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Die Geige schmollt und wird von der Bratsche getröstet

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Ihren ersten Konzertbesuch erlebten die meistern der 230 Schüler der Burgwiesenschule beim kleinen Gastspiel eines Streichquartetts des Hessischen Rundfunks.	Foto: Priedemuth
Ihren ersten Konzertbesuch erlebten die meistern der 230 Schüler der Burgwiesenschule beim kleinen Gastspiel eines Streichquartetts des Hessischen Rundfunks. Foto: Priedemuth © Jens Priedemuth

Das Streichquartett des Hessischen Rundfunks gab ein ungewöhnliches Konzert in der Burgwiesenschule und ließ dabei Finken lebendig werden. Die Kinder waren begeistert.

Von Carla Marconi

Lustige Finken, torkelnde Soldaten und hingebungsvolle Walzertänzer: Das waren nur einige der Akteure, die vom musikalischen Quartett des Hessischen Rundfunks, das an der Burgwiesenschule in Bommersheim spielte, zum Leben erweckt wurden. „Musik kann Geschichten erzählen“, sagte Schuldirektorin Michaela Wiehl, und die etwa 230 Schüler waren beeindruckt. Für viele war es die erste Begegnung mit klassischer Musik sowie der erste Konzertbesuch.

„Wir waren bereits vor fünf Jahren hier an der Schule“, erinnerte sich Ulrike Mäding-Lemmerich, die im HR-Quartett die Erste Geige spielt und die Mutter des neunjährigen Valentin ist, der die Burgwiesenschule besucht. Er übernahm auch die Aufgabe des Moderators, der professionell und amüsant durch Paul Hindemiths „Minimax“-Stück führte. „Ein Streichquartett ist wie ein Quartett-Kartenspiel, bei dem sich jedoch die einzelnen Karten minimal unterscheiden.“ So sei das auch mit den Instrumenten. Violine, Zweite Geige, Bratsche und ein Cello standen auf der Bühne und wurden von den Musikerinnen des HR gekonnt in Szene gesetzt. „Hindemith hat Witze in seiner Musik eingebaut, das werdet ihr gleich hören“, versprach Valentin seinen Mitschülern.

Soldaten stolpern

Bei einem Marsch machte es den Anschein, als würden Soldaten stolpern. Einige Kinder hielten sich dabei die Ohren zu. Weiter ging es mit den verschiedenen Charakteren, die vor den Augen der Zuhörer lebendig wurden, ebenso wie die Finken, die durch den Raum zu flattern schienen. Sie wurden von den pfeifenden Kindern begleitet, die eine Menge Spaß hatten.

„Früher, als Hindemith das Stück komponiert hat, da gab es keinen Fernseher. Die Leute gingen in die Oper, um sich dort Geschichten anzuschauen“, wusste Valentin, der auch noch einen ungewöhnlichen Streit schlichten musste. Die Zweite Geige wollte gerne mit der Ersten Geige tauschen, womit die Erste jedoch nicht einverstanden war. Da schmollte die Zweite Geige, stand auf und verließ die Aula, während die Bratsche mitlief, um sie zu trösten. So spielten Violine und Bratsche in der Aula, zweite Geige und Bratsche ertönten jedoch aus dem Gang. Ein Gag, den die Zuschauer mit Gelächter quittierten.

„Dass das Quartett ehrenamtlich für uns spielt, ist eine große Bereicherung für unseren Musikunterricht“, betonte Direktorin Wiehl. Dadurch könne man die Kinder an klassische Musik heranführen. Viele würden nur Pop-Musik kennen. „Mal live mitzubekommen, wie schön Instrumente klingen können, ist für alle ein ganz besonderes Erlebnis“, sagte Wiehl. Und dass die Kinder davon begeistert waren, zeigten sie mit tosendem Applaus, Standing-Ovations sowie lauten Zugabe-Rufen am Ende dieses außergewöhnlichen Konzertes.

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