Auch Oberursels STadthalle könnte wieder öffnen foto: Jochen Reichwein
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Auch Oberursels STadthalle könnte wieder öffnen

Oberursels Bewerbung ist auf dem Weg

Die Stadt will nach dem Vorbild Tübingens Geschäfte und Gastronomie öffnen

Von Alexander Wächtershäuser

Alle wollen Modellstadt werden. Wiesbaden hat sich beworben, Bad Homburg will es werden und nun auch Oberursel. Noch am Donnerstag hat die Stadt eine entsprechende E-Mail in die Landeshauptstadt geschickt. Der Inhalt: In Oberursel soll das Tübinger Modell getestet werden. "Ich denke, wir haben gute Chancen, dass das klappt", sagte Bürgermeister Hans Georg Brum (SPD).

Das Tübinger Modell setzt auf eine freiwillige Testung der Bürger. Im Gegenzug dafür bekommt die Testperson im Fall eines negativen Ergebnisses ein Zertifikat oder einen Tagespass, mit dem in Oberursel eingekauft oder Gaststätten besucht werden können.

Zwar stehen die Regularien für eine solche Modellstadt noch nicht fest, doch der Rathaus-Chef glaubt die Brunnenstadt für alle Fälle gewappnet. Alles stehe und falle mit den Testreihen, so Brum. Schon jetzt seien große Kapazitäten in Apotheken oder über das Ärztenetzwerk verfügbar. Hinzukommen müsse noch ein großes Testzentrum in Innenstadtnähe, betont Brum. Dafür hat die Verwaltung die Stadthalle und den Rathausplatz ins Auge gefasst. "Die Lage wäre ideal", sagt Brum und zählt auf: "In der Innenstadt, die Stadthalle kann ohnehin nicht genutzt werden, ein Parkhaus in unmittelbarer Nähe und das Rathaus bei administrativen Fragen nebenan." Für das Betreiben eines Testzentrums liegen der Stadt bereits Bewerbungen vor. "Wir würden es aber gerne mit einem örtlichen Träger wie dem DRK machen", sagt Brum.

Für Oberursel wäre eine Aufnahme als Modellstadt von immenser Bedeutung, unterstreicht der Bürgermeister. Die Situation für viele Betriebe und Händler sei prekär. Es gebe viele Inhaber geführte Geschäfte, die auf diese Öffnungen angewiesen seien. Schließlich habe der Handel ohnehin schon aufgrund seiner Randlage im Ballungsraum Frankfurt gegen große Konkurrenz zu kämpfen. "Da dürfen wir nicht weiter zurückfallen", so Brum.

Beim Fokus O. will man ebenfalls die Gelegenheit beim Schopf ergreifen. "Wir begrüßen die Initiative sehr", sagt der Vorsitzende des Selbstständigenforums Reiner Herrmann. Deshalb wolle sich der Fokus O. auch aktiv einbringen. Derzeit überlege man, ob die Säule Gesundheit in leerstehenden Ladenräumen weitere Testzentren einrichten könne. "Wir arbeiten hier Hand in Hand, um eine Rückkehr zu einer gewissen Normalität wieder ermöglichen zu können", so Herrmann.

Unterstützung signalisiert auch Dehoga-Chef Thoma Studanski. Allerdings sagt er auch: "Hauptsache gesund. Wir können wirklich erst öffnen, wenn Gäste und Personal sicher sind." Die derzeit wieder stark anzeigenden Infektionszahlen lassen ihn zweifeln, ob tatsächlich eine baldige Öffnung wieder möglich sein wird. "An den Gastronomen wird es aber nicht liegen", sagt er, "zur Not rücken wir die Tische noch ein Stückchen weiter auseinander."

Studanski sieht aber auch eine Reihe weiterer offene Fragen, die es dringend zu klären gilt, etwa in Sache Kontrolle. Zum Beispiel brauche man einheitliche Standards für den Tagespass. Und ebenso wichtig: Wer soll das kontrollieren? "Ich bin kein Polizist", sagt Studanski. "Wie soll ich denn mit Maskenverweigerern und Impfgegnern umgehen, die das Zertifikat nicht vorweisen können, aber dennoch mein Lokal betreten wollen?" Die Stimmung sei schließlich schon jetzt extrem gereizt.

Auch wenn der Antrag für die Modellstadt bereits gestellt ist, gibt es also noch viele Fragen, die es in den nächsten Tagen zu klären gilt. Rathaus-Chef Brum rechnet damit, dass die Stadt einen Vorlauf von etwa zehn Tage brauche, um alle Vorgaben umzusetzen, spätere Kurskorrekturen im laufenden Betrieb nicht ausgeschlossen. "Das haben wir auch während der Flüchtlingswelle so gehandhabt und sind damit gut gefahren."

Alexander Wächtershäuser

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