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G20-Gipfel der Hobby-Kelterer-Elite in Oberursel

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Von: Alexander Schneider

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In Siegerpose: Klaus Etzel aus Wehrheim (re.) wird von Jockel Döringer (li.) zum Sieger der "10. Hessischen Apfelweinmeisterschaft" ausgerufen worden. Zu den ersten Gratulanten gehören Brunnenkönigin Verena I und Brunnenmeister Andreas.
In Siegerpose: Klaus Etzel aus Wehrheim (re.) wird von Jockel Döringer (li.) zum Sieger der "10. Hessischen Apfelweinmeisterschaft" ausgerufen worden. Zu den ersten Gratulanten gehören Brunnenkönigin Verena I und Brunnenmeister Andreas. © as

Nach einem Verkostungsmarathon bei der Hessischen Apfelweinmeisterschaft in der Straußwirtschaft Alt Orschel gewinnt Klaus Etzel aus Wehrheim.

Oberursel -"Ebbelwoi petze bei dere Hitz, wie kammer nur, is der wenischstens geschpritzt?", fragte sich ein älterer Orscheler am Sonntag, als die in diesem Jahr besonders schweißtreibende, "10. Hessische Apfelweinmeisterschaft" in der Straußwirtschaft "Alt Orschel" bereits auf der Zielgeraden war. Seinen richtigen Namen wollte der Skeptiker zum Schutz vor Ausgrenzung durch Freunde des Obstweins, die ihren Hohenastheimer bei jeder Witterung genießen, lieber nicht in der Zeitung lesen. Nennen wir ihn deshalb einfach "Herbert".

Nun, Herbert, das mit dem "Petze bei dere Hitz" (zu deutsch: Trinken bei hoher Außentemperatur) klappte sogar sehr gut, wie rund 280 zugelaufene Tester dadurch dokumentierten, dass sie hinterher auch noch weglaufen konnten. Na ja, die meisten. Und nein, der Ebbelwoi war nicht gespritzt.

Die Zugabe von Sprudel hätte die Geschmacksknospen des Probierpublikums bei der Suche nach dem puren Äpplerglück womöglich in die Irre geleitet. Wobei - dem einen oder anderen Degustationstrunk, den sich Kenner der Materie eher als Würzbeigabe zu saurem Kartoffelgemüse hätten vorstellen können (Probennummer der Redaktion bekannt), hätte ein Schuss Mineralwasser zur Förderung der Genießbarkeit durchaus gutgetan. Ja, die Urteile waren einerseits sehr hart, andererseits aber auch ehrlich. Man schenkte sich nichts unter Hobbykelterern, schon aus sportlichem Ehrgeiz heraus, schließlich geht es um ein Stück "güldene Hochkultur im Gerippten".

Grundsätzlich jedoch bekannte Orschels Schoppe-Papst und Meisterschaftsorganisator Jockel Döringer am Ende des dreitägigen Testmarathons völlig zu Recht, dass die Qualität der Mehrzahl der 20 eingereichten Proben durchaus im oberen, teils sogar im obersten Bereich der nach oben offenen Geschmacksskala lagen.

Er räumte allerdings auch ein, dass einige, wenn auch wenige "Drei-Männer-Weine" (einer gießt ein, einer trinkt, einer hält fest) dabei war.

Hochqualifizierte

Experten in der Jury

Zum Teil bestand die Jury aus hochqualifizierten Experten, denn natürlich tankten sich auch die Hobbykelterer selbst mit dem Probiergläschen in der Hand von Korbflasche zu Korbflasche durch und teilweise auch wieder zurück.

Da konnte es dann auch schon mal passieren, dass die Experten in der Annahme, gerade den eigenen Göttertrunk im Glas zu haben, vor der falschen, mit nassen Küchentüchern gekühlten Flasche in Ehrfurcht niederknieten. Obwohl den Teilnehmern nicht aus Geiz, sondern aus Fürsorge angeraten war, die Apfelweine besser in homöopathischen Dosen zu genießen. "Das hier ist eine Apfelweinverkostung, kein Flatrate-Saufen, maximal 0,1 Liter", stand warnend am auf einem Schild am Eingang zur Korbflaschengasse. Doch bei 20 Proben und einigen nachfolgenden Kreuz- und Querverkostungen kam der eine oder andere Schoppen zusammen, was dazu geführt hat, dass am frühen Sonntagabend bis zur Siegerehrung nicht nur die Spannung, sondern auch die Stimmung auf dem Höhepunkt war.

Nur vier Minuten hinterm Zeitplan trat Jockel Döringer, begleitet von Oberursels Brunnenkönigin Verena I und Brunnenmeister Andreas, vor das Publikum und erklärte sichtlich erleichtert "Es ist vollbracht!", indem er den gordischen Knoten der Expertenkakophonie löste, sich ab dem zehnten Platz nach vorne arbeitend den Podestplätzen näherte, letztendlich den Wehrheimer Klaus Etzel zum Hessenmeister 2022 ausrief und ihm den Siegerbembel, mit Goldrand, überreichte.

Dazu gab es noch ein vom Kronbergs Speierlingsexperten Heiko Fischer gespendetes Speierlingsbäumchen, das bei guter Pflege bereits in vier bis fünf Jahren erste Früchte tragen könnte. 20 Teilnehmer waren beim Schoppe-Contest zugelassen, alles Sieger von regionalen Wettbewerben in Hessen.

Das heißt mit anderen Worten: Es waren nur Könige am Start, gewissermaßen also ein royaler "G20"-Gipfel der Hessischen Hobbykelterer-Elite.

Alle drei ersten Plätze bleiben im Hochtaunuskreis

Eigentlich stand der Wehrheimer Klaus Etzel bereits seit Freitag, dem ersten Verkostungstag der "10. Hessischen Apfelweinmeisterschaft", mit einem Zwischenergebnis von 260 Punkten als neuer Apfelweinkönig fest und auch am Samstag und Sonntag lag er mit 446 bzw. 469 Punkten unangefochten auf Krönungskurs.

Das Endergebnis für den Sieger des Bad Nauheimer Wettbewerbs "Rote Pumpe" und seinen "Goldbohn-Schoppen" (nomen est omen, auch im Gerippten) mit 1175 Punkten spricht für sich.

Auch der 2. Platz ging nach Wehrheim, die Apfelweinschmiede "Café Bohris" , Sieger in Michelbach vor zwei Wochen, überzeugte die Tester mit 1045 Punkten mit "Wehrheimer Gold".

Auch der Bronzerang bleibt im Kreis, belegt von dem Bad Homburger Jürgen Kraft mit seinem "Kraftstoff" und 1027 Punkten. Er hatte den Wettbewerb in Seckbach für sich entschieden.

Nur fünf Punkte hinter ihm, gewissermaßen einen "wönzigen Schlock" später, ging der Bad Homburger Jan Winthuis mit "Bestia Dorado" durchs Ziel, schaffte es aber nur auf den undankbaren vierten Platz.

Weitere heimische Platzierungen bis Platz 10: Heiko Bohris, Wehrheim (Platz 7, "GA10"), Michael Braun, Oberstedten (Platz 8, "Dreiy, Dreiy, Dreiy"), Andre Renneißen, Mammolshain (Platz 10, "Andre sei Stöffche"). as

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