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Brunnenfest in Oberursel

Eine Königin zum Anfassen

Keine Frage, das Brunnenfest ist das wichtigste Ereignis der Regentschaft von Nadine I. und Brunnenmeister Christian. Die TZ begleitete die „Königin ohne Schloss“ beim Gang durch die Altstadt. Dabei gab es eine Premiere.

Von CARLA MARCONI

Maria schaut mit großen Augen zur Brunnenkönigin: auf die Schärpe, die Krone, die Frisur, das blauweiße Dirndl. „Sie hat so ein schönes Kleid an“, gerät die Sechsjährige ins Schwärmen und kann ihren Blick nicht von Nadine I. wenden. Diese geht in die Hocke, um sich besser mit dem Mädchen unterhalten zu können, doch die Kleine bekommt kein Wort heraus. Dafür fragt ihre Mutter nach einem Autogramm, das die Brunnenkönigin beim Gang übers Brunnenfest bereitwillig verteilt. Dann werden Fotos gemacht und Nadine lächelt in die Kameras, reihum blickt sie in die Runde und lässt sich ablichten. Ganz der Profi.

„Am Anfang ist es mir etwas schwer gefallen, vor allem bei der Inthronisation, aber mittlerweile mache ich das ganz automatisch“, erzählt die sympathische junge Frau. Sie scheint die Ruhe weg zu haben, lässt sich von der Entourage um sich herum nicht hetzen, strahlt eine freundliche Gelassenheit aus. Und sie nimmt sich Zeit, egal, ob ihr Gegenüber erwachsen ist oder nicht. Bei Fragen wie „Wohnst du in einem Schloss?“ und „Wurdest du als Prinzessin geboren?“ muss die 25-Jährige zwar schmunzeln, scherzt auch etwas mit den Kids, tut jedoch die Fragen nicht ab, sondern beantwortet sie gewissenhaft. Nein, sie sei nicht als Prinzessin geboren worden, sondern nur für ein Jahr zur Brunnenkönigin ernannt worden. Und auch jedes Orscheler Mädchen könne Königin werden. Außerdem wohne sie nicht in einem Schloss, sondern in einem Haus im Oberurseler Norden.

Und in diesem Teil der Stadt hat Nadine I. mit ihrem Ehemann und Brunnenmeister Christian auch „ihren“ Brunnen eingeweiht. „Wir wohnen im Norden und wollten auch gerne hier einen Brunnen finden“, erzählt sie bei der Einweihung am Samstagvormittag vor rund 100 Gästen. Der Auserwählte steht am Haus am Urselbach und „ich habe mich sofort in ihn verliebt“, verkündet die Brunnenkönigin in ihrer Rede. „Es ist ein klassischer, kleiner Springbrunnen, mit edler Optik und hübscher Bepflanzung“, schwärmt sie.

Die Umstehenden nehmen es ihr ab, wenn sie sagt, dass die Einweihung „der besondere Moment in ihrer Regentschaft ist“, auf den sie sich bereits seit Wochen freut. Und die Zuschauer sehen darüber hinweg, wenn sie sich beim Vortragen ihres Textes verhaspelt und ganz charmant sagt: „O.k., nochmal“, bevor sie den Satz dann lachend wiederholt. Ebenso unverkrampft wirkt sie, als sie Apfelwein aus ihrem Brunnenfest-Bembel in den Brunnen gießt und brav für die Fotografen posiert. „Langsam, ganz langsam und bitte das Ganze noch einmal“, fordern diese sie auf. Und die 25-Jährige lächelt geduldig weiter.

Eine beruhigende Wirkung auf sie scheint auch der Brunnenmeister zu haben, der meist einen Schritt hinter ihr steht, sie jedoch hier und da berührt, anlächelt oder einfach da ist, eine Stütze und „derjenige, der die Bembel tragen muss“, sagt er lachend. Er schleppt nämlich einen prall gefüllten Korb mit sich – sowohl bei der Einweihung als auch über das Brunnenfest – in dem sich die Bembel-Präsente der Königin befinden.

„Bekomme ich einen Bembel?“, fragt die 76-jährige Edith Lange, die Nadine beim Gang durch die Altstadt anspricht. Nein, den gebe es lediglich zu kaufen, erläutert die Brunnenkönigin lächelnd. Dafür bekommt die Dame eine Autogrammkarte. Sie habe bereits von allen Brunnenköniginnen eine. „Von dir will ich auch eine“, fordert Edith Lange den Brunnenmeister auf, der ganz erstaunt ist und erst einmal suchen und unterschreiben muss. „Es ist das erste Mal, dass mich jemand nach einem Autogramm fragt“, freut er sich.

Gleichzeitig beteuert er jedoch, dass es ihm nichts ausmache, die zweite Geige zu spielen und im Schatten seiner Frau zu stehen. Er sei stolz auf sie. Ebenso wie die Eltern, die Nadine auf dem Brunnenfest begleiten. „Es ist schön, unsere Tochter so zu erleben. Sie macht das total souverän“, sagt Vater Harald Biersack.

Er fotografiert fleißig, wenn sich seine Tochter unerschrocken auf ein Bobby-Car setzt und einen Hügel hinabfährt oder mit anderen Kindern einen Mini-Garten pflanzt und sich vom sechsjährigen Yannik zeigen lässt, wie das funktioniert. Sie fachsimpelt mit dem fünfjährigen Julian, einem BVB-Fan, über Fußball und will sich als Eintracht-Fan unbedingt mit einem Jungen, der ein Darmstadt-Trikot trägt, fotografieren lassen.

Beim Gang durch die Altstadt gratuliert man ihr ständig, überall zeigen Kinder auf sie oder Eltern, die erklären: „Guck mal, da ist unsere Brunnenkönigin.“ Und sie winkt, schüttelt Hände, lächelt, nimmt sich immer wieder Zeit für ein kleines Gespräch.

Beim Rotary-Club wird es Zeit für eine Pause. Doch auch hier ist erst einmal Reden angesagt, Hände werden geschüttelt, ein Foto gemacht. Dann endlich kann sich Nadine setzen und einen Erdbeerkuchen genießen, bevor sie die Stände der anderen Vereine besucht.

Und wie lange war der Abend? „Wir haben uns so gegen 23 Uhr auf den Heimweg gemacht, wobei die Zeit wie im Flug vergangen ist“, sagt Nadine I. Und bei aller Anstrengung habe es Riesenspaß gemacht.

Zum Abschluss des Brunnenfests gibt es heute Abend ein großes Feuerwerk, das gegen 22.30 Uhr beginnt.

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