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Wenn die Pläne Wirklichkeit werden und tatsächlich 30 000 Wohnungen an der A 5 gebaut werden, rückt Frankfurt (im Hintergrund ist die Skyline zu sehen) noch näher an Weißkirchen heran. Das wollen die Teilnehmer des Sternmarsches, zu dem die CDU aufgerufen hatte, verhindern.

Demonstration

Gegen neuen Stadtteil: 600 Menschen nehmen am Sternmarsch der CDU teil

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Die CDU hatte zum Sternmarsch gegen die Pläne der Stadt Frankfurt, an der A 5 ein Neubaugebiet für 30 000 Menschen zu schaffen, aufgerufen. 600 Menschen beteiligten sich nach Aussagen der Organisatoren.

Die Sonne hat auch gegen 17 Uhr nur wenig von ihrer Kraft eingebüßt. Aus den Lautsprechern ertönt die Hippie-Hymne „San Francisco“ von Scott McKenzie, als sich die Teilnehmer des Sternmarsches, zu dem die CDU-Verbände aus Frankfurt, dem Hochtaunus- und dem Main-Taunus-Kreis eingeladen hatten, über das staubtrockene Feld der Wiese nähern, auf der die Abschlusskundgebung stattfindet. Manfred Hense und Monika Meurer sind mit dem Rad in Praunheim gestartet. „Wir wollen zeigen, dass wir mit den Plänen, hier ein Neubaugebiet zu schaffen, nicht einverstanden sind“, sagt Manfred Hense. Wohnraum ließe sich doch auch schaffen, indem über Discount- und Supermärkten Wohnungen gebaut werden.

Der Ort der Abschlusskundgebung ist mit Bedacht gewählt: Von dem Feld des Weißkirchener Landwirts Richard Bickert aus lässt sich ermessen, was es bedeutet, wenn sich Frankfurt über die Autobahn 5 hinaus in Richtung Taunus weiter entwickelt. Noch liegt ein breites Band an Ackerflächen zwischen der A 5 und Weißkirchen und Steinbach. Das würde sich ändern, wenn die Pläne von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) verwirklicht würden, diesseits und jenseits der Autobahn neuen Wohnraum für 30 000 Menschen zu schaffen.

Ulrich Krebs, Landrat des Hochtaunuskreises, sagte am Rande der Veranstaltung, er fühle sich angesichts des Protestes an seine Zeit als Erster Stadtrat in Flörsheim und den Widerstand gegen den Flughafenausbau Anfang der 2000er Jahre erinnert. Allerdings rechnet er sich jetzt größere Chancen aus, das Vorhaben zu verhindern als damals gegen die Landebahn Nord.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Altenkamp aus dem Wahlkreis 181 (Main-Taunus) hatte vom Rednerpult aus, „Frankfurt im Blick und den Taunus im Rücken“. Er nannte das geplante Neubaugebiet eine Trabanten- und

Retortenstadt

für 30 000 Menschen und machte deutlich, dass er in der Autobahn so etwas wie eine „natürliche Grenze“ sehe. Es gelte dafür zu kämpfen, dass Frankfurt nicht über die A 5 greife. Er hoffe, dass von der Veranstaltung ein Signal für einen Dialog ausgehe. Frankfurt müsse von seinem hohen Ross herabsteigen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jürgen Banzer betonte, es handele sich nicht um eine Veranstaltung gegen Frankfurt oder gegen den Wohnungsbau. Doch sollten Wohnungen dort gebaut werden, wo es sinnvoll sei und nicht an einer der meistbefahrenen Autobahnen Deutschlands. Angesichts der hohen Kosten für den Lärmschutz und die Verlegung von Trassen zweifelt Banzer daran, dass es kostengünstig sei, dort Wohnraum zu schaffen.

Veljko Vuksanovic, CDU-Direktkandidat des Wahlkreises Frankfurt II bei der Landtagswahl, unterstrich die Bedeutung der Ackerflächen für die Entstehung von Kaltluft. Er lehne das Projekt sowohl auf dieser als auch auf der anderen Autobahnseite ab.

Karl-Josef Rühl von der Initiative „Heimatboden vor Frankfurt“ sprach sich gegen Landfraß aus und freute sich über so viele Mitstreiter: „Die CDU als Protestpartei, das ist mir völlig neu.“ Markus Koob, Bundestagsabgeordneter für den Hochtaunuskreis, unterstrich, dass es nicht um Kleingeistigkeit gehe, wie es den Gegnern des Bauvorhabens seitens der SPD vorgeworfen werde, sondern um das Aufnehmen der Sorgen der Bürger um Heimat, Zukunft und Lebensqualität. Er forderte im Dialog „intelligente Lösungen“. Koob: „Das ist der Unterschied zu einer Protestpartei, die nur ein Dagegen-Schild hoch hält. Jens Uhlig, Fraktionschef der CDU Oberursel, hatte mit 200 Teilnehmern gerechnet. Es seien doppelt, vielleicht sogar dreimal so viele gekommen. Er wandte sich gegen die großflächige Versiegelung der Ackerflächen – im Sinne kommender Generationen.

Die Stadtverbände wurden aufgefordert, die „Weißkirchener Erklärung“ zu unterzeichnen. Auf regionaler und auf Landesebene sollen konstruktive Gespräche zu Alternativen aufgenommen werden.

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