Ulrich und Dana Müller-Braun garantieren Spannung mit ihren Eintracht-Krimis.
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Ulrich und Dana Müller-Braun garantieren Spannung mit ihren Eintracht-Krimis.

Lesegenuss

"Grenzgänger" bei den 2. Oberurseler Literaturtagen

  • VonGabriele Calvo Henning
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Vom 28. Oktober an gibt es acht Veranstaltungen an vier Tagen. Verschiedene Kooperationen tragen das Konzept. Die Lesungen versprechen spannend zu werden.

Die Premiere der Oberurseler Literaturtage im vergangenen Jahr musste noch mit vielen strengen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie kämpfen. Dennoch wurden sie als Erfolg verbucht. Und sie haben die Organisatoren beim städtischen Kultur- und Sportförderverein Oberursel (KSfO) zusammen mit ihren Partnern dazu motiviert, das Event fortzusetzen.

"Grenzgänger" lautet die Überschrift der zweiten Literaturtage und der Begriff wird unterschiedlich gefüllt, geht es doch ums Grenzen überschreiten, um die Erfahrung des Andersseins, um das Ausloten von Grenzen im Kopf, im Miteinander oder auf der Suche nach dem eigenen Ort. So kann gleich am ersten Abend (28. Oktober) Asal Dardan bei ihren "Betrachtungen einer Barbarin" zugehört werden. In der autobiografischen Essaysammlung nimmt die 1978 in Teheran (Iran) geborene und in Deutschland und England aufgewachsene Schriftstellerin ihre Zuhörerschaft auf die Reise zu ihren weiteren Lebensstationen in den USA, auf Sardinen und in Schweden mit. Das ist zugleich eine sprachlich wie persönlich intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Herkunft, Fremdsein und Rassismus. Das Buch wurde zwischenzeitlich für den Deutschen Sachbuchpreis 2021 nominiert.

Einen Tag später (29. Oktober) liest Schauspielerin Patricia Litten aus dem Buch, das sich ihre Großmutter Irmgard in der Emigration von der Seele geschrieben hat. In "Eine Mutter kämpft gegen Hitler" beschreibt sie ihren Kampf um das Leben ihres Sohnes Hans, der als junger Rechtsanwalt wagte, 1931 Adolf Hilter in einem Prozess in den Zeugenstand zu holen, was dieser ihm nie verzieh. Litten gehörte zu den ersten, die unter dem Naziregime verhaftet wurden. Er nahm sich schließlich schwer gefoltert 1938 im KZ Dachau das Leben. Trotz aller Anstrengungen und Risiken konnte ihn seine Mutter nicht retten.

Mal kulinarisch,

mal kriminell

Am Samstag, 30. Oktober, wird dann das Glück beleuchtet, das für jede Person etwas anderes bedeutet. Für die Hauptperson in dem Buch der dänischen Autorin Tanja Blixen (1885 - 1962) "Babettes Fest" ist dies ein französisches Diner, zu dem die aus dem revolutionären Frankreich Geflohene ihre pietistisch-asketischen Obdachgeberinnen einlädt - nicht nur eine kulinarische Grenzerfahrung, gelesen von Schauspielerin Susanne Schäfer und am Flügel mit Klaviermusik von Edvard Grieg begleitet durch den Pianisten Rolf Kohlrausch.

Ebenfalls am Samstag wird es kriminell, wenn Autor, Pressemann und Eintracht-Kenner Ulrich Müller-Braun zusammen mit seiner Tochter, der Schriftstellerin Dana Müller-Braun aus den gemeinsamen Eintracht-Krimis "Nachspielzeit" und "Das Auge des Adlers" liest und Sportredakteur Severin zusammen mit Eintracht-Pressesprecherin Lydia Grenzen erleben und überschreiten lässt. Gänsehaut garantiert.

Am letzten Literaturtag (31. Oktober) gehört dem Leipziger Autoren Matthias Jügler und seinem im Frühjahr erschienenen Roman "Die Verlassenen" der Vormittag. Anhand des Ich-Erzählers Johannes, der noch in der DDR geboren, fünf Jahre nach der Wende vom Vater verlassen wurde, und dessen Leben, seine Vergangenheit und Zukunft zwanzig Jahre später schmerzlich in Frage gestellt werden, als er einen Brief findet. Das Gespräch mit dem Autor führt der Frankfurter Feuilletonredakteur Jan Wiele.

Tiefe Einblicke in die Welt des Schreibens gibt es ab Sonntagnachmittag zunächst mit einer Präsentation des VHS-Kurses "Vom Erzählen", in dem die Teilnehmenden ihre vielfältigen Texte, Figuren und Arten, eigene Literatur zu produzieren, präsentieren. Ähnliches ist beim Abschluss der Literaturtage zu erleben mit dem Frankfurter Literaturclub der Frauen aus aller Welt. Seit 20 Jahren ein Begegnungsort für schreibende Frauen geben vier von ihnen Einblick in ihr kreativ-literarisches Schaffen. Dabei sind Barbara Höhfeld, Reha Horn, Verena Tirreno und Pupuze Berber.

So eine literarische Veranstaltungsreihe braucht Partner. Um auch in diesem Jahr Literatur erlebbar zu machen, kooperieren die Stadtbücherei Oberursel, der Internationale Verein Windrose und die Buchhandlungen Libra und Bollinger genauso mit dem KSfO wie die VHS Hochtaunus und die Literatur- beziehungsweise Kulturvereine Kulturkreis Oberursel, LiteraTouren und der Kunstgriff, ganz nach dem Motto: Eine Stadt. Acht Partner. Acht Events. Finanzielle Unterstützung gibt es von der Stiftung der Frankfurter Sparkasse 1822. alv/red

Spielorte, Anmeldungen und Eintrittskarten

Veranstaltungsorte sind der große Sitzungssaal im Rathaus und die benachbarte Stadthalle Oberursel. Für den Zutritt zu den Veranstaltungen gilt wegen Corona die 3G-Regel, also Zutritt nur für Geimpfte, Genesene und Getestete. Heißt: Getestet mit negativem Antigen-Test, der nicht älter als 24 Stunden sein darf oder mit einem PCR-Test, nicht älter als 48 Stunden und Genesene mit einer Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten.

Tickets für kostenpflichtige Veranstaltungen können online auf der Homepage des KSfO (www.ksfo.de) erworben werden. Außerdem können Tickets in der Stadtbücherei oder in den Buchhandlungen Libra, Bollinger und Supp (Bad Homburg) gekauft werden.

Für die kostenfreien Veranstaltungen benötigt man kein Ticket, allerdings ist eine Anmeldung erforderlich. Diese läuft online ebenfalls über die Homepage des KSfO (www.ksfo.de/literaturtage). Dort kann auch das Programm eingesehen werden. Programmhefte liegen auch in verschiedenen Einrichtungen und Geschäften in der Stadt aus. red

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