Grüne unterstützen keinen Kandidaten

  • vonAlexander Schneider
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Anders als vor sechs Jahren geben die Grünen bei der Bürgermeisterwahl 2015 keine Wahlempfehlung. Das hat nicht nur inhaltliche Gründe.

Die Grünen haben sich bei einer Versammlung am Montag aus inhaltlichen und strategischen Gründen entschieden, für die Bürgermeisterwahl am 21. Juni weder Amtsinhaber Hans-Georg Brum (SPD) noch Herausforderer Thorsten Schorr (CDU) durch eine Empfehlung an die Wähler zu unterstützen, obwohl die Sympathien eher bei Brum als bei Schorr lagen. Bei der Wahl vor sechs Jahren hatten die Grünen noch eine Wahlempfehlung für Brum gegeben.

Nach dem Ergebnis der Kandidatenbefragung am Donnerstag (TZ berichtete) sind beide den Grünen „nicht grün genug“. Sechs der elf erschienenen Mitglieder hatten für eine offizielle Wahlempfehlung kein Erfordernis, zum Teil sogar eine gewisse Gefahr für die Unabhängigkeit der Partei für die Zeit nach der Kommunalwahl im Frühjahr 2016 gesehen. Es gab vier Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Eine Unterstützung eines der beiden Kandidaten jetzt könne die Chancen grüner Einflüsse bei der Bildung von Koalitionen schmälern. Wolfgang Schmitt glaubt bereits jetzt, dass es für Rot-Grün im eher konservativ geprägten Oberursel kaum reicht. Brum bei dessen Wahl unterstützt zu haben, könne sich beim Schmieden von Koalitionen nachteilig auswirken. Schwarz-Grün sollte als Option nicht ohne Not aufgegeben werden. Es gab aber auch vier Mitglieder, die sich eine Unterstützung des Amtsinhabers gewünscht hätten, wenn auch nicht aus der Überzeugung heraus, einem Sachwalter grüner Positionen ins Amt zu helfen – „wirklich grün“ werde auch Brum wohl nicht mehr –, sondern weil es gelte, Thorsten Schorr als Bürgermeister zu verhindern. Die CDU, das stellte Fraktionschefin Christina Herr bei aller Skepsis gegenüber Schorr fest, habe sich in letzter Zeit deutlich auf die Grünen zubewegt, „während sie uns nach der letzten Kommunalwahl als denkbaren Koalitionspartner noch nicht ernstgenommen hat“.

Auch die von Norbert Halas vorgeschlagene Option, zwar keinen der beiden als Partei zu protegieren, aber den Mitgliedern zu empfehlen, sich in der „Initiative Brum“ für dessen Wahl einzusetzen, wurde nicht gezogen. Herr wandte ein, es gehe um eine Persönlichkeitswahl, bei der jeder Wähler seinem Gewissen folgen müsse.

Nach Punkten sei aus der Diskussion klar Brum als Sieger hervorgegangen. Allerdings hätten beide mehr oder weniger nur so geantwortet, wie es wohl ihren Vorstellungen von den Erwartungen der Grünen entsprochen habe. Substanzielle Unterschiede habe es kaum gegeben. Dennoch sei Brum „authentischer rübergekommen“, nicht zuletzt weil er ungefragt in seinem Schlusswort die Flüchtlingsproblematik „aus dem Herzen heraus und emotional“ angesprochen und in diesem Punkt ganz auf grüner Linie gelegen habe.

Brum erschien den Grünen insgesamt als der kompetentere der beiden, ausgestattet mit Amtserfahrung und klarem, wenn auch nicht grünem Planungshorizont. Schorr dagegen gebe den „braven Parteisoldaten“, habe sicher Erfahrung im Finanzbereich, sei aber „kein Mann für die erste Reihe“ und in vielen Bereichen kaum durchschaubar. Er verlasse der Polarisierung im Wahlkampf wegen bisher von ihm und der CDU eingenommene Positionen, etwa bei der bisher von der Union abgelehnten Schaffung neuer Hortplätze, sagte Herr. Sie kritisierte auch Schorrs „populistische Verteufelung“ der Bebauung von Bommersheim Süd unter Nutzung eines JU-Flyers, der nicht einmal ein Impressum habe. Mit dem Antrag, das Gebiet aus dem Flächennutzungsplan streichen zu lassen, verlasse er den Konsens aller. Brum hingegen wird bei den Grünen eher als kalkulierbar eingeschätzt.

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