Drogendealer vor Gericht

Freispruch mit Beigeschmack

  • schließen

Ein junger Oberurseler musste sich jetzt vor dem Amtsgericht in Bad Homburg verantworten: Er soll einem Kronberger Drogen verkauft und später mit Gewalt versucht haben, das noch ausstehende Geld einzutreiben. Bei diesem Fall blieben allerdings viele Fragen offen.

„Es sind schwerwiegende Vorwürfe“, sagte der anklagende Oberstaatsanwalt. Dennoch forderte er am Ende der Beweisaufnahme keine Strafe für den 21 Jahre alten Angeklagten aus Oberursel. Ein Freispruch 1. Klasse sei das aber nicht, hob er hervor.

Es ging in der Verhandlung vor der Bad Homburger Jugendrichterin kurz gefasst um Geschäfte im Drogen-Milieu, in die ein junger Kronberger und wahrscheinlich auch der angeklagte Oberurseler verwickelt waren.

Der Fall war durch eine Anzeige des Kronbergers ins Rollen gekommen: Er hatte bei der Polizei angegeben, er habe im Jahr 2014 von dem jungen Oberurseler Marihuana zum Preis von 360 Euro erworben. Der Stoff sei ihm auf Provisionsbasis überlassen worden. Die Zahlung an den Oberurseler sollte erst nach dem Verkauf des Marihuanas erfolgen.

Doch das wurde schwierig, denn der Kronberger war laut seinen Aussagen in Frankfurt von unbekannten Tätern abgerippt worden. Das Marihuana hatte also ohne Zahlung den Besitzer gewechselt. Der Oberurseler wiederum soll vom damals 18-Jährigen die Zahlung des vereinbarten Betrags gefordert haben. Der junge Kronberger versuchte, seine Eltern anzupumpen, allerdings ohne Erfolg. Sie waren, wie dessen Mutter bei Gericht aussagte, nicht mehr bereit gewesen, dem Junior mit Geld auszuhelfen. Zu oft hatte der Sohn offenbar um Unterstützung gebeten. Die Eltern zahlten auch nicht, als ein mysteriöser Besucher mit Basketball-Mütze und dunkler Sonnenbrille am Gartentor 500 Euro für angebliche Außenstände ihres Filius forderte. Das sei dem grimmig schauenden jungen Mann, der eine auffallende Ähnlichkeit mit dem jetzigen Angeklagten habe, verweigert worden, sagte die Mutter. Danach sei ihnen am Telefon Ungemach angedroht worden. Die Mutter ging davon aus, dass es sich um dieselbe Person handelte, die zuvor am Gartentor gestanden hatte.

Der Anklagevorwurf, um den es in der Verhandlung ging, war allerdings ein anderer. Laut damaliger Schilderung des jungen Kronbergers hatte ihm der jetzt Angeklagte im Juli 2014 am Kronberger Bahnhof aufgelauert, um das Geld einzutreiben. Der Oberurseler habe seine Geldbörse gefordert und die darin befindlichen 5 Euro sowie den Personalausweis als Pfand entnommen. Außerdem habe ihn der Oberurseler mit Faustschlägen traktiert, gab der Kronberger bei der Polizei an.

Der Angeklagte wies bei Gericht alle Vorwürfe zurück. Dem Kronberger, den er erst seit kurzer Zeit gekannt habe, habe er quasi aus Mitleid 500 Euro geliehen und diese später wiederhaben wollen, sagte er der Jugendrichterin. Mit Rauschgift habe das alles nichts zu tun, fügte er hinzu. Auch habe er dem Kronberger weder Geld noch Ausweis abgenommen. Den Personalausweis habe dieser ihm als Pfand für die noch zu zahlenden 500 Euro gegeben. Auch sei er nicht der Mann am Gartentor oder der spätere Anrufer gewesen, trugen sein Verteidiger und er vor.

Ein Gegenbeweis konnte in der Verhandlung nicht erbracht werden, denn der Kronberger erschien nicht bei Gericht. Er soll sich angeblich in Berlin aufhalten.

Die belastenden Aussagen gegen den Angeklagten wurden durch ein anderes Vorkommnis ein wenig erschüttert. Denn vor dem Vorfall am Kronberger Bahnhof hatte sich bereits eine andere Person mit dem Personalausweis des Kronbergers ausgewiesen. Dieser junge Mann war bei einer Schwarzfahrt in der S-Bahn erwischt worden. Er hatte bezüglich des fremden Ausweises angegeben, dass ihm der rechtmäßige Besitzer die Personalpapiere als Pfand für eine offene Geldforderung überlassen habe. Also der gleiche Fall wie bei dem Oberurseler? Der Kronberger hätte diese Frage vielleicht klären können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare