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Musik verbindet: Beim internationalen Begegnungsfest tanzten Ausländer und Deutsche gemeinsam.

Veranstaltung im Rushmoor-Park

Das war der erste internationale Begegnungsabend in Oberursel

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Musik kann Grenzen überwinden und der Oberurseler Sommer möchte dazu beitragen. Zur Premiere unter dem Motto: „Vielfalt mit Musik“ sind weit mehr als 200 Besucher der unterschiedlichsten Nationen gekommen und einige brachten ein Stück ihrer Kultur mit.

Der deutsche Brombeerkuchen liegt neben dem Knoblauch-Dip und den kräftig-würzigen vegetarischen Frikadellen. Nebenan gibt’s Kokosplätzchen und Lauch-Kartoffel-Bolani nach afghanischem Rezept und ein paar Schritte weiter kurdische und pakistanische Leckereien. Dazu Musik von der Kirar, einem „typischen Flüchtlingsinstrument“, wie der Moderator und Filmkomponist Rainer Michel sagt. „Man kann sie aus einer alten Stuhllehne und fünf Saiten selbst herstellen, und wer hat nicht einen alten Stuhl zur Verfügung?“

Beim ersten internationalen Orscheler Begegnungsabend machen die weit mehr als 200 Besucher nach dem Motto: „Vielfalt mit Musik“, bei einer musikalischen und kulinarischen Reise durch östliche Länder plaudernd näher kennenlernen. Schließlich leben rund 120 Nationen in der Brunnenstadt, und wie die Liebe, könnte auch Freundschaft im Magen beginnen.

Multikulti fängt schon bei der Begrüßung durch Antje Runge, Ansprechpartnerin für die veranstaltenden Vereine Kunstgriff und Windrose, an. Sie wird nicht nur in Englisch, sondern in Sprachen wie Urdu, Farsi, Aramäisch oder Eritreisch übersetzt. „Wir sind alle Oberurseler, und wir sollten keine Fremden bleiben“, so Runge.

Als erstes lernen die Gäste den Eritreer Afewerki Mengesha kennen. Begleitet vom Rainer Michel an der Gitarre, spielt er besinnliche Lieder auf der Kirar und singt dazu. Das Duo gehört zum Projekt „Bridges“ in Frankfurt, unter dessen Dach sich seit 2016 verschiedene musikalische Gruppen gebildet haben. Hier können vor allem Flüchtlinge gemeinsam musizieren und damit Brücken bauen. Denn was ist besser geeignet, Menschen anderer Kulturen und Sprachen miteinander zu verbinden, als die Musik?

Für Reza Rostami ist sie ein bedeutendes Element der Verständigung. Schon als Kind hatte er sich das Spielen auf der Darbourka, einer für seine Heimat, den Iran, typischen Bechertrommel, beigebracht. Er lebt seit zwei Jahren in Deutschland. Wenn er wie am Samstag mit Gruppe „Rezaminka“ auf der Bühne steht, sei das ein gutes Gefühl. Das Ensemble – ebenfalls ein Teil von Bridges – brachte dann auch jede Menge fernöstliche Rhythmen und Fröhlichkeit.

Für Johanna-Leonore Dahlhoff, die künstlerische Leiterin von Bridges, sind Begegnungen und Veranstaltungen wie der internationale Abend im Rushmoor-Park im Rahmen des Orscheler Sommers enorm wichtig, um sich gegenseitig zu verstehen.

„In der heutigen Zeit ist das fast noch wichtiger als vor fünf, sechs Jahren“, betont auch Ullah Samee, der Flüchtlingsbeauftragte der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde. Auch in Oberursel. Er findet es toll, dass die Vereine Kunstgriff und Windrose diese Veranstaltung organisiert haben. Verständigung komme nicht von selbst. Darin ist er sich mit Ilonka Karl und Julia Pristaff, zwei „Orscheler Mädchen“, die gerade eine internationale Mahlzeit verspeisen, einig. „Ich finde es super, dass der Orscheler Sommer das aufgegriffen hat“, betont Ilonka Karl. Sich hier bei besonderen Klängen, Konversation, Klatsch, Kunst und kulinarischen Schmankerln zu treffen, macht ihnen Spaß. Der globale Akzent „tut Oberursel gut“, finden sie. In der Brunnenstadt leben so viele Menschen verschiedener Nationen, da sei es gut, sie auf diese Art ungezwungen kennen zu lernen.

Schon bald mischt sich das Publikum nicht nur an den Essensständen, sondern auch in den Bankreihen. Und es scheint tatsächlich so: Es gibt kaum etwas Besseres, um Sprachgrenzen zu überwinden und Brücken zu bauen als Kulinarik und Klänge.

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