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Gemütliche Runde: Sandra Thiel, Birgit Wulff, Martin Wulff, Walter Breinl und Nico Thiel (von links) lassen es sich in ?Lilohh?s Lounge? gutgehen.

Fest

Das Geheimnis des Oberurseler Brunnenfests

Alljährlich lädt das Brunnenfest zum Feiern, Schmausen und gemütlichem Beisammensein in der Oberurseler Altstadt. Aber was zeichnet das Brunnenfest eigentlich aus? Wohin gehen die Besucher gern? Welchen Stellenwert besitzt die Veranstaltung für Orschel? Wir haben uns am Samstag mal ein wenig auf dem Festgelände umgehört.

Gut gelaunt steht Holger Himmelhuber auf dem Oberurseler Marktplatz. Normalerweise sorgt der Stadtbrandinspektor für Sicherheit in der Brunnenstadt, am heutigen Nachmittag darf er entspannen und genießt jetzt am Frohsinn-Grill gemeinsam mit Gattin Christiane und Bekannten die letzten Sonnenstrahlen eines überaus warmen Brunnenfest-Samstages. „Natürlich“, antwortet er wie aus der Pistole geschossen auf die Frage, ob er denn jedes Jahr zum Brunnenfest gehe. „Als Orscheler ist das eine Pflichtveranstaltung.“

Der Stand des Karnevalvereins Frohsinn ist dabei stets eine der ersten Anlaufstellen des 58-Jährigen. „Hier kennt man die Leute und kann immer ein nettes Schwätzchen halten“, so der Brunnenfest-Veteran. Der Frohsinn-Grill dient der Vierergruppe heute als Ausgangspunkt ihres Tripps übers Festgelände. Gleich geht es noch in die Neutorallee zum Fischessen am Stand des Vereins „Windrose“, danach in Lilohh’s Lounge in der Oberen Hainstraße, wo von 20 Uhr „Frisch gepresst“ an spielen wird. Himmelhuber freut sich schon auf die Coverband. „Die Musik-Acts sind für mich seit jeher ein Highlight“, schwärmt Himmelhuber.

Im lauschigen Innenhof von „Lilohh’s Lounge“ hat sich Walter Breinl bereits ein schattiges Plätzchen gesichert und wartet gemeinsam mit Ehefrau Sandra (51) und Sohnemann Nico (10) auf den Beginn des Konzertes. „Mit der Musik auf dem Brunnenfest bin ich groß geworden. Von den Livemusik-Ständen werde ich deshalb magisch angezogen. Wir waren vorhin auch schon beim Band-Meeting im Garten der Helen-Keller-Schule“, erzählt der ehemalige Leiter der Integrierten Gesamtschule Stierstadt. Dass die Familie nun in „Lilohh’s Lounge“ sitzt, ist dennoch eher Zufall. „Wir sind hier vorbeigelaufen und haben plötzlich unsere Nachbarn entdeckt. Da haben wir uns natürlich dazugehockt“, sagt der 67-Jährige und lacht. „Der Klassiker auf dem Brunnenfest. Man trifft immer wieder bekannte Gesichter. Da vorne steht ein alter Schulkollege von mir, den ich seit 40 Jahren nicht gesehen habe“, deutet er in Richtung des Getränkestandes.

„Aufs Brunnenfest kann man wirklich ohne Verabredung kommen. Jeden Zehnten oder Zwanzigsten kennte man von irgendwoher“, sagt auch Jochen Papenbrock (39), der sich gerade am Stand des Oberurseler Billardclubs ein kühles Erfrischungsgetränk genehmigt. Neben ihm steht mit Sascha Borchert ein waschechter Orscheler. Der alljährliche Besuch auf dem Brunnenfest gehöre für ihn einfach dazu, erklärt der 45-Jährige. „Das Fest hat sich auch sehr zum Positiven verändert. Früher gab’s oft Schlägereien, mittlerweile ist alles viel angenehmer und friedfertiger. Man kommt einfach zusammen und feiert in jedem Hof“, lobt der 45-Jährige.

Der Marktplatz hat sich unterdessen gut gefüllt. Dicht an dicht stehen die Feiernden vor der Hauptbühne, auf der gleich die Rockband „Backtrip“ auftreten wird. Direkt davor sitzen Andrzej Grützner, Danuta Kiliszek (54), Katarzyna Kowanska und Evelina Kochanek-Dobosz (41). In den vergangenen beiden Stunden haben sie hier die Talentshow „Kickfaktor“ verfolgt. „Das war super und unser Applaus nicht gespielt“, zeigt sich der 61-jährige Grützner von den Sanges- und Tanzeinlagen ganz begeistert. Wohin es das Quartett jetzt zieht, wissen die Vier noch nicht. „Normalerweise wären wir zum Irish Pub gegangen, aber der hat heute nur bis 22 Uhr auf. Also schlendern wir noch ein wenig herum und schauen dann mal,“ so die 42-jährige Kowanska.

Heiko Hahnenstein weiß hingegen immer ganz genau, wo es hingeht auf dem Brunnenfest. „Ich bin jedes Jahr beim Food-Truck „Mutti freut sich“. Da trifft man viele Leute und das Essen ist wahnsinnig gut“, sagt der 28-jährige Köpperner, der mit Freundin Lisa (25) in der Unteren Hainstraße unterwegs ist. Auch heute hat er dem knallgelben Essensmobil schon einen Besuch abgestattet und schwärmt vom hausgemachten Burger mit Handkäs. „Ein echtes Orscheler Produkt.“ Leckere Pizza gibt’s hingegen im Hof der Pfarrei St. Ursula in der St.-Ursula-Gasse. Standhelferin Gaby Gorißen legt hier gerade eine Pause ein und verbringt die freie Zeit mit Tochter Annika (41), Schwiegersohn Michael (48) und Enkelin Paula (4). Für die 66-Jährige ist das Brunnenfest absoluter Pflichttermin im Kalender.

„Darauf stimme ich sogar meinen Sommerurlaub ab. Vor ein paar Jahren habe ich das mal bei der Buchung vergessen und das Brunnenfestwochenende etwas wehmütig in den USA verbracht“, erinnert sich die Oberurselerin. Den Zauber des Brunnenfestes erklärt sie mit den vielen ehrenamtlichen Helfern und der gemütlichen Atmosphäre in den Höfen.

Bei allem Lob der Besucher, einen kleinen Kritikpunkt Holger Himmelhuber dann doch: „Es gibt mittlerweile zu viele kommerzielle Stände. Das war mal anders. Mir sind die Vereinsstände am liebsten. Denn gerade das Vereinsleben zeichnet Orschel ja aus.“

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