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Ulrike Backhaus und Irmgard Buggert-Fehn gehören zum Team, das den Weltladen in Oberursel am Laufen hält.

Fairer Handel

Weltladen in Oberursel sucht ehrenamtliche Unterstützer und mehr Raum

In diesem Jahr hat der Eine-Welt-Verein Oberursel für sein langjähriges Engagement die Bürgermedaille bekommen. Eine Initiative des Vereins ist der Weltladen. Mit ihm ist der Eine-Welt-Verein 2008 unter die Einzelhändler gegangen. Bis heute laufen die Geschäfte hier nach bestimmten Fairnesskriterien, wie vor kurzem mit der Verlängerung des World-Fair-Trade-Siegels bestätigt wurde.

Im Oberurseler Weltladen darf man stolz sein. Denn erst vor kurzem wurde das 2016 erstmalig verliehene World-Fair-Trade-Siegel, das nach einer umfangreichen Prüfung von der WFTO (World Fair Trade Organisation) vergeben wird, bis 2020 verlängert.

Für den Laden und seine Macher ist das eine Bestätigung der eigenen Arbeit und ein wichtiges Zeichen für die Kunden. Sie können sich darauf verlassen, dass die bunten Taschen aus Bangladesch, die handgefertigten marokkanischen Körbe und das Hautöl aus Brasilien fair gehandelt wurden. Das gilt auch für die Bananen, die immer dienstags frisch reinkommen.

Einer von 800 Weltläden in Deutschland

800 sogenannte Weltläden gibt es in Deutschland. In Oberursel ging er 2008 aus einer Initiative des Eine-Welt-Vereins hervor, der unlängst mit der Bürgermedaille ausgezeichnet worden ist. Gelegen in der Haingasse findet sich der Weltladen mitten in der Innenstadt.

Das kann, abgesehen von der guten Erreichbarkeit, auch im übertragenen Sinne verstanden werden: Völkerverständigung, Solidarität, Fairness und Globalität haben damit ihre feste Verankerung mitten im städtischen Alltagsleben.

„Das sind alles Themen, die uns von Anfang an bewegt haben“, sagt Ines Greve vom Leitungsteam des Weltladens, die auch dem Vorstandsteam des Vereins angehört. Zugleich sei die Gründung in eine Zeit gefallen, in der sich die Vorstellung von sinnvoller Entwicklungsarbeit endgültig geändert habe, bemerkt Christiane Becker, ebenfalls vom Vorstand und vom Leitungsteam des Ladens, im Gespräch mit der Taunus Zeitung. „Wir wollten und wollen nicht mit Geld- oder Sachspenden helfen, sondern die Strukturen unterstützen, die es an Ort und Stelle unter anderem in Sierra Leone, in Guatemala, Südafrika oder Vietnam gibt“, führt Becker aus.

Die Produkte, die im Laden angeboten werden, stammen aus Kooperativen und kleinen Genossenschaften. „Wichtig ist uns außerdem die politische Arbeit, dass die Kleinbauern über ihre Rechte aufgeklärt werden, die sie als Produzenten haben, damit sie selbstbestimmt agieren können“, betonten Greve und Becker.

Vieles wird vom Dachverband der Weltläden organisiert, zu dem der Oberurseler Laden gehört. Außerdem arbeitet man mit fairen Exporteuren wie Gepa und Contigo zusammen, die wiederum vor Ort in Afrika und Asien die Bedingungen prüfen und für eine faire Entlohnung sorgen. „Uns ist wichtig, dass es über die bloße Existenzsicherung hinaus geht“, sind sich Becker und Greve einig.

Mit viel Herzblut wir der Laden geführt

Zwar laufe der Laden erfreulich gut, dennoch könne er ohne das ehrenamtliche Engagement nicht funktionieren, rechnet Christiane Becker vor. „Wegen der sehr geringen Gewinnmargen im fairen Handel gibt es in Deutschland nicht einen Weltladen, von dem ein Inhaber wirklich leben könnte. Wir alle arbeiten mit viel Herzblut“, erklärt sie.

Organisiert wird das Geschäft mit einem etwa 40-köpfigen Freiwilligen-Team. Immer zwei von ihnen übernehmen drei Stundenschichten. Der Laden ist täglich außer sonntags geöffnet.

„Zuverlässige Mitarbeiter sind der Kern in diesem Laden,“ sagen Greve und Becker. Allein: Es wird immer schwieriger, dies personell zu stemmen, „denn wir werden nicht gerade von jungen Leuten überlaufen, die hier mitmachen möchten“ – ehrenamtlich versteht sich.

Neben dem fairen Handel wollen die Macher des Weltladens 2019 das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus nehmen. Und dann gibt es da noch diese beiden Wünsche: „Wir wünschen uns größere Räume, aber leider könne wir uns die wegen der hohen Mieten in der Innenstadt nicht leisten“, bedauert Becker. Sollte es aber irgendwann doch klappen, dann wäre man Traum Nummer zwei ein Stück näher gekommen – einem Laden mit fair gehandelter Kleidung. Greve fügt mit einem Lachen hinzu: „Aber bestimmt nicht mit Jute-Outfits, sondern im modernen Bionade-Schick.“

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