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Eine Zukunft für die Schwächsten

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Von: Jochen Dietz

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Korb statt Plastik: Diese Körbe können am Wochenende auf dem Stierstädter Adventsmarkt erworben werden.
Korb statt Plastik: Diese Körbe können am Wochenende auf dem Stierstädter Adventsmarkt erworben werden. © privat

Verein Kenia Kinder Hilfe engagiert sich seit fast 20 Jahren in Langobaya.

Oberursel -Als er mit fünf, sechs Jahren ins Waisenhaus Langobaya kam, war der kleine Francis verschmutzt, voller Ekzeme, apathisch, verstört, krank, verwahrlost. Heute ist er Anfang 20, gesund, fröhlich, lebensmutig, geht zur Uni und studiert Lehramt für die Secondary School.

Genauso stellt sich die Mathilde Krücke die Entwicklung eines Kindes vor. Wenn es die Chance dazu bekommt. Im kommenden Jahr besteht die von ihr und ihrem Mann Lutz aus Weißkirchen gegründete Kenia Kinder Hilfe (KKH) seit 20 Jahren - und hat bereits vielen Kindern eine Zukunft gegeben. Auf einem 60 000-Quadratmetergrundstück war dank des Vereins ein Waisenhaus entstanden, in dem derzeit 36 Kinder leben. Langobaya liegt im Landesinneren, rund 40 Kilometer von Malindi am Indischen Ozean entfernt, wo der Verein sein kenianisches Basislager hat.

Seit 2012 betreibt die KKH auch einen Kindergarten in Langobaya, um die Kleinsten aus der Umgebung auf die Schule vorzubereiten. Ebenso gibt es eine Schneiderschule und auf dem vorhandenen Farmland werden die Kinder mit Landwirtschaft und Tierhaltung vertraut gemacht. Zudem gibt es einen Sportplatz, einen Nachhilferaum sowie eine Bibliothek. „Wir nehmen nur Kinder aus Elend und allerärmsten Verhältnissen vor Ort auf. Keine, die etwa zur Adoption freigegeben sind. Wir geben ihnen ein Zuhause und Bildung für ihre Zukunft. Die Bildung muss im Land bleiben“, stellt Mathilde Krücke klar und zeigt die Fotos mit ihren ostafrikanischen Schützlingen von vor Ort, auf denen viele vergnügte Kindergesichter zu sehen sind. Die Bildung vor allem der Mädchen und jungen Frauen sei besonders wichtig.

Zur Erziehungs- und Bildungarbeit der KKH zähle nicht nur die Vermittlung von Nachhaltigkeit, sondern auch die Wahrung der Identität und Traditionen der jungen Menschen. „Die Bildung muss im Land bleiben“, wiederholt Mathilde Krücke nachdrücklich. Natürlich gehe es nicht ohne die kenianischen Helferinnen und Helfer vor Ort. Mit Emanuel habe sich ein ehemaliger Wachmann zu einem hervorragenden „Manager“ des Projekt entwickelt, der mit den Krückes und ihren Helfern bestens kooperiere und sie auf dem Laufenden halte.

Im Verein selbst seien alle Helferinnen und Helfer ehrenamtlich tätig, dadurch würden fast 100 Prozent aller Spenden im Waisenhausprojekt in Kenia ankommen, versichert die Vereinsgründerin. Regelmäßig gingen Pakete per Flieger über Mombasa nach Langobaya.

Durch die Pandemie sei der Verein von seinen vielen Paten für die Kinder getragen worden, niemand sei abgesprungen. Im Gegenteil, wer konnte, habe sogar noch eine Schippe draufgelegt. Um die 60 Mitglieder habe der Oberurseler Verein derzeit deutschlandweit sowie viele Helfer und Unterstützer ohne Mitgliedschaft. In Oberursel werde die KKH beispielsweise regelmäßig von der Burgwiesenschule in Bommersheim unterstützt. Auch Stiftungen, wie etwa die der Frankfurter Sparkasse unterstützen den Verein. Regelmäßig bereisen Mathilde und Lutz Krücke ihr Projekt. „Wegen fehlendem Tourismus herrscht hohe Arbeitslosigkeit und Elend“, berichtet Mathilde Krücke. „Die Hitze setzt einem zu und seit langem gibt es anhaltende Dürre. Uns sterben gerade unsere Bäume weg“, berichtet sie. Ihren Beweggrund für die Gründung der KKH im Jahr 2003 erklärt sie mit Blick auf Armut und Elend lapidar: „Wir haben einfach am falschen Ort Urlaub gemacht.“

Die KKH sei auch ein „Projekt zum Anfassen“. „Man kann uns auch besuchen. Aber nur mit Anmeldung. Und ich kann garantieren: Vor Ort wird man absolut geerdet.“ Hilfswillige können Patenschaften übernehmen, nicht nur für einzelne Kinder, sondern auch symbolische Patenschaften für Hühner oder Ziegen. Der dafür gezahlte Obolus von 5 Euro seien weitere kalkulierbare Einnahmen für den Verein.

Die KKH ist übrigens an diesem Wochenende mit einem Stand auf dem Adventsmarkt in Stierstadt vertreten, direkt am Lindenbaum links vor der Kirche. Neben vielen Informationen über Langobaya gibt es Körbe, die der Verein direkt bei den Korbflechtern in Kenia fair erwirbt und unter dem Motto „Korb statt Plastik“ verkauft. „Somit eine Win-Win-Situation für alle“, befindet Mathilde Krücke.

Und am zweiten Advent, 4. Dezember, 18 Uhr singt das Ensemble Voice 10 für die KKH in der St. Sebastiankirche Advents- und Weihnachtslieder. Der Eintritt ist frei, Spenden sind natürlich willkommen.

Alle weiteren Infos

bei Kenia Kinder Hilfe e.V., Kurmainzer Straße 124, Telefon (0 61 71) 98 15 46, E-Mail an info@kenia-kinder-hilfe.de sowie auf www.kenia-kinder-hilfe.de

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