+
Autos von Handwerkern stehen vor dem ehemaligen Schulungszentrum. In Kürze sollen im Gebäude Flüchtlinge untergebracht werden.

Flüchtlinge ziehen ins Schulungszentrum

  • schließen

Seit etwa zwei Jahren steht das einst von der Bank für Gemeinwirtschaft gebaute Schulungszentrum im Oberurseler Norden leer. Nun wird daraus eine Flüchtlingsunterkunft. Wann die ersten Familien einziehen, steht noch nicht fest, ein anderer Termin aber schon.

Noch gehen die Handwerker im ehemaligen Schulungszentrum der SEB AG (Hohemarkstraße) ein und aus. In Kürze sollen in das Haus Flüchtlinge einziehen. In einem ersten Schritt will der Hochtaunuskreis dort bis zu 140 Menschen unterbringen. Für weitere 60 Flüchtlinge bietet der dreigeschossige Gebäudekomplex Platz – nach Umbauten.

Laut Kreisbeigeordneter Katrin Hechler (SPD) sollen vorrangig Familien aus der Oberurseler Notunterkunft (Turnhallen an der Bleibiskopfstraße) im Haus untergebracht werden. „Es ist der Wunsch aller, dass die Menschen, die schon seit Monaten hier in der Stadt sind, auch hier bleiben können“, betonte sie gestern im Rathaus.

Bis zu 700 Menschen sind in den Turnhallen der Erich-Kästner-Schule untergebracht. Die Zahl schwankt. Es geht hier um Flüchtlinge, die neu in Deutschland angekommen sind und von den Behörden registriert werden müssen. Die Notunterkunft ist also eine Einrichtung, in der die Menschen vorübergehend bleiben.

In der Gemeinschaftsunterkunft, die nun an der Hohemarkstraße entsteht, werden Asylbewerber untergebracht, die der Stadt Oberursel nach einer festen Quote zugewiesen werden. Bislang leben 320 zugewiesene Bewerber in der Brunnenstadt, bis Ostern soll diese Zahl deutlich steigen: Wie berichtet, sind dann insgesamt knapp 1000 Menschen in Oberursel unterzubringen.

Zusätzlich zur neuen Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Schulungszentrum sind laut Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD) Wohnungen/Zimmer für circa 150 Menschen gefunden – bei privaten Vermietern und Wohnungsgenossenschaften. Das heißt, für 320 bis 330 Flüchtlinge muss noch eine Unterkunft gesucht werden. „Das ist eine beträchtliche Zahl“, weiß der Rathauschef. Für sie müssten noch kleinere Sammelunterkünfte geschaffen beziehungsweise errichtet werden.

Platz dafür wäre eventuell auch auf dem Gelände des Schulungszentrums. „Aber das ist nicht geplant“, versicherte Hechler. Ziel sei, die Flüchtlinge auf das gesamte Stadtgebiet zu verteilen.

Im dreigeschossigen Gebäudekomplex, der 1984 von der Bank für Gemeinwirtschaft errichtet und später der deutschen Tochtergesellschaft der Skandinaviska Enskilda Bank (SEB) gehörte, gibt es über zwei Stockwerke verteilt 70 Zimmer mit kleinem Bad, die je zwei Flüchtlingen – gegebenenfalls mit Kind – zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Belegung soll laut Hechler schrittweise erfolgen. Einen genauen Startzeitpunkt konnte sie noch nicht nennen. Ende Januar/Anfang Februar, meinte die Kreisbeigeordnete.

Die in den 70 Zimmern vorhandenen Betten wurden an einem Wochenende von 20 Helfern der freiwilligen Feuerwehr ausgebaut und durch Stockbetten ersetzt. Was noch fehlt, sind die Gemeinschaftsküchen. Ein Teil der Aufenthalts- und Seminarräume im Haus soll noch umgebaut werden, um dort ebenfalls Flüchtlinge – auch größere Familien – unterzubringen. Die Kosten für die Umbauarbeiten übernimmt der Kreis als Betreiber der Flüchtlingsunterkunft. Welcher Betrag investiert werden muss, steht laut Hechler noch nicht fest.

Der Kreis hat das ehemalige Schulungszentrum samt 16 000 Quadratmeter großem Gelände vom Bauunternehmen Dietmar Bücher für vier Jahre gemietet. Laut Brum gibt es die Option, dass der Vertrag um ein Jahr verlängert werden kann. Die Kosten für die Anmietung muss der Kreis aus dem Pauschalbetrag, den er vom Land für die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen erhält (940 Euro pro Person und Monat), finanzieren. Reicht das nicht aus, muss er die Differenz übernehmen.

„Das Haus eignet sich hervorragend“, sind Hechler und Brum überzeugt. Ihr Dank galt Dietmar Bücher, der mittelfristig plant, das Gebäude abzureißen. Er will auf dem Gelände Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen bauen.

Etwa zwei Jahre stand das Schulungszentrum übrigens leer. Das Gebäude sei im Winter aber beheizt und vom Hausmeister, der schon für die SEB gearbeitet habe, betreut worden, betonte Bücher.

Der Hausmeister wird auch für die Flüchtlingsunterkunft zuständig sein, informierte Brum. Sozialarbeiter sollen sich um die Flüchtlinge im Haus kümmern – unterstützt von ehrenamtlichen Kräften (siehe zu Kosten auch unten stehenden Text).

Der Vorschlag, das Schulungszentrum zu nutzen, kam nach Angaben des Rathauschefs auch von Oberurseler Bürgern. Mehrfach sei er gefragt worden, „warum nehmt ihr nicht dieses Gebäude?“.

Die Nachbarschaft sei über die Planungen für die Flüchtlingsunterkunft schon informiert, sagte Hechler. Für die Anwohner und alle anderen interessierten Bürger bieten Kreis und Stadt am Mittwoch, 20. Januar, eine Informationsveranstaltung zur neuen Flüchtlingsunterkunft an. Beginn ist um 20 Uhr in der Grundschule am Eichwäldchen.

Wer sich ehrenamtlich in der neuen Flüchtlingsunterkunft engagieren möchte, sollte sich an Gabriela Wölki im Rathaus wenden, Telefonnummer (0 61 71) 5 02-1 52.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare