Fahrradmesse

Wo das Rad neu erfunden wird

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Längst bietet die Fahrradbranche mehr als Allerwelts-Räder und Mountainbikes. Eine Messe in Oberursel präsentierte am Sonntag Nischen-Modelle und Exoten unter den Zweirädern – und einen Plan für den Taunus.

Aktueller geht’s nun wirklich nicht. Die absolute Neuheit der „Fahrradland Hessen“-Messe, die am Sonntag rund 1000 Besucher in die Stadthalle Oberursel lockte, ist noch nicht einmal auf dem Markt erhältlich: Das neue Luxus-E-Bike „Supercharger“ des Weiterstädter Fahrradbauers Riese & Müller. Entsprechend groß waren Interesse und Neugier der fachkundigen Messebesucher am Stand des Oberurseler Fachgeschäfts City Zweirad – dort war das neue Vorzeige-Rad ausgestellt. Nur 50 Fahrradläden in ganz Deutschland haben überhaupt vorab einen Prototyp als Testmodell erhalten.

„Das Reise- und Tourenfahrrad wird erst im Herbst auf den Markt kommen“, erläuterte Heiko Scholl, Geschäftsführer von City Zweirad. Die einfachste Ausführung des Zweirads soll dann knapp 4 500 Euro kosten, voll ausgestattet kommen noch einmal 1 500 Euro hinzu. Was macht das Fahrrad so teuer?

„Es ist das erste E-Bike überhaupt mit einem integrierten Antiblockiersystem (ABS) für mehr Fahrsicherheit“, erklärte Scholl. Die für Fahrräder neue Technik verhindere ein Blockieren des Vorderrads und vermindere so die Sturzgefahr.

Ein Blick auf das E-Bike mit seinen üppigen 30 Kilogramm Gewicht zeigt, dass es nicht für den Stadtverkehr gedacht ist. Neben der Vollfederung springt sofort das duale Akku-System ins Auge. „Selbst die Akkus der klassischen E-Bikes haben schon eine so große Reichweite, dass öffentliche Ladestationen gar nicht mehr oft genutzt werden“, sagt der Fahrrad-Experte Scholl. Ein zweiter Akku mit einer Kapazität von 500 Kilowattstunden soll jetzt die Reichweite des elektrischen Antriebs noch einmal verdoppeln – gerade für Fernstrecken und Radreisen könnte das revolutionär sein.

Ein paar Stände weiter warteten mit den bulligen Rädern von Tony Keller die nächsten Hingucker. Der Fahrradhändler präsentierte seine sogenannten „Fatbikes“ – die nicht umsonst so heißen, muten sie mit ihren ungewöhnlich massiven Reifen doch wie die Monstertrucks unter den Fahrrädern an.

„Fatbike-Fahren ist Radfahren ’back to the roots’“, sagt Keller, der Inhaber von Keller-Customs ist. „Die Einsatzgebiete der Räder ohne Federung sind Schnee, Sand, Geröll und Trails. Ihren Ursprung haben die Geländeräder mit extrem dicken Reifen in der Polarregion.“ Der Händler aus Wiesbaden-Breckenheim baut seine Räder nach eigenen Vorstellungen mit speziellen Komponenten und eigens in Asien gefertigten Rahmen. Im regulären Handel können Käufer die ersten Fatbike-Modelle ab mehreren hundert Euro erstehen – nach oben gibt es preislich kaum ein Limit.

Ganz neue E-Bikes werden in diesem Jahr im Taunus verliehen. Der Taunus Touristik Service (TTS) ersetzt seinen bisherigen Anbieter durch den Dienstleister Pedelity, teilte der Verband mit. Damit soll das Netz der Verleihstationen deutlich umfangreicher werden als noch in der vergangenen Saison, so die Hoffnung. Mit einem neuen Gesamtkonzept wollen der TTS und die Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft in enger Abstimmung mit dem Regionalpark Rhein-Main ein flächendeckendes Netz von E-Bike-Verleihstationen für das gesamte Verbandsgebiet aufbauen, das den Hochtaunus- und den Main-Taunus-Kreis sowie die Landkreise Limburg-Weilburg, Lahn-Dill, Rheingau-Taunus und Wetterau umfasst.

Pedelity-Mitarbeiter Jörg Harreman präsentierte die von seinem Unternehmen angebotenen drei E-Bike-Typen erstmals auf der Messe. „Wir sind aus dem Schwalbacher Reparatur-Service Biketempel hervorgegangen“, sagte Harreman. „Neben unserer mobilen Fahrrad-Werkstatt haben wir einen E-Bike-Verleihservice für Unternehmen und Firmen-Events aufgebaut.“ Dabei merkten sie: Der Bedarf ist hoch. Jetzt sollen sich die Fahrrad- experten im Taunus beweisen.

Für den neuen Kooperationsvertrag wird ein Netz von 25 Verleihstationen aufgebaut, an denen insgesamt 120 E-Bikes verfügbar sein werden. Weitere können kurzfristig bestellt werden. Wer sich Radtouren in der Region selbst zusammenstellen möchte, kann dies über den Routenplaner des Landes Hessen machen. Auf der Messe wurde das Planungstool vorgestellt, das über abrufbar ist.

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