „Ästhetische Fotografie“ vertritt der Künstler Patric Colling. Auf seinen nächtlichen Stadtszenen geht es um Lichter und Reflexe sowie um Kontraste.

Das Konzept der neuen Kooperation der Klinik mit der Oberurseler Dr.-Dildei-Stiftung basiert auf der Idee, über Kunst oder Musik Menschen zusammenzubringen. „Denn Kunst hat ja auch eine gesellschaftliche und soziale Relevanz und schafft Verbindungen“, so Cramer. Zunächst seien zwei gemeinsame Veranstaltungen pro Jahr geplant: eine am Anfang des Jahres und eine im Herbst.

Die Retrospektive ist bis kommenden Donnerstag täglich von 15 bis 17.30 Uhr in der Klinik Hohemark zu sehen. Am Freitag sind die Künstler von 10 Uhr an anwesend, um beim Abbau der Werke mit Besuchern über ihre Kunst zu sprechen.

(ksp)

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