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Deutlich weniger Restmüll

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Von: Martina Jensong

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Gut ein Jahr nach Einführung der Biotonne haben die Stadt und ihr Betrieb Bau und Service Oberursel gestern Bilanz gezogen. Sie fiel positiv aus. Allerdings landet immer noch relativ viel organischer Abfall im Restmüll.

Was gab es für Befürchtungen und Ängste, als 2015 die Biotonne in Oberursel eingeführt wurde. Inzwischen haben sich die meisten Oberurseler mit dem neuen Sammelbehälter vor ihrem Haus angefreundet oder, besser gesagt, arrangiert. Die Stadt und ihr Betrieb Bau und Service Oberursel (BSO) jedenfalls werten die Einführung der Biotonne als Erfolg.

Gestern stellten Nicola Frommknecht und Klaus Maier vom BSO im Rathaus erste Untersuchungsergebnisse nach einem Jahr Praxis vor. Zum einen wurde ermittelt, was sich durch die Biotonne beim Restmüll verändert hat. Außerdem gab es im Dezember eine Telefon-Umfrage bei zufällig ausgewählten Oberurseler Bürgern. Sie wurden anderem gefragt, ob sie mit dem derzeitigen Leerungsrhythmus der Tonnen zufrieden sind (siehe ZUM THEMA).

Bei der Umfrage gaben 87,9 Prozent der Befragten an, die Biotonne regelmäßig zu nutzen. Was kaum verwundert, da es eine sogenannte Pflichttonne ist. Die Oberurseler hatten also – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht die Wahl, ob sie den Sammelbehälter nehmen wollen oder nicht.

Die flächendeckende Einführung – 96 Prozent der Haushalte sind angeschlossen – ist laut Frommknecht mit ein Grund dafür, dass im Vergleich zu 2014 knapp 3800 Tonnen weniger Restmüll angefallen sind, was einer Reduzierung um fast 40 Prozent entspricht. „Wir haben also aus dem Stand einen guten Schnitt erreicht“, freut sich Frommknecht. „Und das, obwohl wir mit dem extrem heißen Sommer keine guten Bedingungen hatten“, fügt Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) hinzu.

Und nicht nur das: Auch bei der Mülltrennung generell sind die Oberurseler offenbar gewissenhafter vorgegangen als zuvor. Denn zum Beispiel landeten im Vergleich zu 2014 auch weniger Papier, Kunststoffverpackungen und Glas im Restmüll.

Das ist das Ergebnis der Untersuchung des Witzenhausen-Instituts, das den Restmüll aus Oberurseler Haushalten auch schon vor der Einführung der Biotonne stichprobenartig untersucht hatte. Jetzt wurde der Abfall erneut vor der Abfuhr – aus nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewählten Gebieten (dörfliche Struktur/Blockbebauung/Hochhäuser) – eingesammelt und in seine Bestandteile zerlegt.

Was bei dieser Untersuchung aber auch herauskam: Es befinden sich darin immer noch 50 Prozent Wertstoffe, also Bioabfall, Papier, Glas und Kunststoffverpackungen, die über die entsprechenden Tonnen und Behälter entsorgt werden könnten. Über mehrere Kampagnen wollen BSO und Stadt die Bürger für das Thema sensibilisieren. Gerade in großen Wohnanlagen bestehe noch Informationsbedarf, so Frommknecht. Hier will der städtische Betrieb Vermieter und Wohnungsgesellschaften mit Handzetteln beziehungsweise Broschüren in mehreren Sprachen ausstatten, die dann an die Mieter weitergegeben werden sollen. Darin wird dann zum Beispiel auch klar gemacht, dass Fleischabfälle und Knochen in die Biotonne gehören, weil das die „hochkalorischen Abfälle sind“, mit denen viel mehr Biogas erzeugt werden könne als mit Salatblättern, wie Frommknecht erläutert. Kurz gefasst bringt sie das auf die Formel: „Wir wollen Ihr Schnitzel.“

Von der Biotonne hat sich die Stadt auch eine deutliche Reduzierung der Müllentsorgungskosten versprochen – was, wie berichtet, mit einer Gebührensenkung im vorigen Jahr verbunden war. Wie hoch die Ersparnis 2015 ausgefallen ist, konnten BSO und Stadt gestern nicht beziffern. Grundsätzlich spare die Stadt pro Tonne organischer Abfall, der statt über die Restmüll- über die Biotonnen entsorgt wird, circa 140 Euro, war zu erfahren.

Die Einführung der Tonne war mit einigen Kosten verbunden: Die 10 900 Bioabfallbehälter, die für Oberursel angeschafft wurden, schlagen mit 244 000 Euro zu Buche. Hinzu kommen 83 000 Euro für die Verteilung der Tonnen, Öffentlichkeitsarbeit und Ähnliches.

„Das waren einmalige Kosten“, hebt Bürgermeister Brum hervor. Auf die Frage, ob die Gebühren stabil bleiben oder eventuell noch einmal gesenkt werden, meint Klaus Maier: Wenn das Sammelergebnis so bleibe, müsse die Gebührenschraube aller Voraussicht nach nicht nach oben gedreht werden. „Jeder Bürger hat es also selbst in der Hand.“

(mj)

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