Neues Auto-Werk in den Riedwiesen

Fünf Marken unter einem Dach

  • vonAlexander Schneider
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Oberursel bekommt ein „Auto-Werk“. Im Gewerbegebiet Riedwiese an der Frankfurter Straße will der seit 2010 bzw. 2013 mit zwei Autohäusern in Oberursel ansässige Autohändler MTS-Automobile einen völlig neuen Betrieb eröffnen.

„Auto-Werk Oberursel“ sei zwar erst Arbeitstitel, habe aber gute Chancen, später, das soll Mitte 2017 sein, an der Fassade zu stehen, sagte Jürgen Gottschalk, MTS-Geschäftsführer. Er bestätigte der TZ die Baupläne, wenngleich der Kaufvertrag für das 9000 Quadratmeter große Areal an der Frankfurter Landstraße noch nicht unterzeichnet sei. Alles deute aber darauf hin, dass es bald zum Notar gehe. Das bestätigte auch Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD): „Reine Formsache.“

Am neuen Standort Riedwiese (siehe auch ZUM THEMA) will MTS die Autohäuser aus der Pfeiffstraße und der Hohemarkstraße zusammenführen. Die beiden Standorte werden in der Folge aufgegeben. Das fünf Millionen Euro teure Autohaus ist das größte Projekt in der Historie des 1994 von den heutigen Geschäftsführern Jürgen Gottschalk, Frank Hruby und Renato Contardi in einer Garage in Köppern gegründeten, inzwischen von Friedberg aus geleiteten Unternehmens.

Es soll Autokunden in einer attraktiven Hülle Lust auf Mobilität machen. Die Auswahl wird groß sein, denn unter dem Dach des „AutoWerks“ werden die Produkte von fünf Marken angeboten. „Konzernbezogene Markenvielfalt unter einem Dach ist üblich, wir gehen mit Skoda, Seat, Fiat, Jeep und Alfa Romeo aber über Konzerngrenzen hinweg“, sagt Gottschalk. Damit werde eine ungewöhnliche Markenvielfalt präsentiert und eine sehr breite Käuferschicht angesprochen.

Üblicherweise hätten konkurrierende Hersteller Berührungsängste. Das Konzept des „AutoWerks“ habe jedoch Begeisterung ausgelöst. Alle fünf Marken profitierten von einem attraktiven Umfeld, behielten aber ihren eigenen Markenauftritt. Deshalb werden die 40 Fahrzeuge der fünf Autobauer auf 1200 Quadratmetern auch nicht in einem großen Showroom präsentiert, sondern jeweils separat: eigene Portale, eigene Verkaufsteams. Das, so Gottschalk, sei nötig, die Konzerne legten darauf Wert. Die Werkstatt mit 20 Hebebühnen hingegen sei markenübergreifend.

Das Autohaus wird nach dem modernsten Stand des Gewerbebaus – Stahlskelett, Sandwichbauweise – errichtet: Wärmepumpen, LED-Technik, energetische Dämmung, eventuell Dachbegrünung, draußen Ökopflaster und großzügige Begrünung. Ein technisches Highlight: Rigolen. Das sind unterirdische Sickerspeicher, die das Oberflächenwasser zurückhalten und dosiert an die Kanalisation abgeben.

Mit dem Neubau hat das Unternehmen auch eine Belebung des Geschäfts im Auge. Bereits jetzt ist MTS mit dem Verkauf von 800 Skoda im Jahr Branchenprimus im Rhein-Main-Gebiet, dazu kommen etwa 150 Fiat, 120 Seat und 100 Jeep, nur wenige Alfas und 800 Gebrauchtwagen aller fünf Marken, aber das soll sich mit der bevorstehenden Modelloffensive des Autobauers bald ändern.

Anlass, über den Neubau nachzudenken, hätten aber auch die Hersteller gegeben, die ihren Händlern immer aufwendigere Präsentationskonzepte auferlegten. Der dafür nötige Finanzbedarf, zusätzlich zu den aus energetischer Sicht dringend nötigen Umbauten in den beiden Oberurseler Autohäusern, habe schließlich den Ausschlag gegeben.

MTS beschäftigt rund 100 Mitarbeiter an den derzeit noch vier Standorten in Friedberg, Neu-Anspach und den beiden Oberurseler Betrieben. Die 30 Mitarbeiter, die derzeit noch an der Pfeiff- und an der Hohemarkstraße sitzen, werden ab Sommer 2017 an der Riedwiese arbeiten. Insgesamt ist MTS auf Wachstumskurs, auch personell. „Wir suchen händeringend Facharbeiter“, sagt Frank Hruby.

Bürgermeister Brum sieht in dem Neubau einen städtebaulichen Akzent, der das Entree von Oberursel entscheidend aufwerte. Vom Konzept, das Gewerbegebiet Riedwiese vorranging kleineren Betrieben anzubieten, sei man gerne abgewichen, da MTS mit dem Umzug nicht nur ein wichtiges Standortbekenntnis ablege, sondern auch zwei attraktive Gewerbeflächen freimache. Die Flächen an Pfeiff- und Hohemarkstraße hat das Unternehmen gemietet. Nach Angaben Gottschalks laufen die Verträge 2017 aus.

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