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Eine Oberurseler Schulgemeinde renoviert

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Von: Manuela Reimer

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Die Schülerin Salome Rosenberg (auf der Leiter) und ihre Schwester Noomi bringen ein Apartment im Wohnheim der Ketteler-La-Roche-Schule in Schuss. Es soll künftig Flüchtlinge aus der Ukraine beherbergen.
Die Schülerin Salome Rosenberg (auf der Leiter) und ihre Schwester Noomi bringen ein Apartment im Wohnheim der Ketteler-La-Roche-Schule in Schuss. Es soll künftig Flüchtlinge aus der Ukraine beherbergen. © jp

Studenten, Lehrer, Hausmeister - an der Ketteler-La-Roche-Schule packen alle mit an, um das Wohnheim für Flüchtlinge aus der Ukraine herzurichten. Eine Tradition wird fortgesetzt.

Oberursel - "Man tut hier etwas Gutes. Man kann sich doch mal einen Nachmittag nehmen für andere Menschen", sagt Noomi Rosenberg (21), die am Freitag an der Spüle des kleinen Küchenblocks der Ein-Zimmer-Wohnung im zweiten Obergeschoss steht, und greift zum Schwamm. Dann wäscht sie die Gemüseschublade des Einbaukühlschranks aus, während Schwester Salome sich die Fensterscheiben des Apartments vornimmt, durch die man auf den Campus der Ketteler-La-Roche-Schule in Oberursel blickt.

Zwei Stühle sind schon drin und im kleinen Badezimmer hängen frische Handtücher, ansonsten ist die Wohnung noch leer. "Wenn man hier etwas macht, bekommt man wirklich auch mit, dass etwas passiert", meint Studentin Noomi. Die junge Oberurselerin legt im Sommer ihre letzte Prüfung ab.

Die elf freien Wohnungen im Wohnheim ihrer Schule am Maasgrund, die eigentlich angehenden Erzieherinnen wie Noomi Rosenberg vorbehalten sind, werden dann längst fertig gestrichen, geputzt und möbliert sein; leben werden dort Frauen, Kinder und Familien, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind.

"Als der Flüchtlingsstrom losging, haben wir gedacht: Wir müssen etwas tun", berichtet Regina Lischka, die die staatlich anerkannte private Fachschule für Sozialwesen, Fachrichtung Sozialpädagogik, und Höhere Berufsfachschule für Sozialassistenz gemeinsam mit Ursula Meurer leitet. Spontan sei das Kollegium dann auf die Idee gekommen, alle aktuell leerstehenden Apartments im Wohnheim auf Vordermann zu bringen und Geflüchteten zur Verfügung zu stellen. "Das ist nichts Modernes. Aber besser als eine Turnhalle", meint Meurer. Vor allem für Familien: Zwei der Wohnungen verfügen über jeweils drei Zimmer, der Rest sind Einzelapartments.

Das Wohnheim mit insgesamt 27 Unterkünften stammt aus den Fünfzigern; Geld habe man zuletzt nicht mehr reingesteckt, vor allem nicht in die leerstehenden Räume - wie berichtet, plant die Schule den Umzug in einen Neubau im Quartier Neumühle in Stierstadt.

Beim Bistum offene Türen eingerannt

Beim Schulträger, dem Bistum Limburg, rannte die Leitung offene Türen ein: Als Soforthilfe flossen 5000 Euro für die Renovierung, also Farben, Putzmittel, Sanitärarbeiten und erste Anschaffungen, den Rest erledigen die beiden Hausmeister, die Lehrer und die rund 300 Studenten in Eigenleistung.

Wer helfen möchte, konnte sich in Listen eintragen, die im Foyer hängen: "Die Lehrer machen nach dem Unterricht alle mit. Und die Klassen auch: Manche beim Renovieren und Putzen, andere haben bei den Möbelhäusern im Umkreis angerufen, vor allem wegen Betten und Matratzen. Eine Klasse kauft die Hygieneartikel für die Apartments", freut sich Schulleiterin Lischka. Auch eine Spendenaktion sei ins Leben gerufen worden für Essen und Medikamente, die direkt in die Ukraine gefahren wurden.

In diesen Tagen sollen die Wohnungen fertig sein. "Dann setzt sich das Bistum mit der Stadt in Verbindung, über die die Belegung läuft", informiert Lischka. Erste Anfragen gebe es bereits. Wenn die Geflüchteten eingezogen sind, ist eine Zusammenarbeit mit der Caritas Hochtaunus vorgesehen. "Die Caritas nimmt auch Menschen auf, im früheren Schwesternhaus nebenan. Sie werden dann auch hier bei uns ihre Migrationsberatung anbieten", berichtet die Schulleiterin.

Bleiben können die geflüchteten Menschen bis zum Umzug der Schule in etwa zwei Jahren, schätzt Lischka, die erinnert: "Die Ordensschwestern haben hier schon immer Flüchtlinge aufgenommen. Wir freuen uns, dass wir diese Tradition mit dem Bistum fortsetzen können."

Um die neuen Mitbewohner werden sich nicht nur die Caritas, sondern auch die angehenden Erzieherinnen kümmern: "Wir haben auch Studierende aus der Ukraine. Sie haben sich schon überlegt, was sie alles machen können", sagt Schulleiterin Meurer. Geplant seien unter anderem Vorlesestunden für die Kinder. Auch die Oberurseler seien sehr rührig, so Meurer. "Die Welle ist schon los gerollt. Uns wurden ganz viele Möbel angeboten." Bedarf bestehe erst einmal nicht mehr. Derweil streicht Aline Schmalbach-Cagliari gemeinsam mit Gabi Dannhauer ein anderes Apartment im zweiten Obergeschoss. "Wir tun, was wir können. Das betrifft uns alle - unsere Studierenden werden in den Kindergärten auch mit Kindern aus der Ukraine arbeiten", sagt Schmalbach-Cagliari. "Wohnraum ist das Wichtigste. Das brauchen die Menschen zuerst", so die beiden Lehrerinnen. Das Engagement sei für alle selbstverständlich. "Wir sind eine Multikulti-Schule. Auch die Studierenden aus Russland helfen mit", betont Schmalbach-Cagliari.

Dannhauer: "Die Situation ist so bedrückend, aber wenn wir hier die Wohnung frisch streichen, haben wir das Gefühl, etwas bewirken zu können. Wir unterstützen diese Menschen, die in der Ukraine auch für die Demokratie in Europa kämpfen."

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