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„Ewige Flamme“ kommt von Verdun nach Oberursel

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Das Beinhaus von Douaumont, eine Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg auf dem ehemaligen Schlachtfeld bei Verdun in Frankreich. Die Gräber von 15 000 französischen Soldaten liegen vor dem Denkmal, drinnen die Gebeine Zehntausender, die keiner Nation zugeordnet werden konnten.
Das Beinhaus von Douaumont, eine Gedenkstätte zum Ersten Weltkrieg auf dem ehemaligen Schlachtfeld bei Verdun in Frankreich. Die Gräber von 15 000 französischen Soldaten liegen vor dem Denkmal, drinnen die Gebeine Zehntausender, die keiner Nation zugeordnet werden konnten. © Sven Weidlich

Das Symbol macht macht die französisch-deutsche Geschichte erlebbar. Die Städtepartnerschaft mit Epinay-sur-Seine besteht immerhin seit 1964.

Oberursel -Zwei große Jubiläen stehen im nächsten Jahr an. Im Jahr 1964, also vor dann 60 Jahren, hat sich Oberursel mit Epinay-sur-Seine (Frankreich) verschwistert. Und die Städtepartnerschaft mit Rushmoor (Großbritannien) besteht 2024 seit 35 Jahren. Das steht im „Jahresbericht Städtepartnerschaften und internationale Kontakte für den Zeitraum 1. September 2022 bis 31. August 2023“, der im Sozialausschuss Sozial-, Bildungs- und Kulturausschuss vom Geschäftsbereichsleiter Kultur und Gesellschaft Mathias Brand vorgelegt wurde. Heute schauen wir zuerst nach Epinay. Denn Anfang November ist ein Treffen des Bürgermeisters von Epinay, Hervé Chevreau, und weiterer französischer Amtsträger mit Oberursels Bürgermeisterin Antje Runge (SPD) sowie dem Stadtverordnetenvorsteher Lothar Köhler (CDU) in Verdun geplant.

Die dortige Gedenkstätte erinnert an die schrecklichen Geschehnisse auf dem deutsch-französischen Schlachtfeld im Ersten Weltkrieg. Am 1. November wird die „Ewige Flamme der Erinnerung“ (la Flamme des Souvenirs), die unter dem Arc de Triomphe in Paris brennt, nach Verdun gebracht. Nach einer Zeremonie am Kriegerdenkmal von Verdun wird die Flamme in der Krypta der Gedenkstätte abgestellt. Dort brennt sie bis zum 11. November, dem Jahrestag der Unterzeichnung des Waffenstillstandes im Jahr 1918, bevor sie zurück nach Paris kommt.

Die französischen Gastgeber wollen die „Ewige Flamme“ mit der Oberurseler Delegation teilen. „Die Mitnahme der geteilten Flamme von Frankreich nach Oberursel soll die französischen und deutschen Opfer des Ersten Weltkrieges in besonderem Maße ehren und die französisch-deutsche Geschichte für jüngere Generationen erlebbar machen“, heißt es in dem Bericht.

Darüber hinaus sei die Nachbereitung der Bildungsfahrt zur Holocaust-Gedenkstätte in Auschwitz von Schülerinnen und Schülern der Feldbergschule und des Gymnasiums (Lycée Feyder) aus Epinay in Planung. Auch Begegnungen auf kultureller und sportlicher Ebene seien in Vorbereitung. Die thematischen Schwerpunkte sollen verstärkt Jugendliche und junge Erwachsene berücksichtigen.

Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

Seit vielen Jahren gehören Teilnahmen offizieller Delegationen aus Oberursel und Epinay zu besonderen Anlässen der jeweiligen Partnerstadt zum gelebten Miteinander, schreibt Brand weiter. „Die Verwaltungen beider Städte tauschen sich immer wieder über ihre eigene Arbeit und die gemeinsamen Themen bei Fachkräftebegegnungen aus. Teilnahmen an Projekten und sportlichen Veranstaltungen, insbesondere Austauschmaßnahmen auf kultureller und schulischer Ebene, werden organisiert. Es finden regelmäßige Telefonkonferenzen zur Abstimmung der gemeinsamen Projekte zwischen den Abteilungen Internationales in Epinay und Oberursel statt.“ Zur Städtepartnerschaft gehören zudem selbstverständlich gegenseitige Besuche von Vertreterinnen und Vertretern des Vereins zur Förderung Oberurseler Städtepartnerschaften (VFOS) und des Städtepartnerschaftsvereins aus Epinay.

Vom 24. bis 27. November 2022, zum Weihnachtsmarkt in Oberursel, kam eine Delegation aus Epinay zu Besuch, angeführt von Epinays Stadträtin für Kultur, Tourismus und Internationale Beziehungen, Isabelle Tan, berichtet Brand weiter. Begleitet wurde sie von Emilie Emond, der Verantwortlichen für Internationale Beziehungen der Stadtverwaltung, Mélanie Brette, der Direktorin der Mediatheken, Béatrice Hamel, der Leiterin der Sozialzentren und Antoine Kamaga, einem Deutschlehrer vom Collège Jean Vigo, der sich insbesondere für das Thema Schüleraustausch interessierte. Die französischen Gäste führten unter anderem Gespräche mit der Oberurseler Stadtbücherei, der Portstrasse Jugend & Kultur, dem Bereich Offene Kinder- Jugend- und Seniorenarbeit sowie dem Geschäftsbereich Kultur und Gesellschaft.

Am „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“, dem 25. November, der mit dem Weihnachtsmarkt-Freitag zusammenfiel, gab es auch einen ersten Austausch der französischen Gäste mit der Oberurseler Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsstelle. Und die Gäste besuchten die Kunstaktion zum Thema Femizide, die der Verein Frauen helfen Frauen Hochtaunus zusammen mit der Stadt Oberursel organisiert hatte.

Beim Empfang des Städtepartnerschaftsvereins im Rathaus schließlich berichtete die Oberurseler Ehrenbürgerin Margarete Portefaix, die die deutsch-französische Städtepartnerschaft mitbegründet hatte, aus ihrem reichen Erfahrungsschatz.

Fachlicher Austausch mit der Bücherei

Zum Weihnachtsmarkt in Epinay vom 9. bis 11. Dezember 2022 besuchten auch Brunnenkönigin Verena I. und ihr Brunnenmeister Oberursels französische Partnerstadt, so der Bericht weiter. Der Epinayer Städtepartnerschaftsverein und der VFOS betrieben zusammen einen Weihnachtsmarkt-Stand. Und die Stadtverwaltung von Epinay stellte ein unterhaltsames Programm für die deutschen Gäste zusammen.

Vom 21. bis 23. März 2023 besuchten Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klasse der IGS Stierstadt bei ihrer Parisfahrt die Deutsch lernenden Schulklassen des Collège Jean Vigo und wurden auch im Epinayer Rathaus herzlich empfangen, schreibt Brand. Vom 13. bis 16. April 2023 reisten Fachkräfte der Oberurseler Stadtverwaltung in die französische Partnerstadt, um die Planungen für die kommenden zwei Jahre zu konkretisieren. Für Udo Keidel-George, damaliger Leiter des Geschäftsbereichs Kultur und Gesellschaft, war es der letzte offizielle Besuch in der Partnerstadt. Er ging im Juni 2023 in den Ruhestand und nutzte die Reise auch, um sich, nach 15-jähriger Zusammenarbeit, von den französischen Kolleginnen und Kollegen zu verabschieden.

Eine Jugend-Fußballmannschaft aus Epinay kam vom 27. bis 29. Mai 2023 nach Oberursel und nahm am Pfingstturnier des SC Eintracht Oberursel teil. Begleitet wurden die jungen Sportler von einer offiziellen Delegation der französischen Partnerstadt.

Die für 2023 geplanten fachlichen Austausche zwischen der Oberurseler Stadtbücherei und der Mediathek in Epinay sowie der Portstrasse Jugend & Kultur und Jugendeinrichtungen in Epinay haben inzwischen begonnen und sollen weiter fortgesetzt werden, berichtet Brand.

Gleiches gelte für den Austausch von Studierenden und Auszubildenden bei Praktika in Oberursel und Epinay. Dabei sollen junge Erwachsene ein Konzept „Städtepartnerschaft der Zukunft“ erarbeiten. Themen seien unter anderem gelebte Diversität und Demokratiebildung. Dieser neue Bereich der Zusammenarbeit war beim Antrittsbesuch Bürgermeisterin Runges in Frankreich im Juni 2022 besprochen worden. Die Jugendbegegnungen finden im Bereich Erinnern und Gedenken einen weiteren Schwerpunkt. Ziel ist, mit Blick auf die Geschichte den Frieden in Zukunft zu sichern.

Zudem plane die IGS Stierstadt einen Austausch mit dem Collège Jean Vigo, bei dem sich Schülergruppen jeweils für eine Woche gegenseitig besuchen, gemeinsam den Unterricht in den beiden Ländern erleben und an einem Projekt zur Nachhaltigkeit arbeiten. Auch ein touristisches Programm gehört zum Besuch.

Um die Jubiläen 60 Jahre Städtepartnerschaft mit Epinay und 35 Jahre Städtepartnerschaft mit Rushmoor im nächsten Jahr entsprechend zu würdigen, arbeiteten die Fachabteilungen für internationale Beziehungen und von städtischer Seite ins Leben gerufene Projektgruppen mit externen Partnern seit geraumer Zeit gemeinsam an der Ausgestaltung des Jubiläumsjahres und den damit verbundenen Projekten, Begegnungen und Programmen. cg

Die französische Delegation und ihre Oberurseler Ansprechpartner, angeführt von Bürgermeisterin Antje Runge und der französischen Stadträtin Isabelle Tan (beide in Rot) im November 2022.
Die französische Delegation und ihre Oberurseler Ansprechpartner, angeführt von Bürgermeisterin Antje Runge und der französischen Stadträtin Isabelle Tan (beide in Rot) im November 2022. © privat

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