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Erdhalden auf Grundstück im Gewerbegebiet: Ein Haufen Ärger für die Stadt

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Seit zweieinhalb Jahren wurden auf einem Grundstück des neuen Gewerbegebietes „Nördliche Riedwiese“ Erdhalden aufgetürmt. Der Verursacher hat Insolvenz angemeldet. Damit ein Autohaus, das sich dort ansiedeln will, weiterbauen kann, hat die Stadt mit dem Abbau der Erdhügel begonnen. Das wird richtig teuer.

Pendler, die mit dem Auto oder der U3 täglich entlang der Frankfurter Landstraße stadtauswärts in Richtung Frankfurt fahren, wurden in den vergangenen zwei Jahren Zeuge eines zunächst unerklärlichen Vorganges.

Zwischen den U-Bahn-Haltestellen Bommersheim und Weißkirchen Ost wuchsen langsam, aber kontinuierlich Erdhügel. Zwischenzeitlich schaufelten Bagger die Aufschüttungen hin und her, weil mittendrin der Neubau eines Oberurseler Autohauses, das sich hier einen neuen Standort schaffen will, voranschreitet.

Die wachsenden Erdaushubhalden waren dabei nicht nur im Wege, sondern auch aufmerksamen Bürgern zunehmend suspekt. Der Stadtverordnete Jürgen Aumüller (CDU) hat das ominöse Wachstum immer wieder fotografisch dokumentiert. „Am 2. Juli dieses Jahres wurde letztmals neuer Erdaushub abgelagert“, berichtete Aumüller bei der jüngsten Bauausschusssitzung.

Der Verkauf des ehemals städtischen Grundstücks erfolgte aber bereits ein Jahr zuvor. Damals war das Grundstück mit dem benachbarten Areal eines Privatmannes zusammengelegt und an das Autohaus verkauft worden.

In dieser Woche nun hat ein Baggerfahrer im Auftrag der Stadt begonnen, das illegal abgelagerte Erdreich abzutragen. Konkret handelt es sich um Aushub der Schadstoffklasse 1.1. und 1.2., bei dem es sich laut Stadt „um wenig belastetes Erdreich mit Baustoffresten handelt“. Pikant ist der Tagesordnungspunkt „Entsorgung Erdhalden an der Nördlichen Riedwiese“ deshalb, weil die Stadt Oberursel für die anfallenden Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro vorerst alleine aufkommen wird.

Die Verabschiedung der entsprechenden Beschlussvorlage wurde denn auch wegen der Brisanz der Sachlage verschoben. Kurz vor der Sitzung des Stadtparlaments wird nun der Bauausschuss bei einer gemeinsamen Sondersitzung mit dem Haupt- und Finanzausschuss über die außerplanmäßige Belastung des städtischen Haushalts beraten.

Dass der Dreckhaufen weg muss – darin waren sich die Ausschussmitglieder einig. Dass aber die Stadt vorerst für die Kosten aufkommt, ärgert mehrere Stadtverordnete.

„Warum blieb die Stadt so lange untätig?“, fragte Georg Braun (OBG). „Der Sachverhalt war seit Ende 2016 genau 18 Mal Thema im Bauausschuss – die Stadt blieb viel zu lange untätig. Das mittlerweile insolvente Bauunternehmen L. hat trotz Beteuerungen gegenüber der Stadt nie die Absicht gehabt, die Erdaushub-Zwischenlagerung wieder abzutragen und zu entsorgen.“

Neben Erdaushub von den Baustellen an der Riedwiese habe L. von anderen Baustellen Erdaushub angekarrt – zum Teil aus Bad Soden – und damit Geld verdient. Lukrativ war das Vorgehen deshalb, weil sich die Kosten für die legale Endlagerung von Erdaushub auf entsprechenden Deponien in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt haben. Die Deponie-Kapazitäten reichen nicht mehr aus.

„Wir werden die zusätzlichen Kosten in Höhe von 500 000 Euro für den Abtransport und Endlagerung auf der Deponie in Wetzlar über die deutlichen Mehreinnahmen bei Grundstücksverkäufen im Haushalt decken können“, teilte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) mit. Nach Angaben von Arnold Richter, Leiter der Stadtentwicklung, habe die Stadt lange Zeit gehofft, dass der Bauunternehmer L. zu seinem Wort stehe und die Erdhügel wieder abfahre.

Da dies nicht erfolgt sei, habe die Stadt Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt. „Das Unternehmen ging mit krimineller Energie vor“, so Richter. „Nach unserer Rechtsauffassung werden wir nicht alleine für die 500 000 Euro aufkommen. Auch der Voreigentümer des zweiten Areals und der neue Eigentümer (Autohaus) würden wohl einen Teil der Kosten zu tragen haben.“

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