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Fußgänger in Oberursel meist "die Gekniffenen"

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Von: Alexander Schneider

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Nach Plan geht die Gruppe in Weißkirchen die für Fußgänger besonders noralgischen Punkte ab.
Nach Plan geht die Gruppe in Weißkirchen die für Fußgänger besonders noralgischen Punkte ab. © jp

Die Bürgerbeteiligung für ein Fußverkehrskonzept startet mit einem Rundgang in Weißkirchen. Die anderen Stadtteile folgen.

Berufspendler und Hundegassigänger, die die Frankfurter Straße an der "Edeka-Kreuzung" am Ortseingang von Weißkirchen überqueren, müssen, wenn sie sich der Ampel anvertrauen, gute Nerven haben und etwas Sportlichkeit wäre auch von Nutzen. Die Grün-Phase währt nur wenige Sekunden. Man geht bei "grün" los und kommt unweigerlich bei "rot" drüben an, so sehr man sich auch sputet. Bewegungseingeschränkte scheiden da schon aus, sie sollten die Kreuzung besser meiden. Das Problem liegt nicht nur am kurzen "Grün", sondern auch daran, dass die Ampeln nicht verkehrsabhängig geschaltet sind, dass sie also auch am Wochenende und in den Ferien so tut, als führen täglich 15 000 Autos an ihr vorbei.

Den Weißkirchenern sind diese brandgefährlichen Verhältnisse schon seit langem bekannt und auch Dr. Uli Molter, Chef der Verkehrsplanung im Rathaus, räumt ein: "Ja, das ist wohl ein Problem." Hier habe aber nicht die Stadt die Hand an der Ampelsteuerung, sondern Hessen Mobil, sagte Molter am Mittwoch bei der Auftaktveranstaltung für das "Fußverkehrskonzept Oberursel", dessen Ziel es ist, fußgängersichere Stadtspazierwege in allen Stadtteilen zu eruieren.

Das Braunschweiger Planungsbüro "Plan&Rat" wird dazu etwa drei Kilometer lange Rundwege festlegen, die mit einander vernetzt zusammen etwa 20 Kilometer ergeben. Mit dem Rundgang durch Weißkirchen wurde nun begonnen, die weiteren Stadtteile werden in den nächsten Tagen folgen, Ergebnisse sollen bereits im Herbst präsentiert werden.

Nach Stierstadt am Donnerstag, geht es m 6. Juli nach Oberursel-Nord (Treffpunkt EDEKA-Parkplatz Hohemarkstraße/ Camp-King-Allee), am 7. Juli ist Oberstedten an der Reihe (Treffpunkt "Tante Anna", Hauptstraße/ Niederstedter Straße), am 12. Juli Bommersheim (Treffpunkt Bushaltestelle an der Friedenslinde), und am 13. Juli Oberursel Mitte (Treffpunkt Rathausplatz). Beginn ist jeweils um 16.30 Uhr. Die Rundgänge dauern etwa zweieinhalb bis drei Stunden.

Stadt macht vieles richtig, aber nicht alles

Nach einer ersten Inaugenscheinnahme des Wegenetzes in der Brunnenstadt kamen die beiden Planerinnen Juliane Krause und Ina Ockel zu der Auffassung, dass Oberursel, was die Fußgängerfreundlichkeit anbelangt, zwar vieles richtig macht, aber nicht alles. Man pflege einen guten und konstruktiven Kontakt mit dem "Arbeitskreis Fußverkehr". Bürger hätten zudem die Möglichkeit, sich noch bis 22. Juli über das Onlineportal https://stadt plan.oberursel.de/meldeplattform/ aktiv zu Themen des Fußverkehrs einzubringen. Sie werden aufgerufen, attraktive oder mangelhafte Verkehrssituationen direkt in einer Karte zu markieren und zu beschreiben. Die Anmerkungen und Hinweise fließen dann in den weiteren Prozess mit ein. Nachbesserungsbedarf gebe es dabei natürlich, weshalb zu den Rundgängen auch nicht nur Ortspolitiker eingeladen wurden und werden, sondern auch Bürgerinnen und Bürger. Diese, so die Planer, wüssten am besten, wo es in ihren Quartieren an Fußgängersicherheit fehle.

Die Erwartungen sind hoch. So meinte ein Weißkirchener, es sei seit Jahren kein Geheimnis, dass es bei der Oberurseler Verkehrsplanung in erster Linie immer erst um die Autofahrer gehe, Fußgänger seien meist die "Gekniffenen". Sorge um die Sicherheit von Fußgängern hatte auch Haldun Aktas an der Begehung teilnehmen lassen. Er hatte Bilder auf seinem Handy, denen zu entnehmen war, dass Fußgänger die Kurmainzer Straße wegen zu schmaler Gehsteige besser meiden sollten. Auch sei zu befürchten, dass die Straße, die immerhin auf Tempo 30 gedrosselt sei, durch die neue Einbahnregelung im Zimmersmühlenweg noch mehr belastet wird.

Gekommen war auch Ortsvorsteher Nikolaus Jung (CDU). Auch er wollte seinem Ärger Luft machen. Für mehr Fußgängersicherheit sorgen zu wollen, sei zwar ehrenwert. Noch besser wäre es für Jung aber gewesen, wenn die Ortsbeiräte von Anfang an in die Überlegungen zum Fußwegekonzept einbezogen worden wären. In den Ortsteilparlamenten wisse man mit am besten, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gibt, sagte Jung, der sich, wie auch seine Ortsvorsteherkollegen aus den anderen Stadtteilen, übergangen fühlt. Er persönlich habe erst sehr kurzfristig von der Begehung erfahren, das sei weder in Ordnung, noch der grundsätzlich positiven Sache dienlich.

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