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Evangelisches Leben in Oberursel und Steinbach rückt zusammen

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Oberursels Protestanten werden ab 2024 deutlich mehr zusammenrücken. Die Gemeindehäuser - wie hier in Oberstedten - werden aber weiterhin belebte und beliebte Treffpunkte bleiben.
Oberursels Protestanten werden ab 2024 deutlich mehr zusammenrücken. Die Gemeindehäuser - wie hier in Oberstedten - werden aber weiterhin belebte und beliebte Treffpunkte bleiben. © pieren

Zu Jahresbeginn fusionieren sieben Kirchengemeinden zu einem neuen „Nachbarschaftsraum“, vergleichbar mit der katholischen Großpfarrei St Ursula. So kommt es zu allerlei Synergieeffekten und man verpricht sich mehr Nähe zu den Bedürfnissen der Gläubigen.

Oberursel/Steinbach -Die Protestanten in Oberursel stehen - wie alle Kirchengemeinden innerhalb der Evangelischen Landeskirche von Hessen und Nassau (EKHN) - vor einem gewaltigen Umbruch. In der Synode des Hochtaunus-Dekanats wird Mitte November über eine neue Struktur und Zusammenarbeit aller Kirchengemeinden im Dekanat entschieden.

Unter anderem sollen die sechs Kirchengemeinden in Oberursel aus Auferstehungs-, Christuskirchen-, Kreuzkirchen-, Versöhnungs- und Heilig-Geist-Gemeinde sowie die evanelische Kirchengemeinde Oberstedten und die Steinbacher St. Georgs-Gemeinde mit zusammen dann 11 677 Mitgliedern einen neuen so genannten Nachbarschaftsraum bilden.

Mit Beginn des neuen Jahres wird dann auch bei den Protestanten in der Brunnenstadt ein vergleichbarer Prozess eingeleitet, wie ihn die katholischen Mitchristen bereits seit 2012 mit der Gründung der Großpfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach einschlagen mussten.

Ab Januar 2024 werden dann sukzessive das Pfarrpersonal, Gemeindepädagogen und Kirchenmusiker sowie das gemeindliche Angebot und die Gottesdienste neu sortiert und das Gemeindeleben neu zusammengeführt. Notwendig wird dies wegen der kontinuierlich sinkenden Mitgliederzahlen, wie auch wegen des zunehmenden Pfarrermangels innerhalb der gesamten EKHN.

Wie dieser Umbruch dann im konkreten gestaltet wird, kann heute freilich noch niemand sagen. An dem Anfang nächsten Jahres anlaufenden Strukturprozess werden alle haupt- und vor allem auch die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sieben Kirchengemeinden unentwegt arbeiten müssen.

Wegen der in den vergangenen Jahren ohnehin bereits gewachsenen inhaltlichen Schwerpunkte einzelner Gemeinden, ist davon auszugehen, dass diese beibehalten und an Ort und Stelle weiterentwickelt werden.

Die Protestanten in der Brunnenstadt machen schon heute auf vielen Ebenen über die Gemeindegrenzen hinaus erfolgreiche Angebote. So arbeitet und wirkt Kantorin Gunilla Pfeiffer etwa als einzige A-Kirchenmusikerin mit einer vollen Stelle in der Christuskirche. Die von ihr initiierten Gospelprojekte und - chöre werden längst und ganz selbstverständlich von Sängerinnen und Sängern aus der gesamten Stadt und sogar darüber hinaus mit Freude besucht. Gleiches gilt für ihre Kinderchorarbeit.

Möglichst viele Menschen erreichen

Ähnlich ist die Gemeindepädagogin Ute Gerhold-Roller bereits seit einigen Jahren mit einer halben Stelle beim Dekanat für die Jugendarbeit in der gesamten Stadt angestellt. Mit der anderen halben Stelle arbeitet sie als Schulsozialarbeiterin an der IGS Stierstadt.

Kinderbibelwochen, Jugend-Gottesdienste unter dem Titel ’Mut-Ausbruch’ und verschiedene Freizeiten werden von ihr ebenso für alle Kinder und Jugendlichen in der Stadt angeboten, wie die Teamer- und Mitarbeiterausbildung für die jeweilige gemeindlichen Kinder- und Jugendarbeit.

Unbestritten ist auch, dass das im Rosengärtchen von der Heilig-Geist-Gemeinde getragene Kinder- und Familienzentrum inklusive des dortigen evangelischen Kindergartens nicht nur ihr Einzugsgebiet im Norden von Oberursel haben. Werdende Mütter, künftige wie auch junge Eltern aus der gesamten Stadt nehmen dort an Geburtsvorbereitungskursen, Gesprächs- und Bastelangeboten teil. Gleiches gilt auch für das im Café und Kulturzentrum „Alte Wache“ in Oberstedten angebotene Programm. „Was wir hier machen, ist eine offene Stadtteilarbeit“, sagt die evangelische Gemeindepfarrerin Angelika Rehorn. Ihrer Erfahrung nach schauen der Kirche nahestehenden Menschen vermehrt danach, was Kirche wo anbietet. „In der Planung unserer Angebote blicken aktive Gemeindemitglieder zunehmend danach, wo Menschen erreicht werden. Danach werden die Angebote geplant.“

Gemeindepfarrerin Angelika Rehorn aus Oberstedten hatte in Erwartung und Vorfreude auf die Geburt ihres ersten Kindes am Freitag ihren letzten Arbeitstag und ist nun in Mutterschutz. Bei dem Gedanken, nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit in einen neu gebildeten Nachbarschaftsraum zu kommen, ist es ihr aber keinesfalls bange.

Keine Erscheinungen der Auflösung

„Unser Gemeindeleben wird sich gewiss nicht in Auflösung befinden. In unserer Gemeinde haben sich schon lange feste Gruppen herausgebildet, die sehr eigenständig mit ihren Aktivitäten das Gemeindeleben bereichern“, sagt Rehorn. Als Beispiel nennt sie die Musiker der Sonntagsband, die im Wechsel mit der Orgel alle zwei Wochen die Gottesdienste musikalisch mit populärer christlicher Musik begleiten. „Aktive Beteiligung von Gemeindemitgliedern ist das A und O einer lebendigen Gemeindearbeit“, sagt sie. „Wenn man junge Leute erreichen will, muss man ihnen einen Platz geben und ihnen Verantwortung zutrauen.“ Diese und vergleichbare Entwicklungen in allen Kirchengemeinden seien für sie eine optimale Voraussetzung und zugleich ein Gewinn für den Alltag und die Arbeit im bevorstehenden neuen Nachbarschaftsraum. „Gut, dass sich in Oberursel längst Schwerpunkte innerhalb der Gemeinden herausgebildet haben“, sagt Rehorn. Die Wege zwischen den einzelnen Kirchen und Gemeindezentren seien nicht weit und schnell mit Bus oder U-Bahn, Fahrrad oder eben auch dem Auto überbrückt. Mit Blick auf das künftige Gottesdienstangebot macht sie sich keine Sorgen. Das Pfarrteam werde künftig untereinander die wöchentlichen Gottesdienst-Angebote für Oberursel abstimmen.

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