Klaus Hartmann-Jahn gratuliert mit einem Plakat an seiner Hofeinfahrt der neuen Bürgermeisterin Antje Runge. Nachdem die Besetzung des Chefpostens im Rathaus geklärt ist, gehen die Parteien daran, Koalitionen zu schmieden. Das ist gar nicht so einfach. Foto: jens Priedemuth
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Klaus Hartmann-Jahn gratuliert mit einem Plakat an seiner Hofeinfahrt der neuen Bürgermeisterin Antje Runge. Nachdem die Besetzung des Chefpostens im Rathaus geklärt ist, gehen die Parteien daran, Koalitionen zu schmieden. Das ist gar nicht so einfach.

In Oberursel steht jetzt alles auf Null

Der Wahlsieg von Antje Runge (SPD) macht die Suche nach einer stabilen Koalition nicht leichter

Jens Uhlig hat es gestern auf den Punkt gebracht. "Es erwarten uns nun schwierige Koalitionsgespräche", hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende analysiert, nachdem die Wahl von SPD-Bewerberin Antje Runge zur Bürgermeisterin von Oberursel feststand, die sich knapp gegen Carsten Trumpp (CDU) durchgesetzt hatte.

Ähnlich bewerten das auch die anderen politischen Parteien in Oberursel. Die SPD hatte schon vorab angekündigt, ihrer Bürgermeisterin im Falle eines Wahlsiegs Rückendeckung geben zu wollen, indem man sich an einer Regierungskoalition beteilige. Auch für die CDU ist eine Koalition essenziell. Schließlich möchte man gerne neben Runge als Bürgermeisterin und Christof Fink (Grüne) den dritten Hauptamtlichen im Magistrat stellen, Für die Grünen, die bei der Kommunalwahl deutlich zugelegt haben, geht es auch darum, ihren Ersten Stadtrat abzusichern, der in drei Jahren zur Wiederwahl steht. Kurzum: es ist eine etwas unübersichtliche Gemengelage, die es nun aufzudröseln gilt.

Eine Koalition hat die CDU alleine mit der AfD ausgeschlossen. Rein rechnerisch langt es nur mit den Grünen für ein Zweierbündnis, für alle anderen Konstellationen wäre eine Koalition mit mindestens drei Parteien notwendig.

Eine Koalition mit einer Stimme Mehrheit - das wäre für die Grünen kein Problem, unterstreichen die beiden Sprecher Christina Herr und Wolfgang Schmitt. Es sei alles eine Frage der Vereinbarung, sagt Schmitt. Denn als Gewinner der Kommunalwahl wolle man selbstverständlich auch an einer Regierungskoalition beteiligt sein. "Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir gute Ideen haben, jetzt wollen wir sie auch umsetzen", ergänzt Herr. Zudem sei es Brauch, dass die Grünen nach einer Wahl mit allen Parteien - außer der AfD - sprechen, das werde man natürlich auch diesmal tun.

Fraglich ist, ob sich die CDU erneut auf ein Bündnis mit einer Stimme Mehrheit einlassen will. Schließlich hat es bei der letzten Stadtratswahl, bei der Thorsten Schorr (CDU) zum Ersten Stadtrat gewählt werden sollte, zwei U-Boote gegeben, die für Fink gestimmt hatten. Hier wäre der CDU ein breiteres Bündnis sicherlich lieber. Dann aber wäre Schwarz-Grün nur schwer umsetzbar, man müsste um eine Unterstützung einer dritten Partei nachsuchen, die die Koalition im Bedarfsfalle absichert. Aber das hätte einen politischen Preis.

Als potenzieller Koalitionspartner für die CDU fällt als erstes die SPD ein. Das Bündnis hat allen Widerständen zum Trotz die Wahlperiode gehalten. Doch es fehlt noch ein dritter Partner, bei dem es sich möglicherweise um die FDP handeln könnte. "Wir wollen regieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen", sagt die Liberalen-Vorsitzende Katja Adler. Ob schwarz-rot-gelb oder aber auch grün-rot-gelb, so die denkbaren Konstellationen mit FDP-Beteiligung, da habe man keine Präferenzen. Mit Ausnahme der AfD und den Linken gebe es keine unüberbrückbaren Differenzen. "So lange wir uns bei den Gesprächen in die Augen schauen können, dann passt das. Es geht ja um Oberursel", so Adler.

So sieht man das auch bei der OBG. "Wir wollen ja Oberursel voranbringen", sagt Andreas Bernhardt. Und das gehe nur, wenn man auch mitregiere. Allerdings sei die OBG erst einmal nur Zuschauer. Zunächst sei die CDU als stärkste Kraft am Zug, nach einer Mehrheit zu suchen. Wenn man dann auch auf die OBG zukomme, sei alles eine Frage des Kompromisses.

Bei den Koalitionsgesprächen werden die Linken kaum eine Rolle spielen. Für den Fraktionsvorsitzenden Ingmar Schlegel ist das kein Problem. "Ich freue mich über Antje Runges Sieg", sagt er, denn sie habe ein sehr sozial geprägtes Wahlprogramm vertreten, bei dessen Umsetzung die Linken sie unterstützen wollen. Er selbst würde statt auf feste Koalitionen eher auf wechselnde Mehrheiten setzen. "Das ist auch der Wählerwille, der die CDU zur stärksten Fraktion gewählt, den Grünen satte Gewinne beschert und die SPD den Bürgermeisterposten hat erobern lassen. Der CDU wolle er als stärkster Kraft den dritten hauptamtlichen Magistratsposten zugestehen. "Das steht ihr als stärkster Fraktion zu."

Ganz sicher in der Zuschauerrolle ist die AfD. Fraktionschef Peter Lutz: "Mit einer SPD-Bürgermeisterin habe ich im Prinzip kein Problem. Wir haben ja auch mit Amtsinhaber Hans-Georg Brum gut zusammengearbeitet. Er sei aber gespannt, wie es dann in der Realität aussehe.

Neu im Parlament ist die Klimaliste. Die gewählte Stadtverordnete Claudia von Eisenhart Rothe begrüßt die Wahl einer Frau ins Bürgermeisteramt. Eine Unterstützung will sie aber vor allem von der Umsetzung ökologischer Themen abhängig machen. Das Wahlprogramm sei vielversprechend gewesen, "aber wir werden die Bürgermeisterin daran erinnern, wenn sie sich nicht daran hält".

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Elenor Pospiech hatte am Wahlabend die Situation treffend beschrieben: "In Oberursel steht jetzt alles auf Null." Es wird in den nächsten Tagen und Wochen spannend werden, denn am 29. April tritt die neue Stadtverordnetenversammlung zusammen. Bis dahin sollte das Bündnis, wie auch immer es aussehen wird, stehen.

Alexander Wächtershäuser

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