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Die historische Halle des Friedländerhauses stand schon, als sich die ersten Besucher der Klinik Hohe Mark ins Gästebuch eintrugen. Heimatforscher Manfred Kopp und sein Mitstreiter Bernhard Ochs haben das Buch über E-Bay ?zurückerobert?.

Zeitzeugnis aus dem "Fried-Land"

Heimatforscher ersteigern für Klinik Hohe Mark historisches Gästebuch

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Seit den 1920ern war das Gästebuch der florierenden Adligen-Klinik verschollen. Dank Internet ist die Signaturensammlung wieder aufgetaucht. Auch Besucher heute sollen sie sehen.

Kaiser Wilhelm II. hatte eine Schönschrift. Sofern er es selbst war, der sich, seine Frau Auguste Viktoria und zwei seiner Kinder ins Gästebuch der Klinik Hohe Mark eintrug. Der Regent besuchte die Klinik im Wald zu Oberursel am 4. April 1913, weil die Königin der Niederlande dort weilte.

Patienten, aber auch Besucher – zuweilen prominente – hinterließen hier in geschwungener Schönschrift Dankessätze, manchmal Gedichte, Zeichnungen. Ein Gästebuch offenbart viel von der Zeit, in der die Einträge erfolgten. Deshalb ist es für die Klinikleitung heute ein Schatz, dass eben jenes in Schweinsleder gebundene Gästebuch nach Jahrzehnten in Sammlerhand wieder aufgetaucht ist.

Zu verdanken ist dies den Heimatforschern Bernhard Ochs (81) und Manfred Kopp (83). Ochs habe das Internet „durchkämmt“ und sei am 3. Januar um 16 Uhr auf einen „heißen Fund“ gestoßen, so Kopp. Die Beschreibung versprach ein „einmaliges Zeitdokument“, in das sich „viele jüdische Gäste, hoher und höchster Adel, hohe Offiziere, Militär aus Deutschland und Russland bis zum Ersten Weltkrieg“ eingetragen hätten. Nun war Eile gefragt. Es wurde gemailt, verhandelt, Geld überwiesen – und um 21.30 Uhr gehörte das Gästebuch Kopp. 7500 statt 12 500 Euro habe er dem Bieter, einem Rechtsanwalt aus Bad Bentheim, bezahlt. Inzwischen nennt es die Klinik stolz ihr Eigen – darin ist dokumentiert, welche Persönlichkeiten sich gerade in der Blütezeit des Kaiserreiches vorm Ersten Weltkrieg hier aufhielten (siehe Zum Thema). Der erste Eintrag von 1903 stammt vom Frankfurter Irrenhausleiter Emil Sioli, Begründer der Sozialpsychiatrie, der dem „Gartenland“ seines Oberarztes Friedländer in Sütterlinschrift einen Segen dichtete.

Die nächsten Seiten lesen sich wie ein Who’s Who der europäischen Adelswelt der Kaiserzeit, die sich nach erfolgter Behandlung in Oberursel im Gästebuch eintrugen. Zu lesen sind die Empfehlung vom Leibarzt des russischen Zaren sowie das Lob eines Ingenieurs, der sich in einem Wortspiel für das „Fried-Land in Kriegszeiten“ bedankt. Später werden die Fotos bunt, zeigen Menschen vorm VW Käfer im Gebirge, die Dankesworte bleiben. In den 1960ern enden die Einträge.

Das Buch soll auch für Besucher zugänglich gemacht werden. „Vielleicht im Wintergarten“, so Klinikchefin Anke Berger-Schmitt. Doch zunächst wird das Friedländerhaus – historischer Kern der Klinik – bis Ende 2018 renoviert.

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