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Eintracht Frankfurts Peter Fischer: Klare Kante gegen Rechts

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Von: Robin Kunze

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Positionierten sich einmal mehr deutlich gegen Fremdenhass: Die Buber-Rosenzweig-Preisträger Peter Fischer (Präsident Eintracht Frankfurt, rechts) und Alon Meyer (Präsident Makkabi Deutschland/Frankfurt, links). Das angeregte Podiumsgespräch in der Feldbergschule wurde geleitet von HR-Moderator Tim Frühling (Bildmitte).
Positionierten sich einmal mehr deutlich gegen Fremdenhass: Die Buber-Rosenzweig-Preisträger Peter Fischer (Präsident Eintracht Frankfurt, rechts) und Alon Meyer (Präsident Makkabi Deutschland/Frankfurt, links). Das angeregte Podiumsgespräch in der Feldbergschule wurde geleitet von HR-Moderator Tim Frühling (Bildmitte). © jp

In Oberursel ergab sich ein interessantes Podiumsgespräch mit den Frankfurter Vereinspräsidenten Peter Fischer und Alon Meyer. Das Motto: "Fair Play - Jeder Mensch zählt!"

Oberursel/Frankfurt - Es war keine besonders gewagte These, die Peter Fischer am Dienstagabend aufstellte. "Ich denke, ich bin einer der wenigen Vereinspräsidenten, die sich in den Fanblock trauen können", sagte der Vorsitzende von Eintracht Frankfurt. Bei den Anhängern des Fußball-Bundesligisten genießt Fischer wegen seiner direkten Art Kultstatus. Weil er sich regelmäßig mit deutlichen Worten öffentlichkeitswirksam gegen Rassismus und Antisemitismus ausspricht, wurde der Sportfunktionär in diesem Jahr mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Außerdem prämierte der Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (DKR) den Verein Makkabi Deutschland mit dieser Auszeichnung. Zusammen mit Fischer war Alon Meyer, Vorsitzender des Verbandes sowie des Frankfurter Ortsvereins, am Dienstagabend anlässlich eines Podiumsgesprächs zu Gast in Oberursel.

Die veranstaltende Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Hochtaunus (GCJZ) stellte dem Duo HR-Moderator Tim Frühling als Gesprächsleiter zur Seite. In dieser Konstellation ergab sich unter dem Motto "Fair Play - Jeder Mensch zählt" ein rund anderthalbstündiges Gespräch, in dem einmal mehr Stellung gegen Fremdenhass bezogen und gleichzeitig veranschaulicht wurde, warum dies heute noch immer wichtig ist. Auf die Frage Frühlings, ob es denn notwendig sei, bereits junge Menschen mit Themen wie Rassismus zu konfrontieren, gewährten Fischer und Meyer persönliche Einblicke.

"Papa, warum bin ich denn ein 'Scheiß-Jude'", zitierte Fischer eine Frage, die ihm sein Sohn nach einem Fußballspiel stellte. Dieser ist - obwohl nicht jüdischen Glaubens - in der multikulturellen Jugend Makkabi Frankfurts aktiv und habe sich bereits in jungen Jahren solche Beleidigungen auf dem Sportplatz anhören müssen. "Wir haben auch Muslime im Verein, die antisemitisch beleidigt werden, nur weil sie unser Trikot tragen", ergänzte Meyer. Man könne nicht verhindern, dass Kinder und Jugendliche bereits früh mit Rassismus konfrontiert werden, doch könne man sie für das Thema sensibilisieren. "Das sind dann die Jugendlichen, die in Schulen AGs gegen Rassismus gründen und in der Debatte etwas bewegen", sagte Meyer.

Kritik an der AfD erneuert

Thematisiert wurde auch Fischers Bestreben, mit den dunklen Kapiteln der Eintracht-Historie transparent umzugehen. So hatte sich Fischer vor einigen Jahren dafür eingesetzt, Ex-Vereinspräsident Rudolf Gramlich die Ehrenpräsidentschaft aufgrund von dessen Vergangenheit abzuerkennen. "Wenn jemand, der als Privat- und Geschäftsmann von den Nationalsozialisten profitiert hat, Ehrenpräsident ist, dann muss ich den Verein leider verlassen", verdeutlichte Fischer sein moralisches Dilemma. Doch so weit kam es nicht: Gramlich wurde posthum der Ehrentitel aberkannt und Fischer 2018 als Präsident wiedergewählt - mit einer Zustimmung von 99 Prozent.

In dieser Zeit fielen auch Fischers kritische Aussagen zur AfD. Das Wertesystem, dem eine Mitgliedschaft bei der SGE zugrunde liegt, sei nicht mit der Weltanschauung von AfD-Wählern vereinbar. Am Dienstagabend legte er nach: "Dass diese braune Bande jetzt offiziell gewählt im Bundestag sitzt, beschämt mich. Aber ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass sie dort wieder rausfliegt." Für diese "klare Kante" bewundere er Fischer, so Meyer, und eine solche würde er sich häufiger von Politikern wünschen. Seine Statements gegen Rechts haben aber auch Auswirkungen auf sein Privatleben, verriet Fischer. Im eigenen Briefkasten habe er Morddrohungen gegen sich und seine Familie gehabt. "Ich sehe das ambivalent", betonte er, "natürlich macht dir das Angst, aber es zeigt mir auch, dass das, was ich mache, richtig und wichtig ist."3

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