Im Bommersheimer Feld

Geowissenschaftler suchen nach wasserreichen Bodenschichten

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Bei der Versorgung mit Trinkwasser kommen die Oberurseler Stadtwerke in trockenen Sommern wie diesem an ihre Grenzen. Sie suchen nach einem ertragreichen Standort für einen neuen Brunnen. Derzeit wird der Boden sondiert.

Ein knapper Kilometer rotweiße Pylonen säumen seit Wochenbeginn den Fahrweg im Feld, der am St. Georgshof vorbei in Richtung Autobahn führt. Eine Spaziergängerin lugt in den Transporter, der am Feldrand steht. „Was wird denn hier gemacht?“, fragt sie. Die beiden Geophysiker im und am Wagen geben Auskunft, die Frau wandert klüger weiter.

Was oberirdisch einen unscheinbaren Eindruck macht, ist doch ein Projekt mit Tiefgang. Unter den rotweißen Hütchen stecken sogenannte Erdungsspieße im Boden – jeden Meter ein Messstab. Es sind Elektroden, die per Kabel verbunden sind und so in Wechselwirkung miteinander stehen. Die Steuerung läuft über ein Gerät im Transporter. Matthias Otto, Mitarbeiter der Gesellschaft für Geowissenschaftliche Dienste (GGD) aus Leipzig, hat die Spannung im Blick.

Die GGD erstellt im Auftrag der Oberurseler Stadtwerke einen Überblick über die Bodenbeschaffenheit im Bommersheimer Feld. Gemessen werden ein 3,7 Kilometer langer Streifen, der von der A 661 bis zur östlichen Bebauung der Weißkirchener Straße geht, sowie zwei Querstreifen in der Nähe des St. Georgshofs. In vier Wochen wollen die Wissenschaftler in Stierstadt angekommen sein.

„Anhand des Messprofils bekommen wir einen Schnitt des Bodens“, erläutert Senior-Geophysiker Jakob Schwabe. Bekannt ist bereits, dass im Bommersheimer Feld unter dem dicken Lehmboden Geröllschichten sind. Das hatten die Stadtwerke im Frühjahr bereits mit dem Büro für Hydrogeologie und Umwelt aus Gießen in Erfahrung gebracht (siehe weiteren Text). Hier vermuten die Stadtwerke Wasserrinnen. Denn sie suchen nach einem Ort, an dem es sich lohnt, einen weiteren Brunnen zu bohren. Die jetzigen geophysischen Messungen sollen diese Annahme mit tatsächlichen Werten belegen.

Je breiter das Versuchsfeld, umso tiefer liegende Erdschichten können sondiert werden. Die wasserführenden Schichten vermutet man in etwa 150 Metern Tiefe. „Wir bilden den Untergrund-Widerstand als Struktur ab“, erläutert Schwabe. Dazu wird über die Elektroden schwacher Strom ins Erdreich geleitet. Der elektrische Widerstand der verschiedenen Schichten im Boden ist unterschiedlich. Schwabe: „Lehm leitet gut, Gestein nicht.“ Und bekanntermaßen leitet auch Wasser gut den Strom. Somit können die Wissenschaftler durch die elektrischen Impulse wasserreiche Bodenschichten erkennen. „Das ist ähnlich wie beim Ultraschall“, erklärt Schwabe.

96 Elektroden stecken bei den Messungen gleichzeitig im Erdreich; pro Messung werden immer vier gebraucht. Je weiter diese auseinander sind, umso tiefere Erdschichten werden erfasst. Peu a peu wandert das knapp einen Kilometer lange Pylonenfeld westwärts. Erdungsspieße werden herausgezogen und weiter vorne wieder in den Boden gestreckt. „Die Anlage rollt quasi weiter, damit wir neue Kombinationen von Elektroden haben“, so Schwabe.

Bürger, die nicht so interessiert an den Messungen sind wie die Spaziergängerin im Bommersheimer Feld, sollten von dem Prozedere nicht viel mitbekommen. Allerdings müssen die Geophysiker über die Frankfurter Landstraße. Da habe man keine Genehmigung für eine Kabelbrücke bekommen, so Schwabe. „Deshalb muss eine Nut in die Asphaltdecke gefräst werden.“ Bei diesen Arbeiten kann es kurzfristig Behinderungen geben. Liegt das Kabel einmal in der Nut, können Fahrzeuge einfach darüberfahren.

Die Messachse verläuft auch direkt übers Grundstück einiger Stierstädter. Was aber keineswegs heißt, dass dort ein Brunnen gebohrt wird. Die Messungen sind laut Stadtwerken als „mittelfristige Maßnahme“ zu sehen.

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