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Renate Messer zeigt die Skizzenbücher von Ferdinand Balzer, die die Familie Fach dem Vortaunusmuseum geschenkt hat.

Vortaunusmuseum freut sich über Schenkungen

Ganz besondere Skizzen

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Investitionen in den Brandschutz sind – wie im Rathaus und im Alten Hospital – nun auch im Vortaunusmuseum nötig. Was investiert werden muss, steht noch nicht fest. Die Überlegungen hierzu haben den Zeitplan für ein Projekt gehörig durcheinandergewirbelt.

„Es war ein anstrengendes Jahr“, sagt Renate Messer. Vor allem das Thema Brandschutz hat die Leiterin des Vortaunusmuseums 2015 in Atem gehalten. Einiges im Haus muss deswegen verändert werden – ähnlich wie in anderen städtischen Einrichtungen. Gemeinsam mit dem städtischen Betrieb BSO, der für das Gebäude zuständig ist, Brandschutzexperten der Stadtverwaltung und einem Architekten von Hessischen Museumsverband wurde eine Lösung für den jahrhundertealten Fachwerkbau gesucht, die zugleich den Museumsbetrieb nicht zu sehr einschränkt. „Wir müssen ein paar Türen austauschen“, sagt Messer. Zudem seien kleinere bauliche Maßnahmen notwendig. Die Planung im Detail samt Kostenaufstellung erfolge jetzt.

Die Brandschutz-Diskussion habe vieles aus dem Tritt gebracht, sagt Messer. Dazu gehört auch die Neukonzeption der Abteilung Stadtgeschichte. Die Arbeiten dafür wollten die Museumsleiterin und Mitarbeiterin Claudia Hollman längst abgeschlossen haben. Doch es habe zum Beispiel erst einmal geklärt werden müssen, ob wegen der Brandschutzauflagen etwas umgeräumt werden muss, erläutert Messer. „Im Frühjahr wird die Abteilung nun endgültig eröffnet.“

Eine der neu gestalteten Vitrinen, in der Exponate von den Ausgrabungen in der Altstadt ausgestellt sind, können Besucher bereits in Augenschein nehmen. Wie berichtet, soll die Dauerausstellung nicht mehr in Zeitabschnitte sondern nach Themen wie Arbeitswelt, Schulwesen und Lebenslinien gegliedert werden. Zu letzterem Punkt gibt es kurze Porträts von Oberurselern, etwa Gerda Jo Werner, die einst Modell für die Baumpflanzerin auf der 50-Pfennig-Münze stand.

Zudem sollen die Besucher über ein weiteres Info-Terminal – eines steht bereits in der Keltenausstellung des Museums – Zahlen und Fakten zur Stadtgeschichte abrufen können. Für die Neugestaltung der Abteilung erhält das Museum Zuschüsse vom Hessischen Museumsverband in Höhe von insgesamt 15 000 Euro.

Dass die ursprünglich für 2015 geplante Ausstellung zum Thema Migration erst in diesem Jahr zustande kommt, hat allerdings nichts mit den Diskussionen um Brandschutztüren zu tun. „Wegen der aktuellen Ereignisse, der vielen Menschen, die auf der Flucht sind, haben wir das Konzept für die Schau noch einmal komplett geändert.“ Sie soll nun unter dem Titel „ZusammenLeben“ stehen. Gemeinsam mit Stadtarchivarin Andrea Bott will Messer aufzeigen, was die Menschen über Jahrhunderte hinweg dazu bewegt hat, nach Oberursel zu kommen und was damit für die Neuankömmlinge und die Alteingesessenen verbunden war. „Fremd und doch bekannt“ lautet der Arbeitstitel für diesen Part der Ausstellung, der im Stadtarchiv zu sehen sein wird.

Im Museum hingegen soll es vor allem um die Definition von Begriffen gehen. „Jeder spricht von Migration und Integration. Aber weiß jeder tatsächlich, was das bedeutet?“, verdeutlicht Messer. Sie will zudem vermitteln, dass es immer Veränderung gab. Anschaulich soll dies ein Schrank mit vielen Schachteln vor Augen führen. In den Schachteln liegen Dinge – und die Ausstellungsbesucher sollen entscheiden, ob diese nach Oberursel mitgebracht wurden oder „schon immer da waren“. Mitte des Jahres, so der Plan, soll die Schau eröffnet werden.

Dass es im vergangenen Jahr keine große Sonderausstellung gab, hat sich auch bei den Besucherzahlen bemerkbar gemacht. Um die 8000 Gäste wurden gezählt. 2014 waren es noch 8430 gewesen.

20 000 Euro sind im Haushalt der Stadt für dieses Jahr als Zuschuss für Ausstellungen und Veranstaltungen (siehe INFO) eingestellt. Hinzu kommen Mittel des Hessischen Museumsverbandes. Sie werden zum Beispiel dafür verwendet, um die Beleuchtung im Haus Zug um Zug auf LED umzustellen. Eine weitere wichtige Quelle für die Finanzierung des Museumsbetriebs sind Spendengelder. Zu letzterem zählen auch die Beträge, die Besucher nicht selten in eine Box am Eingang werfen, da der Eintritt zum Museum frei ist.

Die Sammlung des Museums wurde im vorigen Jahr vor allem durch Schenkungen erweitert. Stolz zeigt Renate Messer vier Skizzenhefte von Ferdinand Balzer. Darin befinden sich etliche Entwürfe für den Festzug bei der Landwirtschaftlichen Ausstellung 1910 in Oberursel.

Um ein völlig anderes Sujet geht es bei den Entwürfen und Skizzen, die Angelina Androvic Gradisnik, Witwe des Aero-Lloyd-Mitbegründers Bogomir Gradisnik, dem Museum überlassen hat: Die Künstlerin, die in Oberursel lebt, hat einst Uniformen für die Flugbegleiter entworfen. Nicht nur die Entwürfe und die fertigen Zeichnungen werden nun im Magazin des Museums aufbewahrt, auch Stoffe, anthrazit glänzende Handschuhe und einiges mehr. Messer: „Das werden wir irgendwann auch ausstellen.“

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